Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Pflaster

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Phenolquecksilber

Schicht  ausgeschwitzt  werden,  ist  aber  noch
nicht  näher  untersucht  worden.
Pflaster  (lat.  Emplastrum,  frz.  Emplätres,  engl.
Piasters)  nennt  man  in  der  Chemie  Verbindungen
von  Blei  mit  Fettsäuren.  In  der  Pharmazie  versteht ­
  man  darunter  alle  zum  Ankleben  auf  die
Haut  bestimmten  arzneilichen  Zubereitungen,  die
entweder  auf  Stoff  gestrichen  oder  in  Stangenform ­
  vorrätig  gehalten  werden  und  aus  einer
knetbaren,  wachsartigen  Mischung  von  Fetten,
Harz  oder  Wachs  mit  anderen  Stoffen  bestehen.
Nach  ihrer  Grundmasse  unterscheidet  man  gekochte ­
  oder  Bleipflaster  (Emplastrum  Lithargyri),
  aus  Olivenöl,  Bleiglätte  und  Schweinefett ­
  gekocht;  geschmolzene  oder  Harzpflaster ­
  (Gummipflaster,  E.  adhaesivum,  E.
Lithargyri  compositum)  aus  Bleipflaster,
Wachs,  Harzen  und  Gummiharzen;  Hausenblasepflaster ­
  (Seidenpflaster,  Englischpflaster,
lat.  Emplastrum  anglicum,  Emplastrum  Ichthyocollae,
  frz.  Sparadrap  d’ichthyocolle,  engl.  Court-Piaster)
  aus  einer.  auf  Seidentaft  eingetrockneten ­
  Abkochung  von  Plausenblase  (50  g  zu  300  g
Wasser)  und  etwas  Zucker;  Kautschukpflaster ­
  (Collemplastrum),  welche  gelösten  Kautschuk ­
  enthalten.  Die  medikamentösen  P.  zerfallen ­
  in  Spanischfliegen-  und  Zugpflaster
(E.  Cantharidum  ordinarium  und  perpetuum),
  Quecksilberpflaster  (E.  Hydrargyri),
Seifenpflaster  (E.  saponatum)  u.  a.  Im  weiteren ­
  Sinne  rechnet  man  zu  den  P.  auch  Klebtaffet
  und  Klebepapier.  Mit  Ausnahme  des
Englischpflasters,  Heftpflasters,  Pechpflasters
und  der  Hühneraugenmittel  dürfen  P.  als  Heilmittel ­
  nur  in  Apotheken  verkauft  werden.
Pflaumen  (frz.  Prunes,  engl.  Plums),  die  ein
beliebtes  Obst  bildenden  bekannten  Steinfrüchte, ­
  finden  sich  in  zahlreichen  Arten,  die  sämtlich ­
  der  Gattung  Prunus  L.  (frz.  Prunier,  engl,
Plum  treej  angehören,  besonders  als  Zwetschen,
Hain-,  Kirsch-,  aprikosenähnliche,  Damaszener- ­
  und  Eierpflaumen,  Mirabellen
und  Reineklauden.  Der  Name  P.  bezeichnet
im  Osten  und  Norden  fast  nur  die  blaubereiftan
länglichen  Zwetschen,  im  Süden  mild  Westen  dagegen ­
  die  runden  und  rundlichen  Früchte  von
gelber,  gelblicher  und  roter  Farbe.  Die  P.  bilden
in  frischem  wie  getrocknetem  Zustande  einen  sehr
bedeutenden  Handelsartikel,  besonders  als  Backobst ­
  sowie  zur  Herstellung  von  Branntwein,  Mus,
Sirup  und  Essig.  Als  feinste  Sorten  gelten  die
Katharinenpflaumen,  Imperial  (Sur  choix,
Rame  supörieure)  sowie  türkische  und  böhmische ­
  P.
Pflaumenbaumholz  (Z  wetschenbaumholz)
von  Prunus  domestica  ist  sehr  dicht,  von
feinem  Korn  und  dunkelrötlichbrauner  Farbe
und  gegen  den  Kern  hin,  mehr  oder  weniger  mit
braunroten  und  violettroten  Adern  und  Flammen
geziert.  Es  wird  von  Tischlern  und  Drechslern
benutzt  und  mit  Vorliebe  zu  Faßhähnen  und  den
billigeren  Holzblasinstrumenten  verarbeitet.
Pflaumenkernöl  (frz.  Huile  d’amandes  de
prune,  engl.  Plumpern-Oil),  das  aus  den  Pflaumenkernen ­
  gepreßte  blaßgelbe  fette  Öl,  ist  geruchlos ­
  und  von  mandelölähnlichem  Geschmack.
Das  spez.  Gewicht  beträgt  0,915  bei  I5°C,  der
Erstarrungspunkt  liegt  bei  —8,5°  C.

