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an Arbeitskräften und ihre ungenügende Qualität der südrussischen
Eisenindustrie sehr große Schwierigkeiten.
Als Hughes im Jahre 1869 sein Werk gründete, mußte er, wie
wir schon früher erwähnten, alle mehr oder weniger verantwortlichen
Posten Engländern überlassen. Später traten dann mit der Ent
wicklung des Werkes die russischen Arbeiter immer mehr in den
Vordergrund und Anfang der 90er Jahre existierte dann schon ein
neuer Nachwuchs der ersten in Jusowo angesiedelten Arbeiter.
Mit der raschen Entwicklung der Eisenindustrie in den 90er Jahren
mußte die Arbeiterbevölkerung Südrußlands sich stark vermehren. Die
drei Bestandteile des neuen Arbeiterstandes der Werke waren: 1. der
heimische, aus dem mittleren Rußland eingewanderte Bauer, 2. der
eingewanderte russische und 3. der ausländische Arbeiter.
Wie bekannt, pflegen die Bauern der wenig fruchtbaren
Gouvernements oder derjenigen, wo wegen der Eigentumsverhältnisse
eine überschüssige Bevölkerung vorhanden ist, zu bestimmten Zeiten,
hauptsächlich im Frühjahr, nach verschiedenen Orten Rußlands zu
waudern, um dort Arbeitsgelegenheit zu suchen. Viele Tausende
von ihnen finden Beschäftigung in der Schiffahrt auf der Wolga,
in Großstädten, wie' St. Petersburg, Moskau, Odessa; viele wandern
endlich in die fruchtbaren südrussischen Gouvernements, wo sie
landwirtschaftliche Arbeiten auf größeren Gütern übernehmen. Mit
der Entwicklung des Bergbaues wird diese Strömung eine ständige
Quelle von Arbeitskräften für die Steinkohlen- und Eisenerzgruben.
Die Bauern erlangen in dieser Weise auch Beschäftigung in Eisen
werken als Tagelöhner und unqualifizierte Arbeiter. Allmählich
bleiben sie dann mehr und mehr als ständige Arbeiter; mit der
Zeit übernehmen sie oft auch die qualifizierten Posten.
Die komplizierten Betriebe aber, wie Hochöfen und Walzwerke,
brauchten von Anfang an einen überwiegenden Teil ständiger und
qualifizierter Arbeiter. Man hatte große Schwierigkeiten, um solche
Kräfte in ausreichendem Maße zu bekommen. So mußten die
Gründer der Dniepr-A.-G. (Dnieprovienne) das ganze Personal von
dem Warschauer Walzwerk nach Südrußland hinüberschaffen, selbst
verständlich mit der Verpflichtung besserer Bezahlung. Nach Süd
rußland strömten auch die qualifizierten Arbeiter aus anderen Industrie
kreisen, insbesondere aus dem mittleren Rußland.
Viele Unternehmungen waren gezwungen, außer russischen
Arbeitern auch gebildete Arbeiter vom Auslande zu beziehen. Wie
bedeutend die Zahl dieser nach Südrußland verpflanzten Arbeiter
war, zeigen folgende Zahlen. Die Russo-Beige A.-G. hatte bei
Gründung des Werkes 400 belgische Arbeiter, Taganrog 360 bezogen.
Es sind aber nicht nur Belgier, sondern auch Engländer, Franzosen
und Deutsche unter den Ausländern. Mit der Entwicklung eines
ständigen Arbeiterstandes in Südrußland nimmt diese Bewegung be-
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