Preiselbeeren
350
Puddingpulver
abfall, Kehricht, Ziegelpulver). Abgesehen von
China, wo man die Mischung von Exkrementen
mit Ziegelpulver als Taffö verkauft, wird die
meiste P. und das in ähnlicher Weise aus Harn
hergestellte Ural in Frankreich dargestellt und
verbraucht. —• Die P. bildet eine dunkelschwarze,
pulverförmige Masse, die begierig Wasser an
zieht und deshalb vorzüglich für Sandboden ge
eignet ist. Sie kann zu jeder Pflanze, sowohl zur
Saat als auch während des Wachstums, ver
wandt werden, da sie den Wurzeln nicht schadet.
Wie bei allen Kunstdüngern muß der Hersteller
den Gehalt an den wichtigeren Bestandteilen,
Phosphorsäure (bis zu 8 °/o) und Stickstoff (3 bis
5 0/0), verbürgen. 1 hl P. wiegt 67 kg. Man ver
wendet auf 1 ha etwa 20—30 hl bei Ackerland
und 20 hl bei Wiesen. Das Urat ist reicher an
Stickstoff (bis 10 °/o) und an Phosphorsäure (bis
12 %).
Preiselbeeren (Kronsbeeren, rote Heidel
beeren, Krausbeeren, frz. Airelles, Raisins
d’ours, engl. Bil berrys) sind die Früchte des
immergrünen Strauches Vaccinium vitis idaea,
der in Gebirgs wäldern Ost-, Mittel- und Nord
europas häufig wächst. Die Beeren werden in
Deutschland vom 1. September an durch Frauen
und Kinder gesammelt und besonders aus dem
Erzgebirge, Thüringer Wald, Fichtelgebirge und
oberen Vogtland sowie Schweden in Körben
verpackt weithin versandt. Die stark sauren
und herben Früchte, die neben 2—2 1 /2°lo freier
Äpfelsäure als charakteristischen Bestandteil etwas
Benzoesäure enthalten, sind an und für sich
kaum zu genießen, werden aber durch Kochen
mit Zucker in ein schmackhaftes Kompott um
gewandelt. Im Handel sind durch Moosbeeren,
Vogelbeeren, Stärkesirup und Teerfarben ver
fälschte P. angetroffen worden.
Primerose, ein durch Äthylierung des Eosins
(s. d.) erhaltener roter Teerfarbstoff, besteht
aus dem Kalisalze des Tetrabromfluoreszeinäthyl
äthers. Es ist ein braunes, mit grünen Kriställ-
chen vermischtes Pulver, das sich leicht in Al
kohol, aber schwer in Wasser löst und deshalb
auch Spriteosin, Äthyleosin, Primerose ä
l’alcool, Eosin ä I’alcool, EosinBB genannt
wird. —- Auch das durch Methylierung des
Eosins erhaltene Methyleosin, das mitErythrin
(s.d.) identisch ist, wird von den Franzosen
Primerose ä l’alcool genannt. — Primerose
soluble ist identisch mit Erythrosin.
Primula ist der Handelsname für ein Ge
misch Von Methylviolett mit Fuchsin.
Probiersteine zur annähernden Ermittelung
des Gold- und Silbergehaltes von Legierungen wer
den aus verschiedenen schwarzen harten Gesteinen
durch Glattschleifen hergestellt. Gewöhnlich be
nutzt man hierzu eine Art schwarzen, bisweilen
mit weißen Adern durchzogenein Quarzes, den sog.
lydischen Stein oder Lydit, der in Lagern im
Tonschiefer vorkommt und in Steiermark, Thü
ringen, Hessen und Schlesien gefunden wird,
seltener schwarzen Basalt und Jaspis. In England
wird zu dem gleichen Zwecke das schwarze, ge
brannte Wedgewood benutzt. Bei der Unter
suchung macht man mit dem zu prüfenden Me
talle einen Strich, setzt daneben Striche mit ver
schiedenen Nadeln von bestimmtem Goldgehalte,
bis man diejenige findet, deren Strich die gleiche
Farbe 'wie der erste hat. Zur weiteren Prüfung
bringt man auf den ersten Strich einen Tropfen
Salpetersäure, wodurch bei goldfreien gelben
Metallmischungen Auflösung erfolgt, doch ver
schwindet auch bei ganz goldarmen Legierungen
das Gold, indem es mechanisch mit fortgenom
men wird.
