Pflaster
330
Phenolquecksilber
Schicht ausgeschwitzt werden, ist aber noch
nicht näher untersucht worden.
Pflaster (lat. Emplastrum, frz. Emplätres, engl.
Piasters) nennt man in der Chemie Verbindungen
von Blei mit Fettsäuren. In der Pharmazie versteht
man darunter alle zum Ankleben auf die
Haut bestimmten arzneilichen Zubereitungen, die
entweder auf Stoff gestrichen oder in Stangenform
vorrätig gehalten werden und aus einer
knetbaren, wachsartigen Mischung von Fetten,
Harz oder Wachs mit anderen Stoffen bestehen.
Nach ihrer Grundmasse unterscheidet man gekochte
oder Bleipflaster (Emplastrum Lithargyri),
aus Olivenöl, Bleiglätte und Schweinefett
gekocht; geschmolzene oder Harzpflaster
(Gummipflaster, E. adhaesivum, E.
Lithargyri compositum) aus Bleipflaster,
Wachs, Harzen und Gummiharzen; Hausenblasepflaster
(Seidenpflaster, Englischpflaster,
lat. Emplastrum anglicum, Emplastrum Ichthyocollae,
frz. Sparadrap d’ichthyocolle, engl. Court-Piaster)
aus einer. auf Seidentaft eingetrockneten
Abkochung von Plausenblase (50 g zu 300 g
Wasser) und etwas Zucker; Kautschukpflaster
(Collemplastrum), welche gelösten Kautschuk
enthalten. Die medikamentösen P. zerfallen
in Spanischfliegen- und Zugpflaster
(E. Cantharidum ordinarium und perpetuum),
Quecksilberpflaster (E. Hydrargyri),
Seifenpflaster (E. saponatum) u. a. Im weiteren
Sinne rechnet man zu den P. auch Klebtaffet
und Klebepapier. Mit Ausnahme des
Englischpflasters, Heftpflasters, Pechpflasters
und der Hühneraugenmittel dürfen P. als Heilmittel
nur in Apotheken verkauft werden.
Pflaumen (frz. Prunes, engl. Plums), die ein
beliebtes Obst bildenden bekannten Steinfrüchte,
finden sich in zahlreichen Arten, die sämtlich
der Gattung Prunus L. (frz. Prunier, engl,
Plum treej angehören, besonders als Zwetschen,
Hain-, Kirsch-, aprikosenähnliche, Damaszener-
und Eierpflaumen, Mirabellen
und Reineklauden. Der Name P. bezeichnet
im Osten und Norden fast nur die blaubereiftan
länglichen Zwetschen, im Süden mild Westen dagegen
die runden und rundlichen Früchte von
gelber, gelblicher und roter Farbe. Die P. bilden
in frischem wie getrocknetem Zustande einen sehr
bedeutenden Handelsartikel, besonders als Backobst
sowie zur Herstellung von Branntwein, Mus,
Sirup und Essig. Als feinste Sorten gelten die
Katharinenpflaumen, Imperial (Sur choix,
Rame supörieure) sowie türkische und böhmische
P.
Pflaumenbaumholz (Z wetschenbaumholz)
von Prunus domestica ist sehr dicht, von
feinem Korn und dunkelrötlichbrauner Farbe
und gegen den Kern hin, mehr oder weniger mit
braunroten und violettroten Adern und Flammen
geziert. Es wird von Tischlern und Drechslern
benutzt und mit Vorliebe zu Faßhähnen und den
billigeren Holzblasinstrumenten verarbeitet.
Pflaumenkernöl (frz. Huile d’amandes de
prune, engl. Plumpern-Oil), das aus den Pflaumenkernen
gepreßte blaßgelbe fette Öl, ist geruchlos
und von mandelölähnlichem Geschmack.
Das spez. Gewicht beträgt 0,915 bei I5°C, der
Erstarrungspunkt liegt bei —8,5° C.
