Tannalbin
442
Tausendgüldenkraut
der reifen, von den Hülsen befreiten Früchte
und nachfolgendes Übergießen mit kochendem
Sirup hergestellt und erscheint infolgedessen
viel weicher und heller braun. Neben den T.
selbst werden auch sog. Tamarindenkonser
ven, d. s. Mischungen mit Seimes, Jalapen,
Zucker, Stärke, Schokolade, als Abführmittel
benutzt (z. B. Kanoldts Tamarindenkonserven).
In der Technik findet die ägyptische und west
indische Ware als Tabaksoße Verwendung.
Tannalbin, eine Verbindung von Gerbsäure
mit Eiweiß, findet als adstringierendes Mittel
bei Darmerkrankungen medizinische Anwendung.
Tannenholz, das Holz der Weißtanne oder
Edeltanne, Abies pectinata, das von allen
Nadelhölzern am wenigsten Harz enthält, hat
eine fast weißliche, ins gelbliche spielende Farbe,
ist sehr lang- und geradfaserig und daher von
vollkommenster Spaltbarkeit. Das weiche und
leichte Holz wirft sich, wenig und hält sich im
Trockenen sehr lange und wird daher als Bau
holz sowie zu Tischler-, Drechsler-, Böttcher
arbeiten und Resonanzholz benutzt.
Tannennadelöl (lat. Oleum abietis, frz. Essence
de sapin blanc, engl. Pine oil), das ätherische
Öl aus den Nadeln der Edeltanne, Abies
pectinata (A. alba Milk), wird durch Destilla
tion mit Wasserdampf erhalten und als Parfüm
benutzt. Es riecht weit feiner als das aus
Fichtennadeln dargestellte Öl. Das spez. Gew.
schwankt zwischen 0,867 und 0,886, die Drehung
zwischen —34 und —6o°. Bestandteile sind
Pinen, Limonen, Bornylazetat undLaurinaldehyd.
Tannigen, Triazetyltannin, wird durch
Kochen von Tannin mit Essigsäureanhydrid bei
Gegenwart von Essigester oder Eisessig als ein
gelblichgraues, geruch- und geschmackloses, in
Wasser unlösliches Pulver dargestellt und als
adstringierendes und verstopfendes Mittel bei
Diarrhöen verordnet.
Tannoform wird durch Behandlung von Tannin
mit Formaldehyddämpfen dargestellt und findet
als Antiseptikum in der Wundbehandlung an
Stelle von Jodoform vielfache Anwendung.
Tannokol, ein durch Fällung von Tannin mit
Leim erhaltenes färb- und geruchloses Pulver,
dient als Darmadstringens.
Tannopin oder Tannon entsteht bei der
Fällung von Gerbsäure mit Hexamethylentetramin
und längerem Kochen des Niederschlages mit
Glyzerin als ein hellbraunes, geruch- und ge
schmackloses Pulver, das sich kaum in Wasser,
Alkohol. Äther und schwachen Säuren, hingegen
völlig, wenngleich langsam, in verdünnten Alka
lien löst. Es bildet ein adstringierendes Mittel
für Typhus und akute Darmerkrankungen.
Tanosal (Kreosal), der Gerbsäureester des
Kreosols (Kreosottannat), wird durch Behand
lung eines Gemisches Von Gerbsäure und Kreosot
mit Phosgengas dargestellt. Das braune, amorphe,
schwach nach Kreosot riechende Pulver ist leicht
löslich in Wasser, Alkohol und Glyzerin und
wird in Form der 6,6°/oigen Lösung sowie von
Pillen an Stelle des Kreosots gegen Tuber
kulose angewandt.
