Full text : Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Bleichlorid

57

Bleiglätte

benutzten  Methoden  beruhen  teils  darauf,  daß
man  den  Schwefel  durch  Schmelzen  mit  Eisen
abscheidet  (Niederschlagsarbeit),  teils  darauf,
daß  man  an  der  Luft  röstet  und  das  Röstgut
  dann  mit  Kohle  reduziert.  In  allen  Fällen
erhält  man  zunächst  ein  noch  unreines,  kleine
Mengen  fremde  Metalle  enthaltendes  B.,  welches
man  Werkblei,  und,  wenn  es  antimonhaltig
ist,  Hartblei  oder  Abstrichblei  nennt.  Man
benutzt  es  in  Schriftgießereien  und,  wenn  es
arsenhaltig  ist,  zur  Schrotfabrikation.  Das  von
fremden  Metallen  befreite,  reine  B.  wird  raffiniertes ­
  Blei  genannt.  Das  bei  den  Hüttenprozessen ­
  zuerst  abfließende  B.  ist  reiner  als  das
später  erhaltene  und  wird  Jungfernblei  genannt. ­
  Es  kann  in  der  Regel  schon  als  Handelsware ­
  (Kaufblei)  gelten,  wenn  es  nicht  etwa
zuvor  noch  entsilbert  werden  muß.  —  Das  B.
ist  ein  weiches,  bläulichweiß  glänzendes  Metall ­
  vom  Atomgewicht  206,9  und  vom  spez.  Gew.
11,360.  Es  verliert  seinen  Glanz  an  der  Luft
bald  und  bedeckt  sich  mit  einer  dünnen  grauen
Schicht  von  Bleisuboxyd.  Der  Schmelzpunkt
liegt  bei  326°  C.  Bei  heller  Rotglühhitze  beginnt
das  geschmolzene  B.  zu  verdampfen,  und  in  der
Weißglühhitze  verdampft  es  unter  lebhaftem
Sieden  vollständig.  Infolge  dieser  Flüchtigkeit
gehen  in  den  Hüttenwerken  6—7  °/o  der  gesamten ­
  Bleiraenge  als  sogenannter  Bl  ei  rauch
verloren,  wenn  nicht  für  eine  entsprechende
Verdichtung  gesorgt  wird.  Beim  Schmelzen  an
der  Luft  geht  das  B.  infolge  von  Sauerstoffauf-Pahme
  vollständig  in  Bleioxyd  über.  Das  metallische ­
  Blei  kann  auch  kristallinisch  erhalten
Werden  und  gelangt  meist  in  Form  von  Blöcken,
auch  Mulden  genannt,  und  Tafeln  in  den  Handel.
Die  Verwendung  des  B.  ist  sehr  vielseitig.  Man
benutzt  es  zur  Herstellung  von  Gußwaren,  Platten ­
  (für  die  Bleikammern  der  Schwefelsäurefabriken), ­
  Röhren,  verschiedenen  Legierungen
(Letternmetall,  Bleilot),  Draht  (Bleidraht)  und
Bereitung  von  Bleipräparaten  und  bleihaltigen
Darben.  Die  Weltproduktion  betrug  im  Jahre  1913
1190000  t,  davon  entfielen  auf  die  Vereinigten
Staaten  408000  t,  auf  Spanien  203000  t,  auf
Deutschland  181000  t.  Der  Verbrauch  Deutschlands ­
  belief  sich  auf  223500  t.
ßleichlorid,  PbCl 2 ,  (Chlorblei,  lat.  Plumbum
chloratum,  frz.  Chlorure  de  plomb,  engl.  Chlore ­
  of  lead)  findet  sich  in  der  Natur  als  das
Mineral  Hornbleierz  und  wird  technisch  her-Sestellt
  durch  Fällung  von  Bleisalzlösungen  mit
Salzsäure  oder  Kochsalz.  B.  ist  ein  weißes,  in
kaltem  Wasser  schwer  lösliches,  giftiges  Kris
 tallp u iver  und  liefert  beim  Zusammenschmelzen
m ’t  Bleioxyd  gelbe  Farben  (siehe  Bleigelb).
Bleiessig  (lat.  Acetum  plumbi,  Liquor  Plumbi
subacetici,  frz.  Vinaigre  de  saturne,  engl.  Solul0
 P  of  subacetate  of  lead),  die  wäßrige  Lö-Sun
 g  von  basisch  essigsaurem  Bleioxyd
°tter  basischem  Bleiazetat,  wird  erhalten
tturch  Auflösen  von  Bleiglätte  in  einer  wäßrigen
j- Us ung  von  Bleizucker.  B.  findet  in  der  Färer
 ei  sowie  zur  Herstellung  des  medizinisch  und
1  nisch  gebrauchten  Bleiwassers  (lat.  Aqua
Pt'mbi,  frz.  Eau  de  Goulard,  engl.  Goulard
ater)  Verwendung.
Bleifarben.  Die  gesetzlichen  Bestimmungen,
®lchen  der  Verkauf  und  die  Verwendung  von

