Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Preiselbeeren 
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Puddingpulver 
abfall, Kehricht, Ziegelpulver). Abgesehen von 
China, wo man die Mischung von Exkrementen 
mit Ziegelpulver als Taffö verkauft, wird die 
meiste P. und das in ähnlicher Weise aus Harn 
hergestellte Ural in Frankreich dargestellt und 
verbraucht. —• Die P. bildet eine dunkelschwarze, 
pulverförmige Masse, die begierig Wasser an 
zieht und deshalb vorzüglich für Sandboden ge 
eignet ist. Sie kann zu jeder Pflanze, sowohl zur 
Saat als auch während des Wachstums, ver 
wandt werden, da sie den Wurzeln nicht schadet. 
Wie bei allen Kunstdüngern muß der Hersteller 
den Gehalt an den wichtigeren Bestandteilen, 
Phosphorsäure (bis zu 8 °/o) und Stickstoff (3 bis 
5 0/0), verbürgen. 1 hl P. wiegt 67 kg. Man ver 
wendet auf 1 ha etwa 20—30 hl bei Ackerland 
und 20 hl bei Wiesen. Das Urat ist reicher an 
Stickstoff (bis 10 °/o) und an Phosphorsäure (bis 
12 %). 
Preiselbeeren (Kronsbeeren, rote Heidel 
beeren, Krausbeeren, frz. Airelles, Raisins 
d’ours, engl. Bil berrys) sind die Früchte des 
immergrünen Strauches Vaccinium vitis idaea, 
der in Gebirgs wäldern Ost-, Mittel- und Nord 
europas häufig wächst. Die Beeren werden in 
Deutschland vom 1. September an durch Frauen 
und Kinder gesammelt und besonders aus dem 
Erzgebirge, Thüringer Wald, Fichtelgebirge und 
oberen Vogtland sowie Schweden in Körben 
verpackt weithin versandt. Die stark sauren 
und herben Früchte, die neben 2—2 1 /2°lo freier 
Äpfelsäure als charakteristischen Bestandteil etwas 
Benzoesäure enthalten, sind an und für sich 
kaum zu genießen, werden aber durch Kochen 
mit Zucker in ein schmackhaftes Kompott um 
gewandelt. Im Handel sind durch Moosbeeren, 
Vogelbeeren, Stärkesirup und Teerfarben ver 
fälschte P. angetroffen worden. 
Primerose, ein durch Äthylierung des Eosins 
(s. d.) erhaltener roter Teerfarbstoff, besteht 
aus dem Kalisalze des Tetrabromfluoreszeinäthyl 
äthers. Es ist ein braunes, mit grünen Kriställ- 
chen vermischtes Pulver, das sich leicht in Al 
kohol, aber schwer in Wasser löst und deshalb 
auch Spriteosin, Äthyleosin, Primerose ä 
l’alcool, Eosin ä I’alcool, EosinBB genannt 
wird. —- Auch das durch Methylierung des 
Eosins erhaltene Methyleosin, das mitErythrin 
(s.d.) identisch ist, wird von den Franzosen 
Primerose ä l’alcool genannt. — Primerose 
soluble ist identisch mit Erythrosin. 
Primula ist der Handelsname für ein Ge 
misch Von Methylviolett mit Fuchsin. 
Probiersteine zur annähernden Ermittelung 
des Gold- und Silbergehaltes von Legierungen wer 
den aus verschiedenen schwarzen harten Gesteinen 
durch Glattschleifen hergestellt. Gewöhnlich be 
nutzt man hierzu eine Art schwarzen, bisweilen 
mit weißen Adern durchzogenein Quarzes, den sog. 
lydischen Stein oder Lydit, der in Lagern im 
Tonschiefer vorkommt und in Steiermark, Thü 
ringen, Hessen und Schlesien gefunden wird, 
seltener schwarzen Basalt und Jaspis. In England 
wird zu dem gleichen Zwecke das schwarze, ge 
brannte Wedgewood benutzt. Bei der Unter 
suchung macht man mit dem zu prüfenden Me 
talle einen Strich, setzt daneben Striche mit ver 
schiedenen Nadeln von bestimmtem Goldgehalte, 
bis man diejenige findet, deren Strich die gleiche 
Farbe 'wie der erste hat. Zur weiteren Prüfung 
bringt man auf den ersten Strich einen Tropfen 
Salpetersäure, wodurch bei goldfreien gelben 
Metallmischungen Auflösung erfolgt, doch ver 
schwindet auch bei ganz goldarmen Legierungen 
das Gold, indem es mechanisch mit fortgenom 
men wird. 
