Schwefelbalsam
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Schwefelkohlenstoff
kalzium (Kalkschwefelleber) enthält, so viel
Salzsäure hinzugefügt, daß nur die Kalkschwefelleber
zur Zersetzung gelangt. Unter Entweichen
von Schwefelwasserstoff fällt S. nieder, der gut
ausgewaschen und getrocknet wird. Der präzipitierte
S. ist in Schwefelkohlenstoff leichtlöslich
und von neutraler Reaktion. Das offizineile
Mittel darf weder freie Schwefelsäure, noch
Gips oder Arsen enthalten. — Der graue S.
oder Roßschwefel (lat. Sulfur griseum, Sulfur
caballinum, frz. Soufre cabalin, engl. Horse
sulphur) besteht aus den erdigen, meist Arsen
enthaltenden Rückständen der Schwefelsublimation
und stellt ein graues, sandiges Pulver dar.
— Die Verwendung des S. ist eine außerordentlich
vielseitige. Die größten Mengen werden
zur Bereitung von schwarzem Schießpulver
und Ultramarin, zum Vulkanisieren des Kaut-,
schuks und vor allem zur Herstellung von Schwefelsäure
gebraucht. Ein großer Teil der gewonnenen
Schwefelblumen dient in neuerer Zeit
zur Bekämpfung der Traubenkrankheit, hauptsächlich
auf Sizilien selbst, dann aber auch im
übrigen Italien, in Frankreich, Spanien, Griechenland
usw. Allgemein bekannt ist die Verwendung
des S. zu Streichhölzern und anderen
Zündwaren, der Schwefeldämpfe zum Bleichen
von Seide und Wollwaren, von Strohhüten und
Korbwaren, zum Schwefeln des Hopfens und
der Weinfässer. Auch in der Feuerwerkerei sowie
in chemischen Fabriken zur Herstellung von
Zinnober, Schwefelleber, Schwefelkohlenstoff
und anderer chemisch-technischer Erzeugnisse
wird viel S. verbraucht. Kleinere Mengen von
S. finden zu Abgüssen, zu Hohlformen für die
Gipsgießerei und zu Kitten Verwendung. Inder
Medizin wird der gereinigte sowie der präzipitierte
S. innerlich besonders als gelinde abführendes
und die Schleimabsonderung beförderndes
Mittel, äußerlich gegen Krätze und
andere Hautleiden angewandt. Der graue S.
wird mitunter als Vieharznei gebraucht. Die
Gesamterzeugung der Erde an Schwefel wird
auf 8 Millionen Tonnen geschätzt, wovon etwa
die Hälfte auf Sizilien entfällt.
Schwefelbalsam (Schwefelleinöl, lat. Balsamum
sulfuris, Oleum lini sulfuratum, frz.
Beaume de soufre, engl. Balsam of sulphur)
wird durch Verrühren von heißem Leinöl mit
Schwefel hergestellt, wobei unter Aufnahme
von etwa l /e seines Gewichtes an Schwefelblumen
eine dunkelrotbraune, dickflüssige oder
steife, zähe Masse von unangenehmem Geruch
entsteht. S. dient in der Technik zur Herstellung
einer Goldlösung für die sog. Glanzvergoldung
(Glanzgold des Porzellans). In der Tierarznei
wird er äußerlich und innerlich gebraucht.
Seine Auflösung in Terpentinöl galt früher unter
dem Namen Harlemer Öl als eine Art Universalmittel.
