Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

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Ein  zweites  Werk,  welches  damals  in  Südrußland  entstand,  war
das  von  Pastuchow  in  dem  südlichen  Teile  des  Donezbassins  gegründete ­
  Suhliuwerk.  Als  sein  Gründungsjahr  ist  1870  zu  bezeichnen.
Der  Gründer  hatte  sich  als  Aufgabe  die  Verhüttung  von  Eisenerzen  auf
Anthrazit  gestellt.  Er  hatte  im  Gegensatz  zu  Hughes  die  Gründung
von  Anfang  an  auf  eigenes  Risiko  unternommen,  obgleich  auch  ihm
von  der  russischen  Regierung  und  ferner  vom  Kriegsministerium
einige  wichtige  Unterstützungen  gegeben  wurden.  Die  Erfahrungen
waren  jedoch  nicht  günstig.  Die  Verhüttung  konnte  nur  mit  großen
Störungen  und  Unterbrechungen  vor  sich  gehen.  Das  Werk  nahm
infolgedessen  immer  mehr  den  Charakter  eines  reinen  Walzwerkes  an.
2.  Produktion»-  und  Absatzverhiiltnisse.
Die  beiden  erwähnten  Werke  kamen  in  Südrußland  bis  zum
Endo  der  80er  Jahre  allein  in  Betracht;  bis  dahin  fand  hier  keine
weitere  Bautätigkeit  in  der  Eisenindustrie  statt.  Da  das  Suhlinwerk
seiner  Produktivität  nach  in  dieser  Zeit  keine  Bedeutung  besaß,  kann
sich  die  Erörterung  der  Produktions-  und  Absatzverhältnisse  auf  das
Hugheswerk  allein  beschränken.  Die  Beschaffung  von  Rohstoffen  erfolgte ­
  hierin  dieser  Zeit  verhältnismäßig  billig  und  ohne  große  Schwierigkeiten. ­
  Besonders  die  Steinkohle,  die  von  der  Gesellschaft  auf  eigenen
Gruben  gefördert  wurde,  hatte  große  Vorzüge.  Obwohl  schon
damals  in  der  jungen  südrussischen  Steinkohlenindustrie  große  Preisschwankungen ­
  vorkamen,  konnten  sie  speziell  für  die  Neurussische  Gesellschaft, ­
  die  eine  der  größten  Gruben  besaß,  keine  Rolle  spielen.
Das  Eisenerz  bekam  Hughes  von  den  in  der  Umgebung  wohnenden
Bauern,  welche  es  aus  eigenen  Gruben  förderten  und  zu  dem  außerordentlich ­
  billigen  Preise  von  etwa  l / 2  Kop.  pro  Pud  an  die  Gesellschaft ­
  absetzten.  Trotzdem  war  doch  die  Beschaffung  des  Eisenerzes ­
  vielleicht  der  schwächste  Punkt  des  ganzen  Betriebes.  Es
mußte  wohl  erstens  die  Qualität  der  Erze  nicht  besonders  gut  sein.
Weiter  zeigte  sich,  wenn  auch  das  Werk  in  den  ersten  Jahren
nach  seiner  Gründung  keinen  sichtbaren  Mangel  au  Erzen  aufzuweisen ­
  hatte,  später,  daß  die  heimischen  Eisenerzlager  zu  mangelhaft ­
  und  von  der  Gesellschaft  überschätzt  worden  waren.  Diese
Tatsache  mußte  für  das  Werk  große  Schwierigkeiten  mit  sich  bringen,
besonders  dadurch,  daß  die  damals  einzig  und  allein  bekannten  Eisenerze ­
  von  der  Halbinsel  Kertsch  wegen  ihrer  Entfernung  hier  nicht
in  Betracht  kommen  konnten.
Die  Transportkosten  waren  trotz  der  schon  erbauten  Bahnen
sehr  bedeutend,  da  der  Kohlen-  und  Eisenerztransport  auf  einem
Teil  des  Weges  immer  mit  Ochsen  erfolgen  mußte.  Man  rechnete
gewöhnlich  den  Ochsentransport  zu  fünfzehn  Kopeken  pro  Pud  auf
die  Entfernung  von  hundert  Werst.
            
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