Glühstifte
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Glyzerin
Beobachtung, daß gewisse, bei gewöhnlicher
Temperatur nicht leitende Substanzen bei höheren
Temperaturen den elektrischen Strom
leiten. Sie enthält als Glühkörper ein Stäbchen
aus Magnesia, welches durch eine automatisch
wirkende Heizvorrichtung vorgewärmt und dann
erst durch den elektrischen Strom zum Glühen
gebracht wird. Der Stromverbrauch ähnelt demjenigen
der Tantallampe. Dem hohen Preise
steht der geringere Stromverbrauch und die
längere Brenndauer entgegen. Als, Nachteil der
N. ist zu erwähnen, daß sie nur für größere
Lichtstärken hergestellt wird.
Glühstifte für Taschenwärmeöfchen, wie sie
vielfach ins Feld gesandt wurden, bestehen aus
einem Gemische von Lindenholzkohlenpulver mit
einem Klebemittel (Tragant, Stärke) und etwas
Salpeter, das in Form zylindrischer Stäbe gebracht
und dann getrocknet wird. Sorgfältiges
Mischen ist wesentlich, da die Stifte sonst schief
brennen oder vorzeitig erlöschen.
Glühstrümpfe für Gasglühlicht (Auerlicht),
Spiritus- und Petroleumglühlicht werden in der
Weise hergestellt, daß man ein feines Baumwollengewebe
mit einer Lösung von Salzen der
seltenen Erden, meist Thoriumnitrat mit i°/o
Zernitrat, tränkt und darauf die Faser durch
Glühen zerstört. Das in Form des Gewebes
hinterbleibende Gerüst von Metalloxyden wird,
um ein Zerbröckeln beim Versand zu verhindern,
mit Lösungen elastischer Substanzen, wie
Guttapercha oder Kollodium, getränkt, die dann
beim Gebrauch schnell abbrennen. Die Anwendung
der G. hat eine erhebliche Gasersparnis
zur Folge, ihre Brenndauer beträgt gegen
Soo Brennstunden.
Glutol, ein gelbweißliches, in Wasser unlösliches
Pulver, wird durch Behandlung von Gelatine
mit Formaldehyd dargestellt und findet
als antiseptisches, blutstillendes Wund.treupulver
Anwendung. Mit ihm identisch ist das ebenfalls
als Formaldehydgelatine anzusprechende Glutoform.
Glykoformal nennt Lingner die zur Füllung
seines Desinfektionsapparates bestimmte Mischung
von io Teilen Glyzerin, 15 Teilen Wasser
und 75 Teilen Formaldehyd.
Glykolsäure (Oxy essigsäure), eine organische
Säure von der Formel CH 2 (OH).COOH,
ist als eine Essigsäure aufzufassen, in der ein
WasserstoffatomderMethylgruppedurchHydroxyl
ersetzt ist. Die Säure, die in den Woüwaschwässern,
in unreifen Weintrauben, in den Blättern
des wilden Weins und im Rübensaft vorkommt,
wurde früher nur als chemisches Präparat
durch Erhitzen von Monochloressigsäure
mit Wasser, Kaliumkarbonatlösung oder Kalziumkarbonat
hergestellt, hat aber neuerdings
größere praktische 'Bedeutung erlangt, seitdem es
gelungen ist, sie in großen Mengen aus Oxalsäure
durch Reduktion mit Zink und Schwefelsäure
oder durch Elektrolyse zu gewinnen. Die
G. bildet bei 80 0 schmelzende Kristalle, die sich
in Wasser, Alkohol und Äther lösen. Die wäßrige,
rein sauer schmeckende Lösung ist während
des Krieges als Ersatz organischer Pflanzensäuren
für gewisse Zwecke der Nahrungsmittelindustrie,
u.a. zur Herstellung von Kunsthonig, empfohlen
worden, wird unter normalen Verhältnissen aber
hierfür viel zu teuer sein, da 1 kg über 100 M.
kostet.
