Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Putzpomaden

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Pyronine

in  den  Tempeln  ihrer  Götter  anstatt  Weihrauch
und  schreiben  ihr  auch  große  Wirksamkeit  gegen
die  Syphilis  zu.  In  Kaschmir  braucht  man  sie
hauptsächlich  als  Schutzmittel  gegen  Insekten
beim  Verpacken  der  Kaschmirschals  in  Ballen.
Putzpomaden  sind  salbenartige  Putzmittel,  die
meist  unter  Zusatz  von  Ölsäure  mit  Polierrot,
Eisenoxyd,  Tripel  und  ähnlichen  Stoffen  hergestellt ­
  werden.  —  Putzseifen  sind  Gemische
aus  feingeschlämmtem  Tripel  oder  Neuenburger
Kreide  mit  Seife.—Die  neuerdings  auf  den  Markt
kommenden  flüssigen  Putzmittel,  die  unter
den  verschiedensten  Namen,  wie  Putzcreme,
Geolin,  Sidol  (s.  d.),  Kaol  usw.,  gehandelt
werden,  bestehen  meist  aus  wäßrigen  Anschlämmungen ­
  von  Putzkalk  oder  Bolus  mit  Oxalsäure,
Ammoniak,  Mineralölen  u.  dgl.
Puzzolanerde,  ein  nach  der  neapolitanischen
Stadt  Puzzuoli  benanntes,  leicht  zerbrechliches
Mineral  vulkanischen  Ursprungs  von  gelblicher,
rotgrauer  oder  braungrauer  Farbe,  Wurde  von  jeher
wegen  ihrer  Eigenschaft  geschätzt,  im  Gemisch  mit
fettem  Kalk  sogleich  einensehr  gutenZement  zubilden. ­
  Sie  besteht  aus  Kieselsäure,  Tonerde,  Magnesia,
Kalk,  Eisenoxyd  und  Alkalien  und  befindet  sich,
da  sie  durch  vulkanische  Hitze  bereits  einen
Glühprozeß  erfahren  und  dadufch  aufgeschlossen
ist,  in  demselben  Zustande,  wie  die  erst  durch
Brennen  erzeugten  künstlichen  Zemente.  Die
P.,  die  in  bester  Beschaffenheit  bei  Rom  und
Neapel  vorkommt,  wurde  früher  auch  nach
Deutschland,  Frankreich  und  England  zu  baulichen ­
  Zwecken  versandt,  ist  neuerdings  aber
durch  künstlichen  Zement  verdrängt  worden  und
kann  auch  durch  den  in  den  Rheingegenden  vorkommenden ­
  Traß  ersetzt  werden.
Pyoktannin  nennt  man  zwei  verschiedene
Teerfarben,  die  äußerlich  als  Antiseptikum
auf  eiternden  Wunden  und  in  der  Tierheilkunde
gegen  Maul-  und  Klauenseuche  angewandt  werden. ­
  Das  sog.  blaue  P.  (lat,  Pyoctanninum
coeruleum,  frz.  Pyoctanjne  bleu,  engl.  Blue  Pyoktanin)
  entsteht  bei  der  Oxydation  von  Dimethylanilin ­
  als  ein  Gemisch  der  salzsauren  Salze
des  Penta-  und  des  Hexamethylpararosanilins
und  wird  meist  als  Methylviolett  bezeichnet.
—  Das  gelbe  P,  (Auramin,  lat.  Pyoctanninum
aureum,  frz.  Pyoctanine  jaune,  engl.  Yellow  Pyoktanin)
  wird  durch  Erhitzen,  von  Tetramethyldiamidobenzophenon
  mit  Ammonium-  und  Zinkchlorid
  dargestellt-  und  ist  als  salzsaures  Imidotetramethyldiparaamidodiphenylmethan
  anzusprechen. ­
  Das  goldgelbe,  in  kaltem  Wasser  schwer,
in  heißem  Wasser,  Alkohol,  Äther  und  Chloroform ­
  leicht  lösliche  Pulver  wird  für  medizinische
Verwendung  auch  mit  Dextrin  gemischt  in  den
Handel  gebracht.
Pyramiden  (Anjidopyrin,  lat.  Pyramidonum,
frz.  und  engl.  Pyramiden),  ein  neues  Ersatzmittel
des  Antipyrins,  wird  durch  Reduktion  von  Nitroso-Antipyrin
  in  alkoholisch-essigsaurer  Lösung
und  Behandlung  des  entstehenden  Amidoantipyrins
  mit  Chlor-  oder  Jodmethyl  dargestellt  und
ist  demnach  als  ein  Dimethylamidoantipyrin,
C 13 H 17 N s O,  anzusprechen.  Das  gelblich  weiße,
geruch-  und  geschmacklose  Kristallpulver  schmilzt
bei  io8°,  löst  siph  in  Wasser,  Alkohol  und  Benzol ­
  und  gibt  in  wäßriger  Lösung  mit  Eisenchlorid ­

