Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Tannalbin 
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Tausendgüldenkraut 
der reifen, von den Hülsen befreiten Früchte 
und nachfolgendes Übergießen mit kochendem 
Sirup hergestellt und erscheint infolgedessen 
viel weicher und heller braun. Neben den T. 
selbst werden auch sog. Tamarindenkonser 
ven, d. s. Mischungen mit Seimes, Jalapen, 
Zucker, Stärke, Schokolade, als Abführmittel 
benutzt (z. B. Kanoldts Tamarindenkonserven). 
In der Technik findet die ägyptische und west 
indische Ware als Tabaksoße Verwendung. 
Tannalbin, eine Verbindung von Gerbsäure 
mit Eiweiß, findet als adstringierendes Mittel 
bei Darmerkrankungen medizinische Anwendung. 
Tannenholz, das Holz der Weißtanne oder 
Edeltanne, Abies pectinata, das von allen 
Nadelhölzern am wenigsten Harz enthält, hat 
eine fast weißliche, ins gelbliche spielende Farbe, 
ist sehr lang- und geradfaserig und daher von 
vollkommenster Spaltbarkeit. Das weiche und 
leichte Holz wirft sich, wenig und hält sich im 
Trockenen sehr lange und wird daher als Bau 
holz sowie zu Tischler-, Drechsler-, Böttcher 
arbeiten und Resonanzholz benutzt. 
Tannennadelöl (lat. Oleum abietis, frz. Essence 
de sapin blanc, engl. Pine oil), das ätherische 
Öl aus den Nadeln der Edeltanne, Abies 
pectinata (A. alba Milk), wird durch Destilla 
tion mit Wasserdampf erhalten und als Parfüm 
benutzt. Es riecht weit feiner als das aus 
Fichtennadeln dargestellte Öl. Das spez. Gew. 
schwankt zwischen 0,867 und 0,886, die Drehung 
zwischen —34 und —6o°. Bestandteile sind 
Pinen, Limonen, Bornylazetat undLaurinaldehyd. 
Tannigen, Triazetyltannin, wird durch 
Kochen von Tannin mit Essigsäureanhydrid bei 
Gegenwart von Essigester oder Eisessig als ein 
gelblichgraues, geruch- und geschmackloses, in 
Wasser unlösliches Pulver dargestellt und als 
adstringierendes und verstopfendes Mittel bei 
Diarrhöen verordnet. 
Tannoform wird durch Behandlung von Tannin 
mit Formaldehyddämpfen dargestellt und findet 
als Antiseptikum in der Wundbehandlung an 
Stelle von Jodoform vielfache Anwendung. 
Tannokol, ein durch Fällung von Tannin mit 
Leim erhaltenes färb- und geruchloses Pulver, 
dient als Darmadstringens. 
Tannopin oder Tannon entsteht bei der 
Fällung von Gerbsäure mit Hexamethylentetramin 
und längerem Kochen des Niederschlages mit 
Glyzerin als ein hellbraunes, geruch- und ge 
schmackloses Pulver, das sich kaum in Wasser, 
Alkohol. Äther und schwachen Säuren, hingegen 
völlig, wenngleich langsam, in verdünnten Alka 
lien löst. Es bildet ein adstringierendes Mittel 
für Typhus und akute Darmerkrankungen. 
Tanosal (Kreosal), der Gerbsäureester des 
Kreosols (Kreosottannat), wird durch Behand 
lung eines Gemisches Von Gerbsäure und Kreosot 
mit Phosgengas dargestellt. Das braune, amorphe, 
schwach nach Kreosot riechende Pulver ist leicht 
löslich in Wasser, Alkohol und Glyzerin und 
wird in Form der 6,6°/oigen Lösung sowie von 
Pillen an Stelle des Kreosots gegen Tuber 
kulose angewandt. 
