Gerbematerialien
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Getah-Lahoe
Gerbematerialien nennt man eine Reihe
pflanzlicher Stoffe, die wegen ihres Gehaltes
an Gerbsäure (Tannin) die tierische Haut in
Leder umwandeln. Das älteste und wichtigste
Mittel ist die Eichenrinde mit s—18% Gerb
stoff, neben welcher die Rinde von Fichten
und anderen Koniferen mit einem Tannin-
gehalt von 5—io°/o mehr oder weniger zurück
tritt. In Rußland findet Weidenrinde zur
Herstellung des Juchtenleders Anwendung, Neuer
dings haben einige ausländische G. wegen ihres
hoben Tanningehaltes auch für den inländischen
Markt große Bedeutung gewonnen, so die Rinde
australischer Akazien und Mimosen mit 25 bis
30% Tannin, das Quebrachoholz (25—30 0 /o),
die als Sumach bezeichneten Blätter von Rhus
cotinus und coriaria (10—30°/o), die Frucht
becher asiatischer Eicheln (Valonea mit 20 bis
40% Tannin), die Schoten einiger Leguminosen;
Myrobalanen (20—4o°/o), Divi-Divi (35 bis
45 0/0) und vor allem die sehr gerbstoffreichen
Drogen, wie: Gallen, Katcchu, Kino, Garn-
bir. Zur Verringerung der Beförderungskosten
werden die genannten Stoffe vielfach auch in
Extraktform, als Gerbextrakte, in den Ver
kehr gebracht.
Gerbsäure (Gerbstoff). Mit diesem Namen
belegt man in der Chemie eine Anzahl schwach
saurer Pflanzenstoffe, die alle darin überein
stimmen, daß sie mit Eisenoxydsalzen dunkel
schwarzblaue oder dunkelgrüne Färbungen geben
und durch Leimlösung gefällt werden. Im Han
del findet sich jedoch bis jetzt nur eine dieser
G., die Galläpfelgerbsäure, Tannin (lat.
Acidum tannicum, frz. Acide tannique, engl.Tan-
nic acid). Sie ist auch stets gemeint, wenn man
das Wort G. ohne nähere Bezeichnung ge
braucht, denn die «übrigen G., wie z. B. Eichen
rindengerbsäure, Kaffeegerbsäure, Ratanhia- und
Chinagerbsäure, Katechugerbsäure usw., bilden
keine Handelsartikel. Zur Herstellung der G.
benutzt man fast ausschließlich die chinesischen
Galläpfel, die im gemahlenen Zustande mit einem
Gemisch von Alkohol und Äther extrahiert wer
den. Nach dem Abdestillieren des Ätheralkohols
bleibt die G. als eine feste, spröde Masse zurück,
die gepulvert wird und die gewöhnliche Handels
ware für technische Zwecke (lat. Acidum tanni
cum technicum) bildet. Sie ist ein amorphes,
bräunlichgelbes Pulver von eigentümlichem Ge
ruch, während für medizinische Zwecke ein
reineres, geruchloses Präparat von hellgelblicher
Farbe benutzt wird. Außerdem hat man noch
unter dem Namen Acidum tannicum levissimum
eine äußerst leichte, lockere, glänzende, . fast
weiße Sorte, die durch Verdampfen der- Gerb
säurelösung im Vakuumapparate dargestellt wird.
Sie unterscheidet sich hinsichtlich der Reinheit
nicht von der anderen Sorte, sondern ist nur
schaumig aufgetrieben. Eine gute G. muß sich
in destilliertem Wasser leicht und klar auflösen.
Beim Erhitzen schmilzt sie und zersetzt sich
zwischen 210 und 215° C in Pyrogallussäure,
Kohlensäure und Melangallussäure. Ihre Zusam
mensetzung entspricht der Formel C U H 10 Q 9 ,
doch ist die frühere Ansicht, daß sie als das
Anhydrid der Gallussäure (Digallussäure) an
zusprechen sei, durch neuere Forschungen wider
legt. Auch enthält sie keinen Zucker und kann
daher nicht wie viele andere Gerbsäuren oder
Gerbstoffe, die nach Kunz-Krause besser als
Tannoide bezeichnet werden, zu den Glykosiden
gerechnet werden. Verwendung findet sie als
Beize beim Färben von Baumwolle mit Anilin
färben, zum Schönen des Weins bei gleichzeitiger
Anwendung von Hausenblase, in der Photogra
phie und zu medizinischen Zwecken.
