Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Schwämme

399

Schwarzwurzel

wolligen  weichen  Felle  zeigen  dunklere  oder
hellere  graubraune  Färbung  mit  wechselnden
Schattierungen.  Die  16—21  cm  langen  Schweife
sind  gelbbraun  mit  schwarzen  Ringeln.  S.  bilden
einen  der  wichtigsten  Gegenstände  des  Rauchwarenhandels ­
  und  gehen  in  der  Zahl  von  jährlich ­
  etwa  600000  Stück  über  den  Leipziger
Markt.  Hauptsächlich  werden  sie  in  Rußland
verbraucht"  und  bilden  hier  das  Pelzwerk  derjenigen ­
  Mittelklasse,  der  Wolfspelze  zu  schlecht
und  Bären  zu  teuer  sind.  Schwarz  oder  braun
gefärbt  bilden  sie  seit  einigen  Jahren  auch  eine
Modeware  für  Frankreich,  England,  Deutschland ­
  und  die  Vereinigten  Staaten.  Der  Wert  der
Felle  stuft  sich  nach  Güte  und  Färbung  bedeutend ­
  ab.
Schwämme  (Badeschwämme,  Waschschwämme.
  Seeschwämme,  lat.  Spongiae,
frz.  Eponges,  engl.  Sponges)  bestehen  aus  den
Gehäusen  einer  auf  der  niedrigsten  Stufe  der
organischen  Welt  stehenden  Tiergattung,  sog.
Tierpflanzen,  Zoophyten,  Spongia  officinalis,
  Achilleum  lacinulatum,  die  sich  in
allen  wärmeren  Meeren,  auf  dem  felsigen  Grunde
aufgewachsen,  in  den  mannigfaltigsten  Arten
vorfinden.  Jeder  Schwamm  bildet  eine  Kolonie
zahlreicher  Tiere,  deren  aus'  einer  gallertartigen ­
  Masse  (Sarkode)  bestehender  Körper
die  Poren  des  Gehäuses  ausfüllt  und  dieses
auch  äußerlich  überzieht.  Die  b  e  s  t  e  n  Schwämme
st ammen  aus  dem  östlichen  Teile  des  Mitteith ­
  eer  es  von  der  syrischen  und  kleinasiatischen
Küste  und  mehreren  Inseln  des  Griechischen
Archipels.  Nächst  diesen  kommen  die  S.  von
der  Ostküste  des  Adriatischen  Meeres  bis
Triest  sowie  von  der  afrikanischen  Küste  von
Tripolis  bis  Marokko  und  aus  dem  Roten  Meere.
Fine  geringere  Sorte  bilden  die  Bahamas
 chwämme  aus  Westindien,  die  meist  am
Grunde  eine  stark  braunrote  Färbung  zeigen
u nd  seit  einigen  Jahren  auch  an  den  Küsten
v on  Kuba  gefischt  werden.  Zum  Loslösen  der
Schwämme  bedient  man  sich,  wo  es  möglich
ls t,  wie  bei  Nauplia,  eines  an  langer  Stange  befestigten ­
  Eisens,  bei  größerer  Meerestiefe  aber
der  Taucher.  Die  herausgebrachten  S.  werden
s °fort  durch  Auswaschen  mit  Wasser  von  dem
Schleim  befreit,  gereinigt  und  getrocknet,  bisweilen ­
  allerdings  auch  betrügerischerweise  zur
Beschwerung  mit  Sand  eingerieben  und  so  aus-Seführt.
  Die  Mittelmeerschwämme  kommen
•heist  über  Triest,  Venedig,  Livorno,  Marseille,
Genua  und  Tripolis  in  den  Handel,  teils  in
Fisten,  teils  in  Ballen  gepackt,  die  kleineren
Sorten  an  Schnüren  aufgereiht.  Für  die  Bahama-^der
  amerikanischen  S.  sind  Hamburg  und
“temen  die  hauptsächlichsten  Einfuhrplätze.  Sie
"'erden  hier  gebleicht  und  in  handliche  Formen
geschnitten  und  je  nach  der  Güte  unter  den
Famen:  Graß,  Velvets,  Reefs  usw.  in  den  Handel ­
  gebracht.  Das  Bleichen  erfolgt  mit  Wasserstoffsuperoxyd ­
  oder  durch  Eintauchen  in  Ka-*
 lu mpermanganatlösung  und  nachherige  Enterbung ­
  in  einer  Natriumhyposulfitlösung  unter
$ u satz  einiger  Teile  Salzsäure.  Der  Güte  und
l°rmnach  unterscheidet  man  1.Champignons,
, le  feinsten,  kleinporigen,  hellfarbigen,  sehr
e *astischen  SC' J  2.  Damen-  oder  Toilette-Sc
 hwämme,  sehr  feinporige  weiche  S.  (Diese

