Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

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Die  Zahl  der  vorgekommenen  Unfälle  ist  also  ganz  enorm,  sodaß
die  Verunglückten  in  den  kombinierten  Werken  etwa  die  Hälfte  aller
beschäftigten  Personen  bilden.  Lm  Jahre  1907  stieg  hier  die  Zahl
der  Verunglückten  sogar  auf  515  von  je  1000  Beschäftigten!
c)  Technischer  Betrieb.
Der  Hergang  der  Eisengewinnung  und  -Verarbeitung  läßt  sich
in  drei  verschiedene,  technisch  selbständige  Abschnitte  zerlegen  und
zwar  in  die  Gewinnuug  des  Roheisens,  dessen  Verarbeitung  in  Halbzeug ­
  und  endlich  die  Herstellung  des  fertigen  Produktes.
Roheisengewinnung.  In  Rußland  verwendet  man  jetzt  bei
dem  Schmelzen  des  Roheisens  Eisenerz,  Koks  und  Zuschläge  annähernd ­
  in  folgendem  Verhältnis:
Eisenerz  44,5  °/ 0
Koks  35,5  °/ 0
Zuschläge  20,0  °/ 0
100,0  7 0 .
Die  Hochöfen  sind  moderner  Konstruktion  und  von  großer
Verhüttungsfähigkeit.  Die  größten  sind  in  dem  Kramatorowsk-Werk
(Nr.  2)  und  im  Alexander-Werk.  Ihre  Produktionsfähigkeit  beträgt
bis  6000000  Pud  jährlicher  Eisenverhüttung,  also  bis  18—20000  Pud
täglich 1 .  Die  Gesamtzahl  der  Hochöfen  betrug  57  im  Jahre  1908,
davon  waren  nur  34  im  Betriebe.  Die  durchschnittliche  tägliche
Produktion  war  in  demselben  Jahre  9500  Pud;  die  größte  etwa
11930  Pud  im  Alexander-Werk,  die  geringste  4330  Pud  im
Gdanzewsk-Werk.  Das  letztere  hängt  von  der  Art  seiner  Produktion
ab,  da  hier  meistenteils  minderwertige  Eisenerze  geschmolzen  werden.
Die  Eisenwerke  Russ.  Providence  und  Taganrog  schmelzen  auch  eine
bedeutende  Menge  von  armen  Eisenerzen  (Kertsch-Eisenerze),  deshalb
finden  wir  auch  hier  eine  geringere  Ergiebigkeit  des  Schmelzprozesses
als  in  anderen  Werken.  Weiter  hängt  die  Leistungsfähigkeit  der
Hochöfen  von  den  technischen  Einrichtungen  ab.  Hier  ist  zuerst
die  Einrichtung  und  Stärke  der  Gebläse  zu  nennen.  Ein  intensiveres
Gebläse  bewirkt  auch  eine  intersivere  Schmelzung.  Es  gibt  sogar  eine
bestimmte  Methode  (die  sog.  amerikanische),  bei  der  die  Schmelzung
durch  die  Windstärke  vergrößert  wird.  Dadurch  wird  natürlich  auch
der  Hochofen  schneller  ruiniert.  Dieses  Verfahren  sehen  wir  z.  B.
bei  Hughes,  wo  die  Hochöfen  dadurch  zweimal  rascher  abgenutzt
werden 1 .
Die  Produktivität  hängt  dann  auch  von  der  Verschickung  der
Rohstoffe  in  die  Hochöfen  ab;  als  beste  gilt  die  automatische,  die

1  Tieme,  a.  a.  O.,  1907,  8.  11.
            
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