Pflaumenmus (frz. Marmelade de prune, Prunelöe,
engl. Paste of plums) besteht aus dem von
Kernen und Schalen befreiten Fruchtfleisch
der Pflaumen, das längere Zeit, bis die nötige
Festigkeit erreicht ist, in kupfernen Kesseln gekocht
wird. Nach dem Kochen muß man das
P. noch warm ausfüllen, da beim Erkalten und
längeren .Stehen im Kessel Leicht etwas Kupfer
aufgelöst wird (s. Marmeladen).'
Phenazetin (Phenedin, Phenin, lat. Phenacetinum,
frz. Acetphenetidine, engl. Phenacetine)
ist in chemischer Hinsicht Azetparaphenetidin
und wird dementsprechend durch Kochen von
Phenetidin (Paraamidophenol) mit Eisessig gewonnen.
Es bildet weiße glänzende, geruch- und
geschmacklose Kristallblättchen, die in Wasser
schwer, in Alkohol leicht löslich sind und bei
135 0 schmelzen. Ph. wird vielfach als Fiebermittel,
gegen Kopfschmerzen und Migräne verordnet,
da es die guten Eigenschaften des Airtipyrins
und Antifebrins vereinigt, ohne deren
nachteilige Folgen zu zeigen
Phenanthrenrot, ein seit 1886 im Handel vorkommender
Teerfarbstoff, besteht aus dem
Nafronsalze des Alphanaphtylsulfosäureosazonphenanthrenchinons.
Das braunrote Pulver gibt
mit heißem Wasser eine kirschrote, mit konzentrierter
Schwefelsäure eine blaue Lösung, aus der
beim Verdünnen ein gelbbrauner Niederschlag
ausfällt. Wolle wird in sauerem Bade rot gefärbt.
Phenokoli (lat. Phenocollum, frz. Phenocolle,
engl. Phenokoli), ein dem Phenazetin verwandtes
Phenetidinderivat (Glykokollparaphenetidin, Amidophenazetin),
bildet farblose Kristallnadeln vom
Schmelzpunkte 95 °, die in kaltem Wasser, Äther,
Benzol und Chloroform schwer, in heißem Wasser
und Alkohol leicht löslich sind. Die Salze, besonders
das salzsaure, essigsaure und kohlensaure
P. werden wie Phenazetin gegen Fieber und
Rheumatismus angewandt.
Phenolphtalein (Dioxydiphenylphtalid,
Diparaoxyphtalophenon) wird durch Erhitzen
eines Gemisches von Phthalsäureanhydrid,
Phenol und Zinnchlorid (oder auch Schwefel
säure) auf 115—120 0 , Auskochen des Reaktionsproduktes
mit Wasser, Lösen in Natronlauge
und Übersättigen mit Essigsäure dargestellt. Das
durch Umkristallisieren aus Alkohol gereinigte
P. dient als Indikator in der Maßanalyse, z. B.
bei Essigprüfungen, weil seine alkoholische oder
verdünnte wässerige Lösung durch den geringsten
Überschuß von Alkali intensiv purpurrot,
durch Zusatz von überschüssiger Säure aber
wieder farblos wird. Neuerdings wird Ph. vielfach
als Abführmittel benutzt und ist als Bestandteil
der Ade-Biskuits, Zickzack-Tabletten
sowie von Entfettungsmitteln wie Bora
ni umbeeren, Pur gen, Pu rgella,Purgetta,
Purgin-, Laxier-, Laxin-Konfekt, Purglets,
Purgolade usw. aufgefunden wurden, die
nach dem sächs. Ministerialerlaß vom 31.VIL
1913 dem Apothekenzwang unterworfen sind.
Auch Derivate desPh., z. B. Isovalerylazetyl-Ph.
(Aperitol) dienen als Abführmittel.
Phenolquecksilber (lat. Hydrargymm carbolicum
oxydatum, Hydrargymm phenolicum), ein
Mittel gegen Syphilis, entsteht durch Fällen einer
konzentrierten Lösung von Phenolkalium mit al-