Propiolsäure (Orthonitrophenylpropiol-
säure) ist eine derjenigen Verbindungen, aus
denen sich auf künstlichem Wege, z. B. durch
Erwärmen mit Natronlauge und Traubenzucker
oder xanthogensaurem Kali, das Indigblau her
steilen läßt. Zur Darstellung der 1880 von
A. Baeyer entdeckten P., C e H 4 (N0 2 )C 2 .C00H,
behandelt man Toluol in der Wärme mit Chlor,
führt das entstehende Benzylenchlorid durch
Erhitzen mit essigsäurem Natron usw. in Zimt
säure und letztere mit Salpetersäure in Ortho-
nitrozimtsäure über. Dem durch Behandlung
mit Brom erhaltenen Orthonitrozimtsäuredibro-
mid entzieht man das Brom durch Natronlauge
und scheidet durch Zusatz von Salzsäure die
P. ab. Sie besteht in chemisch reinem Zustande
aus farblosen Kristallnadeln, findet sich im Han
del gewöhnlich aber als gelblichweißer, mit Kri
stallblättchen durchsetzter Teig.
Propionsäure (Metazetonsäure, lat. Aci
dum propionicum, frz. Acide propionique,. engl-
Propionic acid), eine zwischen der Essigsäure und
Buttersäure stehende Fettsäure, C 3 H 7 COOH, ist
eine ölige, scharf riechende Flüssigkeit, die sich
in Wasser leicht löst, durch zugesetzte Salze aber
wieder abgeschieden werden kann und bei 140 0 C
unzersetzt überdestilliert.
Protargol, ein neueres Antiseptikum gegen
Tripper und zur Wundbehandlung, wird durch
Fällung von Silberlösungen mit Eiweißkörpern
und Lösung der entstehenden Niederschläge mit
Albumosen dargestellt. Das feine hellgelbe,
schwach metallisch schmeckende Pulver ist in
Wasser leicht löslich und enthält etwa 8 °/o Silber
an Albumosen gebunden.
Protopin, ein seltenes, im Opium vorkom
mendes Alkaloid, ist in Wasser unlöslich und
auch in kochendem Alkohol ziemlich schwer
löslich, kristallisiert aber aus diesem in undurch
sichtigen, kugeligen Kristallmassen. Der Schmelz
punkt liegt bei 201 °C. Das P. ist eine starke
Base und gibt kristallisierbare Salze, die nicht
gelatinieren und in kaltem Wasser zum Teil
schwer löslich sind.
Prune, ein seit 1886 im Handel vorkommen
der Teerfarbstoff, besteht aus dem Methyl-
äther des Gallozyanins und, wird durch Einwir
kung von salzsaurem Nitrosodimethylanilin auf
Gallussäuremethyläther dargestellt. P.bildetbraun-
glänzende Kriställchen oder ein dunkelbraunes
in Wasser leicht lösliches Pulver und färbt mh
Tannin gebeizte Baumwolle und mit Chroffl"
salzen gebeizte Wolle blauviolett,
Puddingpulver sind Gemische von Stärke*
Maismehl oder anderen feinen Mehlen mit Zucker,
die künstlich gefärbt und mit Aromastoffen ver
setzt werden. .Zusätze von Leguminosen oder
grob ausgemahlenen Getreidemehlen haben als
Verfälschung zu gelten. Beim Fehlen von Zucker
muß in der Gebrauchsanweisung ausdrücklich
darauf hingewiesen werden. Als Schokolade-,
Mandel-P. bezeichnete Waren müssen die g e "