Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Lebertran

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Leder

-werden,  und  nach  längerer  Zeit  das  freiwillig
ausfließende  Fett  abgezapft  wird.  Dieses  bildet
die  beste  Sorte  des  naturellen  L.,  den  blanken
oder  gelben  L.  (Oleum  jecoris  aselli  flavum  s.
citrinum).  Die  später  nach  Eintritt  einer  fauligen ­
  Gärung  austretenden  Anteile  sehen  dunkler ­
  aus  und  werden  als  braun  blanker  oder
gelbbrauner  L.  (Oleum  jecoris  fuscum)  bezeichnet. ­
  Durch  Auskochen  der  Rückstände  mit
Wasser  erhält  man  dann  eine  dritte  Sorte  L.
von  dunkelbrauner  Farbe.  Der  aus  frischen
Lebern  gewonnene  Fabrik-  oder  Dampftran
schmeckt  und  riecht  besser  als  der  Bauerntran.
Die  unmittelbar  nach  dem  Fange  aus  den
Fischen  genommenen  Lebern  werden  gewaschen,
von  der  Gallenblase  befreit,  zerkleinert  und
darauf  in  doppelwandige,  durch  Wasserdampf
erhitzte  Kessel  gebracht.  Der  ausfließende  Tran,
der  am  vorzüglichsten  ist,  wenn  die  Erwärmung
50 0  nicht  überschreitet,  sieht  blaßgelb  aus  und
wird  weißer  L.  (Oleum  jecoris  aselli  album
vapore  paratum)  genannt.  Durch  stufenweises
höheres  Erhitzen  und  Abpressen  erhält  man
noch  mehrere  dunkler  gefärbte  Sorten.  —  Der
reine  Medizinallebertran  stellt  ein  eigentümlich
riechendes  und  schmeckendes,  hellgelbes  Öl
vom  spez.  Gew.  0,920—0,930  dar.  Die  Verseifungszahl ­
  schwankt  zwischen  183  bis  186,  die
Jodzahl  zwischen  148  und  180,  die  Refraktion
(25  °)  zwischen  75  und  85.  Der  L.  gehört  zu
den  trocknenden  Ölen.  Unmittelbar  nach  der
Darstellung  ist  er  von  neutraler  Beschaffenheit,
enthält  aber  nach  längerer  Zeit  kleinere  oder
größere  Mengen  freier  Fettsäuren.  Die  Säurezahl ­
  beträgt  bei  Dampfmedizinal-L.  0,7—1,4,  bei
hellem  natürlichen  Medizinal-L.  8,2—12,6,  bei
blankem  L.  11,9—15,9  und  bei  braunblankem
19,2—36,8.  Guter  L.  darf  mit  Weingeist  befeuchtetes ­
  blaues  Lackmuspapier  jedenfalls  nur
schwach  röten.  Ferner  soll  er  vollständig  klar
und  durchsichtig  sein  und  nur  einen  sehr
schwachen  Fischgeruch  besitzen.  Der  L.  besteht ­
  in  der  Hauptsache  aus  Glyzeriden  der
Ölsäure  (70  0/0)  und  der  Palmitinsäure  (250/0),
neben  denen  geringe  Mengen  Stearinsäure  und
Glyzeride  niederer  Fettsäuren  vorhanden  sind.
Ferner  finden  sich  in  dem  L.  0,5—1,3%  Cholesterin, ­
  0,003  °/o  Jod,  weiter  Brom,  Chlor,
Schwefel,  Eisen  in  organischer  Bindung,  mehrere ­
  flüchtige  Basen,  wie  Trimethylamin,  Amylamin,
  zwei  fürL.  charakteristische  Basen  Asellin
und  Morrhuin  und  endlich  mehrere  Säuren,
Asellinsäure,  Morrhuinsäure,  Jekoleinsäure.
  —  Der  wichtigste  Stapelplatz  für  die
deutsche  Versorgung  ist  Bergen  in  Norwegen.
Zu  einem  Hektoliter  L.  'gehören  in  guten  Jahren ­
  250—400  Lebern,  in  schlechten  aber  bis
1000  Stück.  Der  zu  den  besten  Medizinaltranen
zählende  Dampflebertran  von  H.  Meyer  in
Christiania  kommt  in  plombierten  Blechtrommeln
mit  hölzernen  Überfässern  oder  in  kleinen
Flaschen  in  den  Handel,  ebenso  der  blanko
Bauerntran  von  de  Jongh.  Andere  Sorten,  wie
der  Neufundländer,  Labrador-  und  Japanische  L,
haben  für  Europa  nur  geringe  Bedeutung.  Auch
ein  bisweilen  ebenfalls  als  „weißer  L.“  in  den
Handel  gebrachter  L.,  der  durch  Behandlung
mit  Knochenkohle  und  einigen  Prozent  Natronlauge ­
  entfärbt  worden  ist,  spielt  nur  eine

