Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Beifuß 
47 
Benzin 
naaika trennt sich schon bei 15 0 C in einen festen 
und flüssigen Teil. B. wird benutzt zum Extra 
hieren der wohlriechenden Stoffe aus Blüten, 
tum Einreiben der Haut, zu Salben und Poma 
den und als Schmiermittel für Präzisionsinstru 
mente. 
Beifuß (Beibiß, Gänsekraut, lat. Herba ar- 
lemisiae vulgaris, frz. Feuille d’Armoise, engl. 
Mugwort), eine in ganz Europa wildwachsende 
sowie auch in Gärten angebaute Komposite. Die 
Wurzel wird im Frühjahre oder Herbste ge 
sammelt und getrocknet, nicht abgewaschen, son 
dern nur durch Bürsten gereinigt, als Epilepsie 
mittel unter dem Namen Radix artemisiae 
(Beifußwurzel, frz. Rhizome d’Armoise, engl. 
Mugwort-root) benutzt. Sie hat einen scharfen 
Geschmack und unangenehmen Geruch, den 
sie einem ätherischen Öl (Beifußöl) verdankt 
(etwa 0.1 °/o). — Die getrockneten Blüten 
zweige finden nach Entfernung der bitter-, 
schmeckenden Blättchen als Gewürz, namentlich 
zu Gänsebraten, Verwendung. 
Beinholz, das Holz der gemeinen Plecken- 
kirsche (Lonicera Xylostemum) ist die zähe 
ste aller mitteleuropäischen Holzarten und ins 
besondere gegen Witterungseinflüsse sehr wider 
standsfähig. Es hat ein sehr feines Gefüge, läßt 
Sl ch gut schneiden und drehen, aber schwer spal 
ten und dient als Drechslerholz und zu Maschinen 
teilen. 
Beizen. Unter diesem Namen faßt man eine 
Sroße Zahl von Substanzen, meist flüssigen, zu 
sammen, welche dazu dienen, gewissen Roh 
stoffen oder gewerblichen Erzeugnissen an der 
Oberfläche eine bestimmte Farbe oder ein sonst 
Sewünschtes Aussehen zu verleihen. Von den 
' Vle r Hauptgruppen: Holzbeizen, Lederbeizen, Me 
tallbeizen und Stoff- oder Zeugbeizen sind die 
tttei ersteren in besonderen Abschnitten bespro 
chen. Die Stoffbeizen haben den Zweck, solche 
Gespinst- und Gewebefasern, die mit gewissen 
Farbstoffen keine echten Färbungen liefern, zur 
‘Wfnähme und Fixierung dieser Farbstoffe durch 
mldung unlöslicher Verbindungen (Lacke) zu 
efähigen. In der Regel benutzt man hierzu 
-osungen von Metallsalzen, und zwar besonders 
es Chroms, Aluminiums, Eisens und Zinns, sel- 
citer (j es Kupfers, Zinks, Kobalts usw. Bei Baum 
olle und Seide wird vor der Einwirkung der 
; tetallbeize vielfach eine Behandlung mit Ol (s. 
o ,. u rkischrotöl), Tannin (Seide) oder Seife vor- 
^ttommen, wobei zunächst ein unlöslicher Me- 
,l miederschlag und danach erst der Farblack 
e ntsteht. 
^Belladonna, Tollkirsche, Wolfskirsche, 
DP bekannte, zu den Solanazeen gehörige Gift- 
Hna nZ< b wächst in bergigen Laubwäldern Süd- 
. " Mitteleuropas und wird in vereinzeltemFällen 
♦ ^ c “ angebaut. Obwohl alle Teile der Pflanze 
u r ,°Pin enthalten, finden doch nur die Blätter 
ü Wurzeln medizinische Verwendung. —1 Die 
j atter (Tollkirschenkraut, lat. Polin s. 
do El )a belladonnae, frz. Feuilles de bclla- 
fan*? 6, eng k Belladonna leaves) sind eirund, ganz- 
g an der Basis verschmälert, am Ende zu- 
2 0 Pltzt und von einem starken Mittelnerv duich- 
barn’ dei unter einem Winkel von etwa 40 0 
Seil j le “aufende Nerven nach dem Rande zu ai s- 
et - Die Länge beträgt s—15, die Breite '4 
bis 9 cm. Die Blätter sollen zur Blütezeit ge 
sammelt und bei niederer Temperatur rasch ge 
trocknet werden, und sind dann dünn, fast durch 
scheinend sowie oben bräunlich, unten bräun 
lichgrün gefärbt. Zur Unterscheidung von den 
bisweilen beigemischten Blättern des Nachtschat 
tens dienen neben der abweichenden Form die 
eigenartigen Haare und der Nachweis der vor 
handenen Oxalatkristalle. — Die Wurzel (lat. 
