Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Sauerkraut 
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Schafgarbe 
Glanzwolle, die dann Lastings zweiter Sorte ab 
geben, wie überhaupt baumwollenes englisches 
Leder sowohl mit dem Namen Satin als Satinet 
belegt wird. 
Sauerkraut (Sauerkohl) wird durchBehand- 
lung von fein geschnittenem Weißkohl (Bras 
sica oleracea capitata) mit Kochsalz in fest- 
gefüllten Fässern, zweckmäßig Weißweinfässern, 
hergestellt. Der Kohl unterliegt unter dem Ein 
flüsse verschiedener Bakterien und Hefen einem 
Gärungsprozeß, in dessen Verlaufe neben reich 
lichen Mengen Milchsäure auch aromatisch 
riechende Ester entstehen. Zur Erhöhung des 
Wohlgeschmacks werden häufig geschnittene 
Borsdorfer Äpfel, Weinbeeren, grüne Walnüsse, 
Kümmel und andere Gewürze sowie geringe 
Mengen Wein hinzugesetzt. Das S. besitzt eine 
gute Haltbarkeit, muß aber, sobald es im Fasse 
weich wird, schnell verbraucht werden. Haupt 
handelsplatz ist Magdeburg. 
Sauerstoff (lat. Oxygenium, frz. Oxygfene, engl. 
Oxygen), der zur Erhaltung des Lebens ver 
mittels der Atmung unentbehrliche Bestandteil 
der atmosphärischen Luft, in der neben 78 0/0 
Stickstoff und geringen Mengen Wasserdampf 
und Kohlensäure rund 22 0/0 Sauerstoff enthalten 
sind, kann für die Zwecke des Laboratoriums 
nach verschiedenen Verfahren: Glühen von 
Quecksilberoxyd, Kaliumchlorat oder eines Ge 
misches von Kaliumchlorat und Braunstein, Be 
handlung von Wasserstoffsuperoxyd mit Ka 
liumpermanganat, hergestellt werden. Er bildet 
im reinen Zustande ein farbloses und geruchloses 
Gas vom Atomgewicht O = 16 und vom spez. 
Gew. 1,1056 auf Luft bezogen. 1 1 S. wiegt 
1,43028 g. Als Gegenstand des Handels kommt 
S. erst in Betracht, seitdem man ihn in flüssige 
Form überführt. Hierzu ist eine Abkühlung auf 
— 140 0 und ein Druck von 320 Atmosphären er 
forderlich. Für die fabrikmäßige Darstellung 
des flüssigen S, wird Bariumoxyd in einem 
Strome kohlensäurefreier Luft auf 500—6oo° er 
hitzt, wobei es sich unter Sauerstoffaufnahme 
in Bariumsuperoxyd verwandelt, das nun seiner 
seits beim Erhitzen auf 8oo° wieder nahezu 
reinen Sauerstoff von 90—960/0 abspaltet. Nach 
einem anderen Verfahren leitet man über Kal 
zium prthoplumbat Kohlensäure, wobei Sauer 
stoff abgespalten wird, und führt die zurück 
bleibende Bleiverbindung durch Überleiten von 
Luft wieder in das Orthopiumbat über, so daß 
auch hier ein ununterbrochener Betrieb mög 
lich ist. Noch andere Arbeitsweisen beruhen 
auf der elektrolytischen Zersetzung des Wassers, 
der Verwendung flüssiger Luft und der ver 
schiedenen Löslichkeit von Sauerstoff und Stick 
stoff in Wasser. Der nach irgendeinem Ver 
fahren gewonnene S. wird in Stahlzyiindern, wie 
die Kohlensäure, verflüssigt und so in den Han 
del gebracht. Der Preis beträgt für 1000 1 
8—10 M. ausschließlich der Zylinder. Flüssiger 
Sauerstoff wird zum Einatmen bei Atemnot, bei 
zahlreichen Blutvergiftungen, wie durch Leucht 
gas und Kohlenoxyd, bei Herzkrankheiten und 
Bleichsucht verordnet. Die Luftschiffer führen 
ihn in große Höhen, die Feuerwehrleute in ver 
qualmte Gebäude mit sich. Die Technik benutzt 
ihn als Oxydationsmittel bei chemischen Pro 
zessen, zur Erzeugung hoher Temperaturen in 
Hochöfen, zur Speisung von Knallgasgeblä 
sen usf. 