beiden  Sorten  bezeichnet  man  als  „Levantiner“.)
3.  Gewöhnliche  S.,  von  denen  man  unangereihte,
  auf  Venetianer  Art  angereihte  und
auf  Triester  Art  aufgeschnürte  unterscheidet.
4.  Zimoccaschwämme  oder  Zemoccaschwämme,
  feinporige,  aber  festere  und  härtere, ­
  und  infolgedessen  sehr  haltbare  S.  5.  Pf  erdeschwämme, ­
  die  größten,  und  im  Gegensatz  zu
den  vorhergehenden,  großporigen  Sorten.  Sämtliche ­
  S.  werden  außerdem  noch  in  verschiedene
Wert-  und  Größennummern  sortiert,  und  der
Abfall  oder  Ausschuß  unter  dem  Namen  Kropfschwamm ­
  verkauft.  Alle  S.  dürfen  weder  zu
feucht  noch  zu  trocken  aufbewahrt  werden,  da
sie  im  ersteren  Falle  leicht  übelriechend  und
rotfleckig  werden,  im  letzteren  aber  zu  sehr  an
Gewicht  verlieren.  Die  wichtigste  Verwendung
der  S.  ist  bekannt,  erwähnt  mag  nur  noch  werden, ­
  daß  man  mit  geschmolzenem  Wachs  getränkte ­
  und  gepreßte  Schwammschnitte  unter
dem  Namen  Preßschwamm  (Spongia  cerata)
führt.  Auch  wurde  früher  aus  den  Schwammabfällen ­
  (Kropfschwamm)  durch  Verglühen  eine
Kohle,  Carbo  spongiae,  hergestellt,  die  ihres
geringen  Jodgehaltes  wegen  als  Mittel  gegen
den  Kropf  Anwendung  fand.
Schwarzkümmelsamen  (Kreuzkümmel,  lat.
Semen  nigellae,  frz.  Semence  de  nigelle,  engl.  Nigelle
  seeds),  ein  Gegenstand  des  Drogenhandels,
der  in  der  tierärztlichen  Praxis  und  als  Gewürz
Verwendung  findet,  stammt  von  mehreren  Arten
der  den  Ranunkulazeen  angehörenden  Gattung
Nigella.  In  Südeuropa  und  Deutschland  baut
man  den  gemeinen  Schwarzkümmel,  Nigella ­
  sativa  L.,  eine  25—30  cm  hohe  Pflanze,
die  auch  römischer  oder  schwarzer  Koriander, ­
  Katharinenblume,  Kapuzinerund
  Nardenkraut,  Nardensamen  usw.  genannt ­
  wird,  während  im  Orient  der  Damaszener ­
  Schwarzkümmel  von  Nigella  Damascena
  L.  bevorzugt  wird.  Die  Früchte  des
letzteren  sind  etwas  kleiner,  riechen  gewürzhafter
  und  zeigen  beim  Reiben  einen  erdbeerartigen
  Geruch.  S.  enthält  etwa  35  0/0  fettes  Öl
und  1 / 2  0/0  ätherisches  öl,  die  erstere  Sorte
außerdem  einen  Bitterstoff,  Melianthin,  der
Damaszener  S.  hingegen  ein  Alkaloid,  das  Damaszenin,
  das  im  ätherischen  .Öl  blau  fluoresziert. ­

Schwarzwurzel  (lat.  Radix  consolidae  seu  symphyti,
  frz.  Racine  de  symphyte,  engl.  Symphyti
root),  die  Wurzel  von  Symphytutn  officinale,
  einer  zu  der  Gattung  der  Boragineen
gehörenden  Pflanze,  wird  medizinisch  als  schleimlösendes ­
  Mittel  benutzt  und  enthält  Schleim,
Gerbstoff  und  Asparagin.  —  Mit  demselben
Namen  bezeichnet  man  auch  eine  beliebte  Gemüsepflanze, ­
  Scorzonera  hispanica,  deren
Wurzeln  wie  Spargel  zubereitet  werden  und  geröstet ­
  als  Kaffee-Ersatz  Verwendung  finden.  Die
Pflanze  wird  0,6-—1,3  m  hoch,  ist  zwei-  und
mehrjährig,  besitzt  gelbe,  wie  Vanille  riechende
Blüten  und  große  lange  Blätter  und  wächst  auf
Kalkboden  auch  wild.  Der  Anbau  verlangt  tief
gelockerten  Boden  in  offen  zugiger  Lage,  dünne
Reihensaat  im  März  oder  April  und  gute,  aber
nicht  frische  Düngung.  Oft  erlangen  die  Wurzeln ­
  schon  im  ersten  Jahre  die  zum  Gebrauch
erforderliche  Größe  und  Stärke,  gute  Finger ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.