  sowie  mit  Natriumnitrat  und  verdünnter
Schwefelsäure  unbeständige  Violettfärbungen.
Pyridin  (lat.  Pyridinum,  frz.  Pyridine,  engl.
Pyridina).  Das  zum  Vergällen  von  Spiritus  benutzte ­
  P.  ist  keine  einheitliche  chemische  Verbindung, ­
  sondern  ein  Gemenge  verschiedener  einander ­
  sehr  ähnlicher  Verbindungen,  die  man
unter  dem  Namen  Pyridinbasen  zusammenfaßt. ­
  Sie  finden  sich  sowohl  im  Steinkohlenteer,
als  auch,  und  zwar  in  größerer  Menge,  im
Knochenteeröl  oder  Tieröl  und  bilden  im  rohen
Zustande  ein  gelb  bis  braun  gefärbtes  und  höchst
übelriechendes  öl,  gereinigt  aber  eine  farblose,
ölige,  in  Wasser  und  in  Alkohol  lösliche  Flüssigkeit ­
  von  starkem,  betäubendem  Geruch  und
großer  Giftigkeit.  Als  hauptsächlichste  Bestandteile ­
  sind  außer  dem  eigentlichen  P.  Pikolin,
.Lutidin,  Kollidin  und  Parvolin  nachgewiesen
worden,  sämtlich  starke,  stickstoffhaltige,  aber
sauerstofffreie  Basen,  die  mit  Säuren  kristallisierbare ­
  Salze  bilden.  Die  vier  letzteren  finden  sich
wieder  in  mehreren  isomeren  Formen,  die  man
als  Alphakollidin  usw.  unterscheidet.  Das  eigentliche ­
  P.,  C5H5N,  ist  eine  farblose  Flüssig-'
keit  vom  spez.  Gew.  0,980  und  dem  Siedepunkt
ii6,7°.  Mit  Zinn  und  Salzsäure  behandelt,  geht
es  in  Piperidin  über.
Pyrodin  ist  der  in  der  Pharmazie  gebräuchliche ­
  Name  des  Azetylphenylhydrazins,  das
bei  akutem  Gelenkrheumatismus  gute  Dienste
leisten  soll,  aber  wegen  seiner  hohen  Giftigkeit
nicht  mehr  verordnet  wird.
Pyrogallussäure  (Brenzgallussäure,  Di
oxyphenylsäure,  Pyrogallol,  lat.  Acidum  pyrogailicum,
  frz.  Acide  pyrogallique,  engl.  Pyrogallic
  acid),  ein  dreibasisches  Phenol,  C 6 H 3 (OH^,
entsteht  beim  trockenen  Erhitzen  der  Gerbsäure
oder  besser  der  Gallussäure  auf  210—215 0  und
folgendem  Sublimieren  mit  Kohlensäure  als  weiße,
lockere,  blättrige  Kristallanhäufungen,  die  bei
131 0  schmelzen,  bei  210 0  destillieren  und  in
Wasser,  Alkohol  und  Äther  leicht  löslich  sind.
Die  Lösungen  röten  Lackmus  nicht.  Bringt  man
sie  mit  Alkali  zusammen,  so  binden  sie  aus  der
Luft  rasch  Sauerstoff  und  färben  sich  dadurch
tief  dunkelbraun.  Gold-  und  Silbersalze  werden
durch  P.  leicht  reduziert,  welche  daher  in  der
Photographie  ausgedehnte  Anwendung  findet.
Die  Pyroentwickler,  zu  denen  auch  das  Pinakol
  gehört,  haben  den  Nachteil,  daß  sie  die
Haut  braun  färben  und  giftig  sind,  werden  aber
wegen  ihrer  schnellen  und  kräftigen  Wirkung
sehr  geschätzt.  Außerdem  benutzt  man  P.  zum
Braunfärben  der  Haare.
Pyronine  nennt  man  eine  Reihe  basischer
Xanthenfarbstoffe  (s.  d.),  welche  wegen  ihrer
schönen  bläulichroten  Töne  zum  Färben  aller
Spinnfasern  benutzt  werden  können.  Das  Pyronin
  selbst  entsteht,  wenn  man  Formaldehyd  mh
Dimethylmetaarninophenol  vereinigt,  das  hierbei
ausgeschiedene  T  etramethyldiaminodioxydiphenyl’
methan  durch  Erhitzen  mit  konz.  Schwefelsäure
in  das  entsprechende  Xanthen  überführt  und
letzteres  mit  salpetriger  Säure  behandelt.  Es  ist
also  Tetramethyldiaminoxantheniumchlorid,  CH  •
[C 6 PI 3 N(CH 3 ) 2 ]oOCl.  Das  grünglänzende  Kristall -
pulver  gibt  mit  Wasser  und  Alkohol  eine  rote,
gelb  fluoreszierende  Lösung,  welche  durch  .Sah"
säure  hellorange  wird;  konz.  Schwefelsäure  gih f
            
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