Rosenholz
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Rosenöl
„ Heren dabei ihre rote Farbe nicht, sondern be
halten sie, vor Luft und, Licht geschützt, sehr
lange. Diese Blüten besitzen .nur schwachen
Geruch und dienen weniger zu Parfümerie
zwecken, als, ihrer Farbe wegen, hauptsächlich
zur Herstellung von Räucherpulvem, Morsellen
u.dgl. Außerdem werden, sie zur Herstellung
des Rosenhonigs verwandt und im Hand
verkauf als schleimhaltiges; zusammenziehendes
Mittel, z. B. gegen Durchfälle, abgegeben. Für
letzteren Zweck dienen sie meist als Aufguß
oder in Form von Pulver. Schließlich bereitet
man aus frischen Blättern eine Rosenkon
serve, indem man sie fein stampft und mit
Zucker und Rosenwasser als Zusatz zu Pillen
masse mischt. Die roten R. kommen am schön
sten aus den Vierlanden bei Hamburg, in fast
der gleichen Güte aus Holland. — Der Rosen
honig (lat. Mel rosatum, frz, Mellite de rose
rouge, engl. Honey of rose) wird bereitet, indem
man die R. durch siedendes Wasser auszj^ht und
den abgeseihten Saft mit Zusatz von gereinigtem
Honig zur Sirupsdicke einkocht. R. wird gegen
Durchfall und als beliebtes Mittel gegen die
sogenannten Schwämmchen der kleinen Kinder
benutzt, im letzteren Falle aber meist noch mit
etwas Borax versetzt. — Zu Rosenessig (lat.
Acetum rosae, frz. Vinaigre de rose, engl. Vi-
negar of rose) werden die Blätter mit feinem
Essig angesetzt und durch längeres Stehenlassen
extrahiert. — Das wichtigste Erzeugnis aus R. ist
das Rosenwasser (lat. Aqua rosarum, frz. Eau
distillde de roses, engl.Rose-water), das inFabriken
ätherischer Öle durch Destillation frischer, trok-
kener oder gesalzener Blätter mit Wasser dar
gestellt oder auch bei der Rosenölgewinnung als
N ebenprodukt erhalten wird. Es findet Anwendung
als Augenwasser, ferner zu kosmetischen Mitteln
Und zum Parfümieren von Konditoreiwaren. Sein
Geruch stammt von dem ätherischen Öl (s. Rosen
öl), das sich aber bei der gewöhnlichen Destilla-
donsweise nicht abscheidet, sondern im Wasser
gelöst bleibt. Besonders in Südfrankreich, in
den so viele Parfümerien erzeugenden Distrikten
von Grasse, Cannes und Nizza, werden bedeu
tende Mengen Rosen angebaut. Man rechnet
fuf einen Acker etwa 10000 Rosenstöcke, die
’m Jahre durchschnittlich 2500 kg Blütenblätter
geben. Die französischen Rosen sind viel duft-
Und ölreicher, aber das bei der Destillation sich
ubscheidende Öl bildet auch hier nur eine sehr
geringe Menge. Die wichtigsten Erzeugnisse
dieser Gegend sind Rosenwasser, fettes und
ätherisches Rosenöl (s. d.), Rosenpomade
Und das aus letzterer durch Behandlung mit
deinem Sprit gewonnene, äußerst wohlriechende
^xtrait de Rose. — Abgesehen von dem
Eosenwasser und den übrigen Präparaten ist
a uch der Handel mit frischen Rosenblüten
durch die neugeschaffenen Verkehrswege zwi
schen Frankreich und Italien einerseits und dem
nördlichen Europa anderseits recht bedeutend
geworden. Täglich kommen zahlreiche Sendun-
Sen mit den verschiedenen Alpenbahnen nach
Heutschland und finden hier, namentlich in den
Wintermonaten, schnell Absatz.