Schwefelfarbstoffe. Unter diesem Namen faßt
man eine großeAnzahl vonTeerfarben (13. Gruppe)
zusammen, welche durch Einwirkung von Schwefel
oder Schwefelalkalien auf die mannigfaltigsten
organischen Verbindungen entstehen. Ihre
Konstitution ist noch nicht völlig bekannt, doch
spricht ihre Unkristallisierbarkeit für eine hochmolekulare
Zusammensetzung. Die Schwefelfarbstoffe,
zu denen auch die Immedial-,
Thiogen-, Katigen-, Kryogen-, Thion-,
Thioxin-, Pyrol- und Pyrogenfarben der 1
verschiedenen chemischen Fabriken zu zählen
sind, kommen als amorphe Pulver in den Han- j
del, die in Wasser, Alkalien, Säuren und den gebräuchlichen
Lösungsmitteln unlöslich sind, sich
aber in Schwefelnatrium auflösen. Die Lösung
wird durch Erhitzen entfärbt und kann sowohl
in dieser Form, mit nachträglicher Oxydation i
der Leukoverbindung als Körperfarbstoff, wie
auch direkt zur Färbung von Baumwolle be- j
nutzt werden. Es gibt rote, gelbe, grüne, blaue, 1
violette usw. S., doch sind besonders die graugrünen,
graublauen bis schwarzen Färbungen
durch große Licht- und Waschechtheit aus- ;
gezeichnet, die noch durch Nachchromieren
oder Nachkupfern gesteigert werden kann. Von
der unübersehbaren Zahl dieser Farben seien
nur Schwefelschwarz T aus Dinitrophenol
und Immedialschwarz aus Dinitrooxydiphenylamin
namhaft gemacht. Auch das aus j
Sägemehl, Kleie usw. durch Erhitzen mit Schwefel
und Sulfiden hergestellte Cachou de Laval
gehört hierher.
Schwefelkies (Eisenkies, Pyrit, lat.Pyrites,
frz. Pyrite, engl. Pyrites). Dieses im Handel
und Hüttenwesen häufig abgekürzt auch einfach
Kies genannte wichtige Mineral besteht aus
46,7 0/0 Eisen und 53,3 0/0 Schwefel und ist demnach
als Zweifachschwefeleisen (Eisenbisulfid,
Doppelschwefeleisen, Eisendisulfuret),
FeS 2 , anzusprechen. Nicht selten
enthält es kleine Mengen von Kupfer und Arsen
sowie Spuren von Gold, Silber, Thallium und
Gallium beigemengt. Der S. kommt teils derb
und eingesprengt, teils auch in ziemlich großen
Kristallen vor. Er hat eine messinggelbe bis
goldgelbe Farbe und metallischen Glanz und ist
eines der am allgemeinsten verbreiteten Erze, , J
das hauptsächlich zur Bereitung von Schwefel,
Schwefelsäure und schwefliger Säure verwandt
wird. Die Rückstände werden nicht allein zur
Extraktion der geringen Mengen von Gold und
Kupfer, sondern auch zur Gewinnung des
Eisens benutzt. Auch Eisenvitriol wird vielfach
aus S. hergestellt. Der analog zusammengesetzte,
aber anders kristallisierende Markasit findet
die gleiche Verwendung.
Schwefelkohlenstoff (Schwefelalkohol,
Kohlenstoffbisulfid, Sulfokohlensäure,
lat. Carboneum sulfuratum, Alcohol sulfuris, frz-Sulfure
de carbone, engl. Sulfuret of carbon)
wurde im Jahre 1796 von Lampadius in Freiberg
zuerst dargestellt, wird aber jetzt im
großen durch Überleiten von Schwefeldämpfe 11
über glühende Kohlen gewonnen. Zu diesem
Zwecke destilliert man entweder ein Gemeng 6
von Kohle mit Schwefelkies, Kupferkies oder
Antimonglanz, oder man erhitzt Holzkohle m
Ton- oder innen mit Ton ausgekleideten Eisen'
retorten bis zum Glühen und wirft dann durch
ein Rohr, das bis auf den Boden der Retorte
reicht und immer wieder rasch geschlossen
wird, nach und nach Schwefel ein. Dieser verdampft
und verbindet sich mit dem Kohlenstoff
zu Schwefelkohlenstoff, der oben dampfförmig
durch ein Knierohr mit Kühlvorrichtung abziebt-Das
Rohdestillat enthält noch Schwefel, Schwefelwasserstoff
und fremde organische Schwefel'