Tantal, ein Element aus der Reihe der sel
tenen Metalle, Ta == 183. findet sich in der Natur
nicht frei, sondern nur in Form einiger wenig
verbreiteter Mineralien, den Kolumbiten und
Tantaliten, in Gemeinschaft mit Niob als Tan
talsäure. Durch Reduktion mit Kohle oder
metallischem Natrium kann aus der Tantalsäure
das T. dargestellt werden. Es läßt sich zu sehr
dünnem Draht ausziehen und wird in dieser
Form an Stelle des Kohlenfadens zur Herstellung
elektrischer Glühlampen benutzt, die bei gleicher
Lichtstärke nur den halben Stromverbrauch haben.
Tapeten nennt man Wandbekleidungen aus
Papier, Leder oder Geweben. Im Hinblick auf
-die durch mit Schweinfurtergrün oder mit arsen
haltigem Fuchsin gefärbte T. verursachten Ge
sundheitsstörungen ist durch das Farbengesetz
vom s. Juli 1887 die Verwendung arsenhaltiger
Farben zu ihrer Herstellung verboten. Zulässig
ist lediglich die Verwendung arsenhaltiger Beizen
oder Fixierungsmitt^l, wenn die Tapeten das
Arsen nicht in wasserlöslicher Form und nicht
in Menge von mehr als 2 mg in 100 qcm ent
halten.
Tarakanapulver (lat. Pulvis taracanae, frz.
Blatte orientale, engl. Blatte of Orient). Unter
diesem Namen kommt ein Arzneimittel in den
Drogenhandel, das aus den getöteten und ge
pulverten, namentlich in Rußland sehr verbreite
ten Küchenschaben besteht. Die schwarzen,
auch als Russen, Schwaben oder Schaben
bekannten käferähnlichen Tiere, Blatta oder
Periplaneta orientalis, gehören zu den Ge
radflüglern (Orthopteren). Das aus ihnen
hergestellte, als Antihydropin bezeichnete Pul
ver hat sich als ausgezeichnetes Mittel gegen
Wassersucht bewährt.
Tartrazin, ein seit 1885 bekannter Farbstoff,
wird durch Einwirkung von Phenylhydrazinmono-
sulfosäure auf Dioxyweinsäure gewonnen und
besteht aus der Natronverbindung des Reaktions
produktes. Er ist der wichtigste Vertreter der
sog. Pyrazolon- oder Hydrazonfarbstoffe
(s. Teerfarben), welche durch die Atomgruppe
N.NH.R gekennzeichnet sind. Das schön orange
gelbe Pulver ist in Wasser leicht löslich und
färbt Wolle im sauren Bade gelb.
Tauenpapier, ein sehr festes, aus gebrauchten
Seilen und Tauen gefertigtes Packpapier, wird in
verschiedenen Feinheitsgraden und Färbungen,
meist jedoch braun und auf einer Seite ge
glättet, hergestellt. Man verkauft es in Rollen
oder in Bogen je nach Größe und Gewicht.
Taunusbrunnen in Groß-Karben. In 1000 g
sind nach R. Fresenius (1873) enthalten: Bi
karbonate des Kalziums 1,6103 g, Bariums Spur,
Strontiums 0,0036 g, Magnesiums 0,2549 g, Eisen-
oxyduts 0,0183 g, Manganoxyduls 0,0026g; Chlo
ride des Kaliums 0,0192 g, Natriums 1,5855 g,
Lithiums 0,0023 g, Ammoniums 0,0052 g, Magne
siums 0,0867 g; Brommagnesium 0,0003 g, Jod
magnesium 0,00001 g, Kaliumsulfat 0,0608 g, Na
triumnitrat 0,0007 g, Kieselsäure 0,0161 g, freie
Kohlensäure 2,4148 g.
Tausendgüldenkraut (lat. Herba centaurii mi-
noris, frz. Petite Centaur6e, engl. Centaury tops)
besteht aus den getrockneten blühenden Stengeln
und Blättern von Erythraea Centaurium,
einer offizinellen ein- oder zweijährigen Pflanze
aus der Familie der Gentianeen, die in Europa,
Nordafrika und im Orient auf Wiesen und Triften,
an Rainen und im Gebüsch wild wächst. Sie
wird 1V2—4V2 dm hoch, hat einen vierkantigen,