Rosenholz (lat. Lignum rhodii, frz. Bois de
*°se, engl. Rose wood). Unter diesem Namen
Baden sich verschiedene Hölzer im Handel, die
^tercks Warenlexikon.
entweder einen entfernt rosenähnlichen Geruch
besitzen oder sich durch eine schön rosenrote bis
purpurrote Färbung auszeichnen. , Die ersteren
dienen zu Parfümeriezwecken, die letzteren in
Form von Furnieren zu eingelegten Arbeiten
in der Kunsttischlerei. Das Möbelrosenholz wird
besonders in England als das schönste und
teuerste Luxusholz verarbeitet. Es erscheint meist
in starken Blöcken, die von großen Bäumen
aus Brasilien sowohl, als auch aus Siam und
anderen Bezugsquellen herrühren. Das beste R.
aus Bahia in Brasilien, angeblich von Physo-
calymna floribundum (Pohl), hat auf purpur
rotem Grunde dunklere Marmorierung oder Ma
serung. Je reicher die Zeichnung, je tiefer die
Färbung und je stärker die Unterschiede der
Farbentöne, um so teurer wird das Holz bezahlt.
Ferner liefern Cordia Gerascanthus und Cor-
dia sebestina in Westindien R. für die Kunst
tischlerei. — Das Parfümerieholz besteht aus
den knolligen, schweren Wurzeln zweier auf den
Kanarischen Inseln wachsender Windenarten,
Convolvulus scoparius und Convolvulus
floribundus. Es riecht beim Reiben und Ras
peln angenehm rosenarfig und hat einen bitter
harzigen Geschmack. Man verwendet das ge
raspelte Holz zum Füllen von Riechkissen, be
reitet daraus durch. Mazerieren mit Weingeist
eine Rosenholztinktur und destilliert daraus
das angenehm rosenartig riechende ätherische
Rosenholzöl (lat. Oleum ligni rhodii, frz.
Essence de bois de rose, engl. Rose-wood oil),
das zu Parfümerien gebraucht wird. — Das
kanarische R., die echte Sorte, kommt in
Stücken von 2V2—9 cm Durchmesser, welche
außen grau, innen schön braungelb oder röt
lich geadert sind, in den Handel. Der ihm auch
beigelegte Name Rhodiserholz gehört eigent
lich einer anderen Wurzel, die von einer im
Orient (Zypern, Rhodus) wachsenden Ginster
art herrühren soll.
Rosenöl (lat. Oleum rosarum, frz. Essence de
rose, engl, Oil of roses) war früher nur in wär
meren Ländern mit Vorteil zu gewinnen, während
die bei uns gezogenen Rosen infolge ihrer Öl
armut meist nur wohlriechendes Wasser gaben.
Seit etwa 1888 hat aber Schimmel in Miltitz
bei Leipzig mit Erfolg .die. Herstellung auf
genommen und ein öl von ausgezeichneter Be
schaffenheit in den Handel gebracht. Das meiste
R. kommt aus Bulgarien, kleine Mengen, die
aber für den Handel ohne Bedeutung sind,
werden auch in Kleinasien (Anatolien), Spanien
und am Kaukasus hergestellt. In Ostindien
ist Ghazipur in der Präsidentschaft Agra der
Hauptsitz der Rosenzucht und Ölbereitqng,; und
von der dort üblichen Bezeichnung Attar oder
Atar dürfte sich die in England vielfach ge
bräuchliche Benennung Otto ableiten. Für, die
regelmäßige Versorgung des Abendlandes kommt
jetzt ausschließlich Bulgarien in Betracht, wo
am Fuße und den Abhängen des Balkamgebirges
in den Bezirken Kazanlik, Karlovo, Plovdio,
Nova-Zagora, Stara-Zagora, Tchirpan, Pechtera,
Pazardjik, Panagurichte und Stanimaka die Rosen
Rosa damascena und Rosa alba besonders
angebaut werden. Die Ernte beginnt Ende, Mai
und dauert etwa 30 Tage. Am frühen Morgen
werden die eben aufgebrochenen Blüten ge-
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