untergeordnete  Rolle.  Die  zum  medizinischen
Gebrauch  dienenden  Lebertransorten  werden
häufig  durch  andere  Tranarten  (Robbentran, ­
  Haifischtran),  Rüböl,  Vaselinöl  usw.
verfälscht.  Ein  Zusatz  von  Rüböl  offenbart
sich  durch  die  Elaidinprobe,  ein  solcher  von
Vaselin  durch  die  Erniedrigung  der  Venseifungszahl.
  Auch  gewährt  die  Kälteprobe  ein
brauchbares  Urteil,  indem  reiner  L.  bei  —2°
noch  klar  bleibt,  während  andere  Trane  und
Öle  feste  Ausscheidungen  liefern.  Von  weiteren
Identitätsreaktionen  seien  folgende  angeführt;
Pettenköfers  Schwefelsäureprobe.  Läßt
man  zu  1—2  g  L.  in  einem  weißen  Schälchen
einige  Tropfen  konzentrierter  Schwefelsäure
langsam  hinzufließen,  so  entsteht  an  der  Berührungsstelle ­
  eine  braunrote,  mit  violetter  Zone
umgebene  Färbung,  die  beim  Mischen  in  Rotbraun ­
  umschlägt.  Kremeis  Salpetersäureprobe. ­
  Verreibt  man  10  Tropfen  L.  auf  einem
Uhrglase  mit  1—2  Tropfen  rauchender  Salpetersäure, ­
  so  wird  Dorschlebertran  feurigrosa,  nach
einigen  Minuten  zitronengelb,  Haifischtran  und
japanischer  Tran  färben  sich  blau,  dann  braun
und  erst  nach  2—3  Stunden  gelb,  Robbentran
nimmt  nach  längerer  Zeit  eine  braune  Farbe
an.  Liebermanns  Cholesterinreaktion  nach
Vogt.  Die  abgekühlte  Mischung  von  20  Tropfen
Chloroform,  40  Tropfen  Essigsäureanhydrid  und
3  Tropfen  Schwefelsäure  gibt  beim  Schütteln
mit  3  Tropfen  L.  eine  intensiv  blaue  Färbung,
die  rasch  verschwindet  und  nach  20—40  Sekunden ­
  in  Olivgrün  übergeht.  Specktrane  liefern
andere,  meist  rotbraune  Färbungen.  Weitere
Reaktionen  werden  mit  dem  Unverseifbaren
angestellt.  Von  quantitativen  Methoden  zum
Nachweis  der  Specktrane  sind  die  Bestimmung
der  Hexabromide  (35—500/0)  und  der  stark
ungesättigten  Fettsäuren  nach  Bull  die  wichtigsten. ­
  Zusätze  pflanzlicher  Öle  erkennt  man
an  ihrem  Phytosteringehalte.  Der  weiße  L.
wird  in  der  Medizin  als  Nähr-  und  Heilmittel
angewandt.  DerHeilwert  beruht  jedoch  nicht  auf
seinem  Gehalt  an  Jod,  wie  früher  angenommen
wurde,  sondern  auf  seiner  anerkannt  leichten
Verdaulichkeit.  Infolge  des  Widerwillens  vieler
Kranker  gegen  das  Einnehmen  wird  L.  neuerdings
oft  als  Emulsion  verordnet,  und  zwar  früher  fast
allgemein  die  unter  dem  Namen  Scotts  Emulsion ­
  eingeführte  Lebertran-Emulsion,  doch
stellen  auch  viele  deutsche  Fabriken  gute
gleichwertige  Erzeugnisse  her.  —  Die  braunen
Lebertransorten  werden  zur  Bereitung  von
Schmierseife,  als  Stiefelschmiere  und  in  der
Sämischgerberei  benutzt.  Die  Aufbewahrung
erfolgt  in  nicht  zu  großen,  aber  vollständig  gefüllten ­
  Gefäßen  an  einem  kühlen  Ort.  In  Originalfässern ­
  bezogener  L.  muß  erst  einige  Wochen
lagern,  ehe  er  abgezogen  wird.  Zur  Versendung ­
  gelangt  der  L.  in  Fässern,  Blechtonnen
und  in  Flaschen.
Leder  (frz.  Cuir,  engl.  Leather).  Diesen  Namen
führen  die  durch  das  Gerben  in  ihren  Eigenschaften ­
  vorteilhaft  veränderten  und  haltbar
gemachten  tierischen  Häute.  Die  letzteren ­
  sind  bekanntlich  im  frischen,  noch  feuchte;! ­
  Zustande  weich  und  geschmeidig,  nehmen ­
  aber  beim  Austrocknen  eine  harte,  hornartige, ­
  wenig  biegsame  Beschaffenheit  an,  wäh ­
            
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