Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

29

Der  technische  Betrieb  war  in  dem  Hugbes-Werk  nach  den  damaligen ­
  Anforderungen  der  englischen  Technik  eingerichtet.  Da  auf
diesem  Gebiete  damals  große  Erfindungen  gemacht  wurden,  was  die
Eisenherstellung  in  großen  Massen  ermöglichte  und  eine  großkapitalistische ­
  Organisation  erforderte,  war  auch  das  Hughes-Werk
von  Anfang  an  als  ein  kapitalistischer  Großbetrieb  eingerichtet
worden.  Es  erscheint  damals  als  die  größte  Unternehmung  auf  diesem
Gebiete  in  Rußland  überhaupt,  und  schon  im  Anfänge  der  80er  Jahre
machte  seine  Produktion  etwa  7"/ 0  der  gesamtrussischen  aus.
Die  Leitung  des  W'erkes  befand  sich  in  den  Händen  von  Hughes
selbst.  Große  Schwierigkeiten  bot  die  Beschaffenheit  der  Arbeitskräfte. ­
  Da  die  heimischen  Arbeitskräfte  qualitativ  ungenügend  und
quantitativ  mangelhaft  waren,  mußte  Hughes  einen  erheblichen  Teil
des  Arbeitspersonals,  besonders  für  alle  verantwortlichen  Posten  aus
England  beziehen  und  ihm  höhere  Löhne  zahlen.
Ihrem  Charakter  nach  war  die  Gesellschaft  überwiegend  ein
Schienenwalzwerk.  Als  der  Hauptabnehmer  der  Gesellschaft  erscheint ­
  deshalb  der  Staat  selbst,  der  mit  aller  Kraft  das  neue  Werk
begünstigte.  Es  wurde  von  ihm  nicht  nur  die  in  dem  Wertrage  bestimmte ­
  Prämie  von  50  Kop.  pro  Pud  Schiene  sondern  auch  bei  anderen
privaten  Bestellungen  ein  erheblicher  Zuschlag  bezahlt.
Am  13.  August  1876  erschien  ein  Ukas,  laut  welchem  die  Regierung
damit  umging,  Bestellungen  in  der  Höhe  von  zwölf  Millionen  Pud
Stahlschienen  ä  2,30  Rbl.  (Silber)  zu  machen  —  ein  Preis,  der  bis
jetzt  alle  existierenden  weit  überschritt.  Unter  diesen  Bedingungen
hatte  auch  die  Neurussische  Gesellschaft  die  schon  erwähnten
2700000  Pud  bekommen.  Die  Entstehung  und  die  erste  Entwicklung
der  südrussischen  Eisenindustrie  fand  also  unter  starker  staatlicher
Begünstigungspolitik  statt.
Trotz  aller  dieser  Begünstigung  lagen  die  Aussichten  der
weiteren  Entwicklung  der  südrussischen  Eisenbahnindustrie  damals
ganz  im  Dunkeln.  Eins  war  klar,  daß  die  Eisenerzfrage  bald  mit
vollem  Ernste  auf  treten  mußte  und  daß  die  weitere  Entwicklung
der  Eisenwerke,  soweit  bloß  die  Donez-  und  Kertscheisenwerke  in
Betracht  kamen,  unmöglich  wurde  Die  Erze  waren  von  niedrigem
Gehalt  und  phosphorhaltig  (der  Thomasprozeß  war  noch  nicht  erfunden); ­
  sie  konnten  nur  als  Zusatz  dienen.  Das  beweist  der  Stillstand ­
  der  Roheisengewinnung  in  dem  Hughes-Werk  in  der  Mitte  der
80  er  Jahre  und  besonders  die  Tatsache,  daß  die  Gesellschaft  diese
ganze  Zeit  keine  Dividenden  zahlen  konnte.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.