Sauerstoffbäder bestehen aus einem Sauer 
stoff abgebenden Körper (Natriumperborat) und 
einem Katalysator, der Kaliumpermanganat oder 
eine organische Säure oder ein Ferment enthält. 
Schachtelhalm (Schachthalra, Schafthälm, 
Winterkannenkraut, lat, Herba equiseti, frz. 
Prüle, engl. Shave grass). Die beiden bei uns 
vorkommenden Arten der zu den Krypto 
gamen gehörigen Gattung Equiset um zeichnen 
sich durch einen starken Kieselsäuregehalt ihrer 
Oberflächenschichten, namentlich der Stengel, 
und durch die rauhe, höckerige Oberfläche der 
letzteren aus. Sie eignen sich daher gut zum 
Schleifen und Glätten von Holz und zum Ab 
scheuern von Metallgefäßen. Der kleine S. (E. 
arvense, lat. Herba equiseti minoris), ein be 
kanntes, schwer zu vertilgendes Unkraut san 
diger Äcker, wird im Haushalte als Scheuer 
gras oder Zinnkraut zum Putzen von Metall 
geschirren benutzt. Der große S. (E.hiemale, 
lat. Herba equiseti majoris) hat seinen Stand 
ort auf sandigen Stellen in der Nähe von 
Wasser und in feuchten Wäldern und ist in ganz 
Deutschland, besonders in den Rheingegenden, 
verbreitet. Die gegliederten Stengel sind rund, 
6—8 dm hoch und reihenweise mit harten, schar 
fen Zähnchen besetzt. Die getrockneten Stengel 
werden vonTischlern,Drechslern,Holzbildhauern 
und Lackierern zum Abschleifen von Holz be 
nutzt, sind aber jetzt durch Glas- und Flint 
papier verdrängt worden. — Beide Sorten wer 
den wegen ihrer harntreibenden Wirkung als 
Tee, z. B. als Bestandteil des Kneippschen 
Wassersuchttees, vielfach medizinisch ange 
wandt. 
Schachtelmus ist eine zolltechnische Bezeich 
nung für Marmelade (s. diese). 
Schachteln. Diese zur Aufbewahrung oder 
zum Versand von Waren dienenden Behälter 
werden aus verschiedenen Stoffen hergestellt. 
Hauptsächlich kommen in Frage Holzspan- 
schachteln, aus Fichtenholz, die z. B. in großen 
Mengen in Thüringen, Franken usw. hergestellt 
werden, sowie Pappschachteln, als Buch 
binderarbeiten in teils einfacher, teils oft recht 
kostbarer Aufmachung. 
Schafgarbe (Karbekraut, Gollenkraut, lat. 
Herba millefolii, frz. Millefeuille, engl. Milfoil), 
ein nur noch wenig gebräuchlicher Gegenstand 
des Drogenhandels, besteht aus den getrockne 
ten Blättern einer an Wegen, auf Wiesen, Rainen 
und Rändern gemeinen, ausdauernden Kom 
posite, Achillea millefolium, mit fein zer 
teilten Blättern und weißen, auf einzelnen 
Standorten auch purpurroten, in zusammen 
gesetzten Doldentrauben stehenden Blüten von 
würzhaftem Geruch und bitterem und salzigem 
Geschmack. — Auch die Blüten (lat. Flores 
millefolii, frz.Fleurs de millefeuille, engl. Milfoil 
flowers) werden im Drogenhandel geführt und 
wie die Blätter zur Herstellung eines Weingeist)- 
gen Extraktes sowie des ätherischen Öles be 
nutzt. Die Schafgarbenblätter und -blüten dienen 
als Aufguß bei Blutungen und Leberleiden so 
wie als blutreinigende Mittel, — Das bisweilen 
noch medizinisch angewandte Schafgarbenöl 
(lat. Oleum millefolii aethereum, frz. Essence
	        
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