Giftfarben  (s.  d.)  unterliegt,  erstrecken  sich  auf
folgende  bleihaltige  Malerfarben:  Weiße:  Bleiweiß ­
  (s.  d.),  Weißblei  (s.  Bleisulfat).  Rote  und
orange:  Bleichromat  (s.  Chromrot),  Mennige
(s.  d.).  Gelbe:  Bleioxyd  (s.  Bleigelb),  Antimongelb
  (s.  d.),  Chromgelb  (s.  d.).  Grüne:  Gemische
von  Chromoxyd  mit  Bleichromat  (s.  Chromgrün).
Daneben  sind  für  die  eben  genannten  bleihaltigen ­
  Farben  noch  besondere  Vorschriften
erlassen,  welche  die  Gesundheit  der  Gewerbe-  1
treibenden  und  ihrer  Arbeiter  selbst  gegen  die
außerordentlichen  Gefahren,  die  mit  der  Herstellung ­
  und  Verwendung  dieser  verbreitetsten ­
  und  schönsten  aller  Malerfarben  verbunden
sind,  schützen  sollen.  Nach  der  Bekanntmachung ­
  des  Bundesrats  vom  27.  Juni  1905  ,  müssen
alle  Betriebe,  in  denen  Maler-,  Anstreicher-,
Tüncher-,  Weißbinder-  oder  Lackiererarbeiten
ausgeführt  werden,  besondere  Vorsichtsmaßregeln
treffen,  bez.  deren  auf  das  Reichsgesetzblatt  1905,
S.  555,  verwiesen  sei,.  An  dieser  Stelle  genüge
der  Hinweis,  daß  dieser  Bestimmung  nicht  nur
die  Farbpulver,  sondern  auch  alle  streichfertigen
Ölfarben  sowie  Spachtel-F.  und  Sikkative  unterliegen. ­
  Näheres  s.  Farbenzeitung  1907,  S.  1184.
Bleigelb.  Mit  diesem  Namen  belegt  man  verschiedene ­
  Malerfarben,  welche  entweder  aus  reiner ­
  Bleiglätte  (s.  d.)  oder  aus  Gemischen  von
Bleioxyd  mit  Bleichlorid  bestehen.  Die  letzteren ­
  werden  durch  Schmelzen  von  Bleiglätte
mit  Salmiak  dargestellt  und  kommen  auch  als;
Chemisch-Gelb;  Kasseler-,  Mineral-,  Englisch-, ­
  Montpellier-,  Neu-,  Pariser-,  Patent-, ­
  Turners-,  Veroneser-Gelb  in  den  Handel. ­
  Sie  unterliegen  den  für  Bleifarben  erlassenen
Vorschriften.
Bleiglätte  (Glätte,  Bleioxyd,  lat.  Lithargyrum,
  Plumbum  oxydatum,  frz.  Glette,  Litharge,
engl.  Litharge),  PbO,  eine  Verbindung  von  103
Teilen  Blei  mit  8  Teilen  Sauerstoff,  wird  als
Nebenprodukt  beim  Abtreiben  des  Silbers  mit
Blei  (Bleiarbeit)  erhalten  und  deshalb  häufig
Silberglätte  genannt.  Man  erhält  die  B.  entweder ­
  in  ganzen,  aus  zusammengeschmolzenen
Massen  bestehenden  blätterig-kristallinischen
Stücken  von  rötlichgelber  Farbe  oder  in  Gestalt ­
  loser,  glänzender  Schüppchen,  oder  endlich
in  gemahlenem  Zustande  als  schweres  rötlichgelbes ­
  Pulver  (präparierte  oder  lävigierte
Bleiglätte).  Gewöhnlich  ist  die  B.  mit  kleinen
Mengen  Kupferoxyd,  Eisenoxyd,  zuweilen  auch
mit  Spuren  von  Silber  verunreinigt,  wodurch
sie  in  verschiedenen  Farbtönen  erscheint,  je
nach  Menge  und  Art  dieser  Verunreinigungen.
Eine  weit  reinere  B.  wird  aus  reinem  Blei  dargestellt, ­
  indem  man  dieses  bei  starkem  Luftzutritt
längere  Zeit  bis  zum  schwachen  Glühen  erhitzt
(Goldglätte,Massikot  oder  englischeGlätte).
Bei  längerem  Liegen  an  feuchter  Luft  nimmt
die  B.  etwas  an  Gewicht  zu,  indem  sie  Kohlensäure ­
  und  Feuchtigkeit  anzieht,  die  sich  jedoch
durch  Erhitzen  wieder  entfernen  lassen.  Die  B.
ist  in  Wasser  unlöslich,  muß  sich  aber  in  Salpetersäure ­
  sowie  in  Kalilauge  ohne  Rückstand
auflösen.  Man  benutzt  sie  zur  Herstellung  von
Glasuren  auf  Steinzeug  und  Topfgeschirr,  zur
Bereitung  von  Firnis  und  Bleipflaster,  von  Bleiweiß ­
  und  Bleizucker  sowie  als  Zusatz  zu  manchen ­
  Sorten  von  Glas.  Die  B.  ist  giftig.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.