Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

mit Soda 
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Rhabarber 365 Rhodamine 
Rhabarber (lat. Rhizoma rhei, frz. Rhubarbe, 
e ngl. Rhubarb), eine in China und Mittelasien 
heimische Pflanze aus der Familie der Polygona 
len, wird wegen ihrer als Gemüse benutzten 
Stengel und ihrer medizinisch wirksamen Wurzeln 
vielfach angebaut. Für den ersteren Zweck 
kommen hauptsächlich Gartenrhabarber oder 
handförmiger R. (Rheum palmatum), Eng 
lischer R. aus der Tatarei und Tibet (Hand- 
leaved Rh.), R. compactu.m aus der Mongolei, 
Zellförmiger R. (R. undulatum) und Ba- 
stard-R. (R. hybridum), für den letzteren 
Zweck besonders Rheum officinale und pal- 
■hatum in Betracht. Der kleinblättrige R. 
(Rhe um r hapontic um), auch Berg- oder Pon- 
lischer R. genannt, und der Emodi- oder Ost- 
Uidische R. (Rheum emodi) liefern die ad 
stringierend wirkenden Rapontika-Wurzeln 
(fal scher Rhabarber, lat. Radix Rhapontici, 
frz. Racine de rhubarbe rhapontic, engl. Rhapon- 
tic Root), die nur in der Tierheilkunde Ver 
wendung finden. — Die Rhabarber-Wurzel 
hat. Rhizotna rhei. frz. Racine de rhubarbe, engl. 
Rhubarb root), eines der ältesten und zuverlässig 
sten Heilmittel, stammt von im Inneren Asiens 
Wachsenden Pflanzen und kam früher auf dem 
Landwege über Rußland als Russischer R. 
(Radix rhei moscovitica, rossica oder coronalis) 
°der auch als Bucharischer R. in den Handel, 
"'ährend sie jetzt nur noch von Shanghai auf 
dem Seewege als Chinesischer R. eingeführt 
' v ird. — Die russische Ware erhält man in oben 
u nd unten abgestutzten, kegelförmigen Stücken 
°der in Längsschnitten größerer Wurzeln, die 
einer Seite flach, auf der andern gewölbt 
^scheinen. Die Stücke sind stets ganz geschält 
"nd fühlen sich rauh an. Auf dem Bruche oder 
L’urchschnitt zeigen sie auf weißem Grunde rote 
greifen und Adern, und die Schönheit dieser 
Marmorierung bildet neben der Festigkeit des 
Molzkörpers'und der Feinkörnigkeit des Bruches 
eitlen Maßstab für die Güte. Zum Anreihen auf 
Läden zum Trocknen sind die größeren Wurzel- 
a °schnitte durchbohrt. — Die weniger wertvolle 
Lhinesische Ware bildet Stücke verschiedener 
*°nn und Größe, entweder walzenförmige, durch 
1 a s Schälen kantige Rundstücke mit einem Bohr- 
°ch für die Anhängeschnur oder glatte, unvoll 
ständig geschälte Stäbe ohne Durchlochung. Die 
r ote Marmorierung, das Zeichen höherer Wirk 
samkeit, tritt schwächer hervor, und dement 
sprechend ist auch das Pulver weit heller als 
«as dunkelgelbe der russischen Droge. — R. hat 
®(tien eigentümlich aromatischen Geruch ‘ und 
“Itter aromatischen Geschmack. Das Pulver 
knirscht wegen des Vorhandenseins von Oxalat- 
kdstallen zwischen den Zähnen und färbt den 
^Peichel gelb. Seine abführende Wirkung beruht 
a nf dem Gehalte an Emodin und Oxymethyl- 
a nthrachinon. Als weitere charakteristische Be 
standteile sind zugegen: oxaisaures Kalzium, 
[fangulasäure, Chrysophansäure, mog- 
c herweise in glykosidischer Bindung, eine eigen- 
v ntliche Gerbsäure, Rheumgerbsäure, und 
^schiedene Stoffe, die möglicherweise erst durch 
j^rsetzung entstanden sind. Von dem chinesischen 
j Unterscheidet man hauptsächlich zwei Sorten, den 
‘Iden oder -Shensi-R., der auf den Bergen 