Pflaumenmus  (frz.  Marmelade  de  prune,  Prunelöe,
  engl.  Paste  of  plums)  besteht  aus  dem  von
Kernen  und  Schalen  befreiten  Fruchtfleisch
der  Pflaumen,  das  längere  Zeit,  bis  die  nötige
Festigkeit  erreicht  ist,  in  kupfernen  Kesseln  gekocht ­
  wird.  Nach  dem  Kochen  muß  man  das
P.  noch  warm  ausfüllen,  da  beim  Erkalten  und
längeren  .Stehen  im  Kessel  Leicht  etwas  Kupfer
aufgelöst  wird  (s.  Marmeladen).'
Phenazetin  (Phenedin,  Phenin,  lat.  Phenacetinum,
  frz.  Acetphenetidine,  engl.  Phenacetine)
ist  in  chemischer  Hinsicht  Azetparaphenetidin
und  wird  dementsprechend  durch  Kochen  von
Phenetidin  (Paraamidophenol)  mit  Eisessig  gewonnen. ­
  Es  bildet  weiße  glänzende,  geruch-  und
geschmacklose  Kristallblättchen,  die  in  Wasser
schwer,  in  Alkohol  leicht  löslich  sind  und  bei
135 0  schmelzen.  Ph.  wird  vielfach  als  Fiebermittel, ­
  gegen  Kopfschmerzen  und  Migräne  verordnet, ­
  da  es  die  guten  Eigenschaften  des  Airtipyrins
  und  Antifebrins  vereinigt,  ohne  deren
nachteilige  Folgen  zu  zeigen
Phenanthrenrot,  ein  seit  1886  im  Handel  vorkommender ­
  Teerfarbstoff,  besteht  aus  dem
Nafronsalze  des  Alphanaphtylsulfosäureosazonphenanthrenchinons.
  Das  braunrote  Pulver  gibt
mit  heißem  Wasser  eine  kirschrote,  mit  konzentrierter ­
  Schwefelsäure  eine  blaue  Lösung,  aus  der
beim  Verdünnen  ein  gelbbrauner  Niederschlag
ausfällt.  Wolle  wird  in  sauerem  Bade  rot  gefärbt.
Phenokoli  (lat.  Phenocollum,  frz.  Phenocolle,
engl.  Phenokoli),  ein  dem  Phenazetin  verwandtes
Phenetidinderivat  (Glykokollparaphenetidin,  Amidophenazetin),
  bildet  farblose  Kristallnadeln  vom
Schmelzpunkte  95  °,  die  in  kaltem  Wasser,  Äther,
Benzol  und  Chloroform  schwer,  in  heißem  Wasser
und  Alkohol  leicht  löslich  sind.  Die  Salze,  besonders ­
  das  salzsaure,  essigsaure  und  kohlensaure
P.  werden  wie  Phenazetin  gegen  Fieber  und
Rheumatismus  angewandt.
Phenolphtalein  (Dioxydiphenylphtalid,
Diparaoxyphtalophenon)  wird  durch  Erhitzen ­
  eines  Gemisches  von  Phthalsäureanhydrid,
Phenol  und  Zinnchlorid  (oder  auch  Schwefel
säure)  auf  115—120 0 ,  Auskochen  des  Reaktionsproduktes ­
  mit  Wasser,  Lösen  in  Natronlauge
und  Übersättigen  mit  Essigsäure  dargestellt.  Das
durch  Umkristallisieren  aus  Alkohol  gereinigte
P.  dient  als  Indikator  in  der  Maßanalyse,  z.  B.
bei  Essigprüfungen,  weil  seine  alkoholische  oder
verdünnte  wässerige  Lösung  durch  den  geringsten ­
  Überschuß  von  Alkali  intensiv  purpurrot,
durch  Zusatz  von  überschüssiger  Säure  aber
wieder  farblos  wird.  Neuerdings  wird  Ph.  vielfach ­
  als  Abführmittel  benutzt  und  ist  als  Bestandteil ­
  der  Ade-Biskuits,  Zickzack-Tabletten ­
  sowie  von  Entfettungsmitteln  wie  Bora ­
  ni  umbeeren,  Pur  gen,  Pu  rgella,Purgetta,
Purgin-,  Laxier-,  Laxin-Konfekt,  Purglets,
  Purgolade  usw.  aufgefunden  wurden,  die
nach  dem  sächs.  Ministerialerlaß  vom  31.VIL
1913  dem  Apothekenzwang  unterworfen  sind.
Auch  Derivate  desPh.,  z.  B.  Isovalerylazetyl-Ph.
(Aperitol)  dienen  als  Abführmittel.
Phenolquecksilber  (lat.  Hydrargymm  carbolicum
  oxydatum,  Hydrargymm  phenolicum),  ein
Mittel  gegen  Syphilis,  entsteht  durch  Fällen  einer
konzentrierten  Lösung  von  Phenolkalium  mit  al-
            
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