Gerste (lat. Hordeum, frz. Orge, engl. Barley)..
Diese wichtige Getreideart ist eine Pflanze der
gemäßigten Zone und findet sich in allen Erd
teilen von der Grenze der Tropen bis zum 70.
Grad nördl. Breite. Sie ist ziemlich anspruchs
los, kommt selbst im Himalaya und in Peru bis
zu Höhen von 2800 m fort und reift überall
da, wo ein kurzer aber warmer Sommer ihren
Anbau ermöglicht. Am besten gedeiht sie auf san
digem Lehmboden mittleren Kaikgehaltes, der sich,
im Zustande guter, aber nicht frischer Düngung
befindet. Die einzelnen Arten der G. unterschei
det man in vielzeilige, vierzeilige und zweizeilige
und rechnet zu den ersteren die sog. sechszei
lige (Hordeum hexastichum), die nur in
wärmeren Lagen als Sommer- und Winterfrucht
gebaut wird, und die gemeine G. (H. vul
gare), die weniger zur Malzbereitung, als zur
Ernährung, dient und nördlich der Rebenltetie
vorkommt. Die zweizeilige oder kleine G.
(H. distichum) liefert hauptsächlich das Malz,
und gedeiht nur als Sommerfrucht von der ge
mäßigten bis zur warmen Zone. Die Vegetations
dauer der vierzeiligen G. umfaßt 63—98, die
jenige der zweizeiligen 100—159, und diejenige-
der Wintergerste 280—322 Tage. In ihrer chemi
schen Zusammensetzung und dem Bau der Stärke
körner ähnelt die G. dem Weizen und enthält
im Mittel i3°/o Wasser, to°/o Protein, 2 °/o Fett,
4,5 0/0 Rohfaser, h,s °/o Asche und 68 °/o Kohlen
hydrate. Je nach dem Gehalt an Stickstoff
substanz wird sie von den einzelnen Industrien,
verschieden bewertet, indem der Brauer die
stickstoffarme, mehlige G. (s. Malz), der Brenner
eine glasige, Stickstoff reiche bevorzugt, weil letz
tere mehr Diastase liefert. Ein einfaches Mittel
zur Unterscheidung bietet die Bestimmung des
Hektoliter- oder 1000-Körner-Gewichtes und die-
Untersuchung auf Glasigkeit mittels des Fan-
notoms. G. wird hauptsächlich als Malz in der
Brauerei und Brennerei verwandt. Zur mensch
lichen Ernährung dient sie meist in Form von.
Graupen oder Grütze, seltener als Mehl zum Brot
backen sowie als Kaffee-Ersatz (s. d.). In Nord
afrika und Arabien wird sie auch als Futter für
Pferde, bei uns nur für Geflügel benutzt.
Qerstenzucker (Malzzucker, lat. Saccha-
rum maltis) nannte man früher die durch Ein
kochen eines mit Zucker versetzten Auszuges
aus Gerste oder Malz erhaltene feste Masse. Zur
zeit wird meist eine gewöhnliche Zuckerlösung,
eingekocht und auf glatte, geölte Platten ge
gossen, darauf in Streifen geschnitten, schraubig.
gedreht und auf Blechen getrocknet.
Gesundheitsgeschirre (Sanitätsgeschirre)
nennt man diejenigen Topfgeschirre, die keine
Bleiglasur, sondern irgendeine andere giftfreie
Glasur besitzen.
Getah-Lahoe (Sumatrawachs), ein vegetabi
lisches Wachs, das auf der Insel Sumatra aus
dem Milchsäfte von Ficus ceriflua (Jungh.)-