Tantal, ein Element aus der Reihe der sel 
tenen Metalle, Ta == 183. findet sich in der Natur 
nicht frei, sondern nur in Form einiger wenig 
verbreiteter Mineralien, den Kolumbiten und 
Tantaliten, in Gemeinschaft mit Niob als Tan 
talsäure. Durch Reduktion mit Kohle oder 
metallischem Natrium kann aus der Tantalsäure 
das T. dargestellt werden. Es läßt sich zu sehr 
dünnem Draht ausziehen und wird in dieser 
Form an Stelle des Kohlenfadens zur Herstellung 
elektrischer Glühlampen benutzt, die bei gleicher 
Lichtstärke nur den halben Stromverbrauch haben. 
Tapeten nennt man Wandbekleidungen aus 
Papier, Leder oder Geweben. Im Hinblick auf 
-die durch mit Schweinfurtergrün oder mit arsen 
haltigem Fuchsin gefärbte T. verursachten Ge 
sundheitsstörungen ist durch das Farbengesetz 
vom s. Juli 1887 die Verwendung arsenhaltiger 
Farben zu ihrer Herstellung verboten. Zulässig 
ist lediglich die Verwendung arsenhaltiger Beizen 
oder Fixierungsmitt^l, wenn die Tapeten das 
Arsen nicht in wasserlöslicher Form und nicht 
in Menge von mehr als 2 mg in 100 qcm ent 
halten. 
Tarakanapulver (lat. Pulvis taracanae, frz. 
Blatte orientale, engl. Blatte of Orient). Unter 
diesem Namen kommt ein Arzneimittel in den 
Drogenhandel, das aus den getöteten und ge 
pulverten, namentlich in Rußland sehr verbreite 
ten Küchenschaben besteht. Die schwarzen, 
auch als Russen, Schwaben oder Schaben 
bekannten käferähnlichen Tiere, Blatta oder 
Periplaneta orientalis, gehören zu den Ge 
radflüglern (Orthopteren). Das aus ihnen 
hergestellte, als Antihydropin bezeichnete Pul 
ver hat sich als ausgezeichnetes Mittel gegen 
Wassersucht bewährt. 
Tartrazin, ein seit 1885 bekannter Farbstoff, 
wird durch Einwirkung von Phenylhydrazinmono- 
sulfosäure auf Dioxyweinsäure gewonnen und 
besteht aus der Natronverbindung des Reaktions 
produktes. Er ist der wichtigste Vertreter der 
sog. Pyrazolon- oder Hydrazonfarbstoffe 
(s. Teerfarben), welche durch die Atomgruppe 
N.NH.R gekennzeichnet sind. Das schön orange 
gelbe Pulver ist in Wasser leicht löslich und 
färbt Wolle im sauren Bade gelb. 
Tauenpapier, ein sehr festes, aus gebrauchten 
Seilen und Tauen gefertigtes Packpapier, wird in 
verschiedenen Feinheitsgraden und Färbungen, 
meist jedoch braun und auf einer Seite ge 
glättet, hergestellt. Man verkauft es in Rollen 
oder in Bogen je nach Größe und Gewicht. 
Taunusbrunnen in Groß-Karben. In 1000 g 
sind nach R. Fresenius (1873) enthalten: Bi 
karbonate des Kalziums 1,6103 g, Bariums Spur, 
Strontiums 0,0036 g, Magnesiums 0,2549 g, Eisen- 
oxyduts 0,0183 g, Manganoxyduls 0,0026g; Chlo 
ride des Kaliums 0,0192 g, Natriums 1,5855 g, 
Lithiums 0,0023 g, Ammoniums 0,0052 g, Magne 
siums 0,0867 g; Brommagnesium 0,0003 g, Jod 
magnesium 0,00001 g, Kaliumsulfat 0,0608 g, Na 
triumnitrat 0,0007 g, Kieselsäure 0,0161 g, freie 
Kohlensäure 2,4148 g. 
Tausendgüldenkraut (lat. Herba centaurii mi- 
noris, frz. Petite Centaur6e, engl. Centaury tops) 
besteht aus den getrockneten blühenden Stengeln 
und Blättern von Erythraea Centaurium, 
einer offizinellen ein- oder zweijährigen Pflanze 
aus der Familie der Gentianeen, die in Europa, 
Nordafrika und im Orient auf Wiesen und Triften, 
an Rainen und im Gebüsch wild wächst. Sie 
wird 1V2—4V2 dm hoch, hat einen vierkantigen,
	        
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