Propiolsäure (Orthonitrophenylpropiol- 
säure) ist eine derjenigen Verbindungen, aus 
denen sich auf künstlichem Wege, z. B. durch 
Erwärmen mit Natronlauge und Traubenzucker 
oder xanthogensaurem Kali, das Indigblau her 
steilen läßt. Zur Darstellung der 1880 von 
A. Baeyer entdeckten P., C e H 4 (N0 2 )C 2 .C00H, 
behandelt man Toluol in der Wärme mit Chlor, 
führt das entstehende Benzylenchlorid durch 
Erhitzen mit essigsäurem Natron usw. in Zimt 
säure und letztere mit Salpetersäure in Ortho- 
nitrozimtsäure über. Dem durch Behandlung 
mit Brom erhaltenen Orthonitrozimtsäuredibro- 
mid entzieht man das Brom durch Natronlauge 
und scheidet durch Zusatz von Salzsäure die 
P. ab. Sie besteht in chemisch reinem Zustande 
aus farblosen Kristallnadeln, findet sich im Han 
del gewöhnlich aber als gelblichweißer, mit Kri 
stallblättchen durchsetzter Teig. 
Propionsäure (Metazetonsäure, lat. Aci 
dum propionicum, frz. Acide propionique,. engl- 
Propionic acid), eine zwischen der Essigsäure und 
Buttersäure stehende Fettsäure, C 3 H 7 COOH, ist 
eine ölige, scharf riechende Flüssigkeit, die sich 
in Wasser leicht löst, durch zugesetzte Salze aber 
wieder abgeschieden werden kann und bei 140 0 C 
unzersetzt überdestilliert. 
Protargol, ein neueres Antiseptikum gegen 
Tripper und zur Wundbehandlung, wird durch 
Fällung von Silberlösungen mit Eiweißkörpern 
und Lösung der entstehenden Niederschläge mit 
Albumosen dargestellt. Das feine hellgelbe, 
schwach metallisch schmeckende Pulver ist in 
Wasser leicht löslich und enthält etwa 8 °/o Silber 
an Albumosen gebunden. 
Protopin, ein seltenes, im Opium vorkom 
mendes Alkaloid, ist in Wasser unlöslich und 
auch in kochendem Alkohol ziemlich schwer 
löslich, kristallisiert aber aus diesem in undurch 
sichtigen, kugeligen Kristallmassen. Der Schmelz 
punkt liegt bei 201 °C. Das P. ist eine starke 
Base und gibt kristallisierbare Salze, die nicht 
gelatinieren und in kaltem Wasser zum Teil 
schwer löslich sind. 
Prune, ein seit 1886 im Handel vorkommen 
der Teerfarbstoff, besteht aus dem Methyl- 
äther des Gallozyanins und, wird durch Einwir 
kung von salzsaurem Nitrosodimethylanilin auf 
Gallussäuremethyläther dargestellt. P.bildetbraun- 
glänzende Kriställchen oder ein dunkelbraunes 
in Wasser leicht lösliches Pulver und färbt mh 
Tannin gebeizte Baumwolle und mit Chroffl" 
salzen gebeizte Wolle blauviolett, 
Puddingpulver sind Gemische von Stärke* 
Maismehl oder anderen feinen Mehlen mit Zucker, 
die künstlich gefärbt und mit Aromastoffen ver 
setzt werden. .Zusätze von Leguminosen oder 
grob ausgemahlenen Getreidemehlen haben als 
Verfälschung zu gelten. Beim Fehlen von Zucker 
muß in der Gebrauchsanweisung ausdrücklich 
darauf hingewiesen werden. Als Schokolade-, 
Mandel-P. bezeichnete Waren müssen die g e "
	        
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