Radix belladonnae, frz. Racine de belladonne, 
engl. Belladonna-root) soll im Juli oder August 
gesammelt und ungeschält getrocknet werden. 
Sie besteht aus verschieden langen, zylindrischen 
Stücken, die meist etwas gedreht, längsrunzelig 
und gelblichgrau erscheinen, und bricht kurz und 
glatt unter Zerstäuben ab. Der Holzkörper zeigt 
auf dem Querschnitte zahlreiche Poren und be 
sitzt die gleiche weißlichgraue Farbe der Rinde, 
die von ihm nur durch eine dunklere Linie ge 
trennt ist. Bisweilen beigemischte Wurzeln von 
Althaea und Malva süvestris unterscheiden sich 
durch den faserigen Bruch, Klettenwurzel erkennt 
man daran, daß sie nicht stäubt und wegen des 
Fehlens von Stärke mit Jod nicht blau wird, 
Blätter und Wurzeln enthalten etwa 0,5% Atro 
pin (s. d.) und dessen Zersetzungsprodukte Hyos 
zyamin und Belladonnin, neben geringen 
Mengen von Chrysatropasäure, Cholin, orga 
nischen Säuren und viel Stärke. Sie dürfen ebenso 
wie das aus dem ganzen Kraute hergestellte 
Belladonnaextrakt im Kleinhandel nicht ab 
gegeben werden. — Seit einiger Zeit kommt 
eine japanische B. von Scopolia japonica in 
den Handel, die zwei besondere Alkaloide, das 
Rotoin und Skopoleün, enthält, aber ganz 
ähnliche Wirkung zeigt. 
Belmontine ist ein in England aus indischem 
Bergteer abgeschiedener paraffinartiger Stoff, 
der als Kerzenmaterial Verwendung findet. 
Benediktiner, gesetzlich geschützter Name eines 
feinen französischen Likörs. Zur Darstellung von 
Nachahmungen sind verschiedene Vorschriften 
im Gebrauch, von denen hier nach König die 
folgende angeführt sei: in die Destillierblase 
werden 45 1 Spiritus von 96 °/o und 201 weiches 
Wasser gegeben. In den Extraktionsapparat 
kommen folgende zerkleinerte Kräuter; 500g 
frische Zitronenmelisse, 150 g Alpenbeifuß, 60 g 
Kardamomen, 250 g Ysopspitzen, 100 g Angelika 
samen, 150 g Angelikawurzeln, 250 g Pfefferminz 
kraut, 30 g Thymiankraut, 30 g Zeylonzimt, 30 g 
Muskatblüte, 30 g- Nelken, 30 g Arnikablumen, 
250 g Wohlverleihblumen, 100 g Bisamkörner. 
Nach der Destillation werden dann noch 2—io 
Tropfen von 18 verschiedenen ätherischen Ölen 
(meist von Gewürzen) zugesetzt. 
Benzanilid, Benzoy lanilid, C 6 H 6 .NH.CO. 
C 6 H 5 , entsteht bei Einwirkung von Benzoyl- 
chlorid auf Anilin als ein weißes, perlmutter 
artig glänzendes Kristallpulver vom Schmelzpunkt 
163°. Es wird als Fiebermittel in der Kinder-' 
Praxis benutzt, da es nicht die unangenehmen 
Nebenwirkungen des Antifebrins zeigt. 
Benzin. Unter diesem Namen vereinigt die 
Technik eine Reihe von Produkten verschiedenen 
Ursprungs und verschiedener chemischer Zusam 
mensetzung. 1. Petroleumbenzin oder eigent 
liches Benzin besteht aus den leicht siedenden 
Anteilen des Rohpetroleums, welche bei der'
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.