Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

Tendenz  zur  Abnahme  zeigten.  Das  bestätigt  folgende  Tabelle  der
Preise  von  Roheisen 1 :

Jahr

Kußland
Charkow

England  |
Middlesborough  j

Deutschland
Düsseldorf

V.  St.  v.  Am.
Philadelphia

in  Kopeken

in  Kopeken  gerechnet

1903

41,2

35,9

48,3

71,8

1904

48,0

39,5

50,5

47,0

1905

46,0

37,2

50,5

56,0

1900

46,5

40,8

53,1

59.2

1907

46,5

45.7

59,1

83,6

1908

48,0

36,8

53,8

—

Die  Ausfuhr  von  Roheisen  steht  also  im  engsten  Zusammenhänge
mit  der  Preishöhe  auf  dem  inneren  und  äußeren  Markte;  die  Konkurrenz
ist  hier  eine  maßgebende  Triebkraft  der  Ausfuhr.  Da  heutzutage
das  russische  Roheisen  billiger  ist  als  in  vielen  anderen  europäischen
Ländern,  so  ist  immerhin  die  Möglichkeit  der  Entwicklung  des  Roheisenexportes ­
  vorhanden.  Die  größten  Hindernisse  für  den  Export  liegen
hauptsächlich  in  dem  Mangel  an  der  nötigen  ökonomischen  und
finanziellen  Organisation  der  Exporteure.
Ganz  anders  steht  die  Sache  mit  den  Eisenbahnmaterialien.  Die
russischen  Eisenindustriellen  klagen  immer,  wie  wir  schon  bei  der
Betrachtung  der  Schienenproduktion  gesehen  haben,  über  hohe  Verarbeitungskosten,
  besonders  bei  der  Herstellung  der  Schienen  und
anderer  Materialien,  die  sie  dem  Staate  liefern.  Trotzdem  finden  sie
die  Möglichkeit,  gerade  diese  „teueren“  Produkte  in  das  Ausland  zu
exportieren.
Es  besteht  aber  ein  enger  Zusammenhang  zwischen  diesen  Preisen
und  dem  Export  nach  dem  Auslande.  Man  exportiert  sogar  oft  nur
deshalb,  weil  man  die  niedrigen,  manchmal  auch  direkt  verlustbringenden ­
  Exportpreise  durch  die  hohen  inländischen  ausgleichen
kann.  Der  innere  Markt  für  Eisenbahnmaterial  ist  unausdehnbar,
die  Verträge  auf  Staatsbestellungen  werden  hier  schon  auf  drei  Jahre
im  voraus  abgeschlossen.  Der  Eisenbahnmarkt  ist  sozusagen  kontingentiert, ­
  darum  sind  die  Eisenindustriellen  bereit,  um  ihre  Werkstätten ­
  nicht  Stillstehen  zu  lassen,  manchmal  auch  die  unrentablen
Bestellungen  des  Auslandes  zu  übernehmen.
Zu  diesen  Verhältnissen  trägt  endlich  die  russische  Regierung
auch  dadurch  bei,  daß  sie  Maßnahmen  ergreift,  um  die  Ausfuhr  des
Eisenbahnmaterials  um  jeden  Preis  zu  fördern.  So  hat  der  Vertreter
der  russischen  Regierung,  Herr  Drei,  auf  der  Versammlung  der  Eisenindustriellen ­
  im  Jahre  1908  erklärt:  „Die  Preise  von  112  Kop.  auf

1  Gutachten  der  Bisenindustrieellen.  Statistische  Beilage.
            
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