Glykosal, ein neues Heilmittel, wird durch
Erhitzen von Glyzerin mit Salizylsäure und Mineralsäuren
hergesteilt als ein weißes Kristall- 1
pulver vom Schmelzpunkt 76°, das sich leicht in
heißem Wasser und Alkohol, schwierig in Chloroform
und Äther löst. Es ist der Salizylsäureester
des Glyzerins und findet an Stelle der Salizylsäure
medizinische Anwendung.
Glykoside (Glukoside) nennt man eine besonders
im Pflanzenreiche weit verbreitete
Gruppe organischer Verbindungen, die beim
Kochen mit Säuren oder durch Fermente in
eine Zuckerart und andere mit dem Zucker esterartig
verbundene Körper zerfallen. Nach der
Art des Zuckers, zu dem hier auch Phlorogluzin.
Mannit und ähnliche Kohlenhydrate gerechnet
werden, unterscheidet man folgende Gruppen;
1. Eigentliche Glykoside, deren Spaltungsprodukt
Glykose ist, z. B. Arbutin, Daphnin, Helleborin,
Jalapin, Salizin; 2. Phlorogluzide (Spaltungsprodukt
Phlorogluzin), z. B. Makiurin,.
Phloretin; 3. Phloroglykoside, die zuerst
Glykose, bei längerer Einwirkung der Säure
auch Phlorogluz n abscheiden, z. B. Phloridzin,
Robinin; 4. Gummide (Spaltungsprodukt
Gummi), z. B.Karminsäure; 5. Mannide (Spaltungsprodukt
Mannit), z. B. Chinovin; ö.Stickstoff
haltige G., z. B. Amygdaiin, Solanin. Verschiedene
technisch wichtige G. sind unter ihrem
besonderen Namen näher besprochen worden.
Glyzerin (Glyzerylalkohol, GlyzeryT
oxydhydrat, Ölsüß, Scheelesches Süß, lat.
Glyccrinum, frz. Glycerine, engl. Glycerin), ein
dreiatomiger Alkohol von der Formel C^HsJOHjj,
findet sich nicht im freien Zustande in der Natur,
sondern als Ester verschiedener Fett- und Ölsäuren,
mit denen es die natürlichen Fette des
Pflanzen- oder Tierreiches bildet. In geringer
Menge entsteht es bei der geistigen Gärung
zuckerhaltiger Flüssigkeiten und ist daher ein
regelmäßiger Bestandteil des Weines und Bieres.
Zu seiner technischen Darstellung bedient man
sich in normalen Zeitverhältnissen ausschließlich
der natürlichen Fette, die durch Ätzalkalien bzw
Bleioxyd sowie auch durch gespannte Wasserdämpfe
in Gl. und Fettsäuren zerlegt werden.
Es wird sonach im Großbetrieb stets als Neben
Produkt bei der Seifenfabrikation aus der sog.
Unterlauge, .oder bei der Herstellung der Steaiin
kerzen gewonnen. Bei der letzteren findet die Zerlegung
der Fette sowohl durch Kalkmilch als auch
durch Schwefelsäure statt. Die beste Ausbeute
gibt aber die Verseifung durch überhitzte Wasser
dämpfe. Talg oder Palmöl werden in Destillier
blasen mittels überhitzter Wasserdämpfe auf etwa
300 0 erhitzt, wobei die Spaltungsprodukte, Glyzerin
und Fettsäuren, mit den Wasserdämpfen
übergehen. Nach dem Erkalten wird das GL
aus der von der erstarrten Fettsäure abgelassenen
Flüssigkeit durch Eindampfen gewonnen. Da»
auf die eine oder andere Weise erhaltene Rohglyzerin
stellt eine mehr oder minder sirupöse,
gelb bis braun gefärbte Flüssigkeit dar, die
unter anderem noch Fett, Fettsäuren und anorganische
Salze enthält. Es kommt in großen Mengen
aus Holland, Frankreich und Rußland zur
Einfuhr utid wird verschiedenen Reinigung*