r gleichnamigen Provinz wild wächst und im 
März oder April nach Shanghai auf den Markt 
kommt, und den kultivierten oder Szechuen- 
R„ der im Oktober geerntet wird. Die Ware 
kommt in Kisten aus dünnem Holz, die mit Blei 
ausgelegt ünd mit grünem Papier überzogen 
sind, nach Europa. Um sich gegen Verfäl 
schungen und Unterschiebung minderwertiger 
Ware zu schützen, muß man folgende Merkmale 
beachten: Die Stücke sollen schwer und dicht, 
hingegen nicht schwammig sein. Nach dem Ab 
reiben mit einer scharfen Bürste müssen sie eine 
dunkle Farbe und die rötliche Marmorierung 
zeigen. Zusätze von Bolus und Ocker erkennt 
man an der Erhöhung des Aschengehaltes, Zu 
sätze von Stärke mit Hilfe des Mikroskopes. Die 
zu Anfang erwähnten europäischen Wurzeln sind 
minder wirksam und sollen wie der pontische 
nur zu Tierheilmitteln benutzt werden. Der Nach 
weis der letzteren ist auf mikroskopischem Wege 
nicht möglich, kann aber in der Weise erfolgen, 
daß man rog des Pulvers mit so viel 6o°/oigem 
Alkohol auszieht, bis 25 ccm klares Filtrat er 
halten werden. Die bei 8o° auf 7 ccm eingedampfte 
Lösung wird mit io ccm Äther kräftig durch 
geschüttelt. Ein nach einiger Zeit erhaltener 
bräunlich kristallinischer Niederschlag deutet auf 
Rhapontikum-Rhabarber. — Der R. wirkt in 
folge seiner verschiedenen Bestandteile sowohl 
adstringierend als purgierend, kann also in 
kleinen Gaben zur Stillung von Durchfällen, in 
größeren als Abführmittel Verwendung finden. 
Außerdem wird er in Form von Pulvern, Pillen, 
Extrakten, Tinkturen und Sirupen gegen viele 
Unregelmäßigkeiten der Verdauungsorgane, gegen 
Leber- und Nierenleiden und Skrofeln verordnet 
sowie technisch als Farbstoff verwendet. 
Rhenser Sprudel bei Koblenz. toooGewichts 
teile enthalten nach Hintz und Grünhut (1902): 
Bikarbonate des Natriums 0,8890 g, Lithiums 
0,0102 g, Ammoniums 0,0097 g, Kalziums 0.4623 g, 
Strontiums 0.0003 g, Magnesiums 0,3438 g, Eisen 
oxyduls 0.0229 g, Manganoxyduls 0,0015 g, Chlor 
natrium 1,2536 g, Bromnatrium 0,0014 g, Jodnatri 
um 0.00002 g, Sulfate des Kaliums 0,0426 g, 
Natriums 0,7605 g, Arsensaures Natrium 0,00015 g, 
Borsaures Natrium 0,0057 g, Kieselsäure 0,0170 g 
und freie Kohlensäure 3,1080 g. 
Rhodamine nennt man eine Reihe roter basi 
scher Farbstoffe, die im Jahre 1887 von Cere 
soie entdeckt wurden und die vierte Gruppe 
der Xanthenfarbstoffe bilden. Zu ihrer Dar 
stellung bedient man sich zweier Arbeitsweisen. 
Nach der einen kondensiert man Phtalsäure- 
anhydrid oder die Anhydride substituierter Phtal- 
säuren mit m-AminophenoIen, nach der anderen 
wird Fluoreszeinchlorid mit Aminen umgesetzt. 
Ihre Zusammensetzung entspricht derjenigen 
eines Rosamins, in das eine Carboxylgruppe ein 
getreten ist, nämlich der allgemeinen Formel: 
COOH . C 6 H 4 . C(C 6 H 3 . NR 2 ) a . 0C1. — Der ein 
fachste Vertreter der Gruppe, das Rhodamin B. 
ist das Tetraäthylderivat (R == C 2 H 5 ) und ent 
steht beim Zusammenschmelzen von Phtalsäure- 
anhydrid mit Dimethylmetamidophenol und Be 
handlung der Schmelze mit Salzsäure in Form 
grüner Kristalle oder eines rötlichvioletten Pul 
vers, das mit Wasser eine bläulichrote, stark 
fluoreszierende Lösung gibt. Der Farbstoff färbt 
Wolle und Seide sehr echt bläulichrot mit
	        
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