8
Person alle Arbeitsprozesse. Er förderte das Eisenerz, brannte die
Holzkohle und stellte das fertige Produkt her 1 .
Jahrhunderte lang dauerten diese Verhältnisse. Die Schmiedekunst
geht vom Vater auf den Sohn usw. über. In Ortschaften wie
der Stadt Tula finden wir alte Geschlechter, welche sich seit jeher
mit der Eisenbereitung beschäftigt haben 1 2 .
2, Die ersten staatlichen Werke im 16. und 17. Jahrhundert.
Bis zum 15. Jahrhundert befriedigte man die ganzen hauswirtschaftlichen
Bedürfnisse durch dieses bäuerliche Gewerbe, und nur
die Rücksichten auf den Krieg zwangen die Regierung, Bewaffnungsund
Kriegsmaterial vom Auslande zu beziehen.
Mit der wirtschaftlichen Entwicklung einerseits und der Verfeinerung
der Kriegstechnik andererseits wuchs aber beständig der
Bedarf an Eisen. Beinahe ununterbrochene Kriege, welche das
moskowitische Reich mit seinen Nachbarn führte, zwangen es, sich
in bezug auf das Kriegsmaterial vom Auslande unabhängig zu
machen. Das wurde um so notwendiger, als die an der westlichen
Grenze liegenden Staaten — die Königreiche Polen und Schweden —
die Waffendurchfuhr nach Rußland durch ihre ständigen Verbote
so gut wie unmöglich machten. Man bemühte sich deshalb zuerst,
um das zu umgehen, das Eisen in natura nach Rußland zu bekommen
und es hier weiter zu Waffen zu verarbeiten. So
wurde schon gegen Ende des 15. Jahrhunderts mit Hilfe der Ausländer
in Moskau eine „Kanonenwerkstätte“ errichtet 3 . Später bemühte
sich das moskowitische Reich auch, eigene Eisenwerke zu
gründen und erfahrene Meister vom Auslande ins Land zu ziehen.
Diese Bemühungen waren zuerst meist ohne Erfolg. So gestattete
Iwan der Schreckliche im Jahre 1569 den Engländern, Eisenwerke
an dem Flusse Wischera zu erbauen 4 . Man wollte dort eine Art
von Hochöfen errichten, es muß aber die Sache nicht gelungen sein,
da über die weitere Existenz der Werke Nachrichten fehlen.
Im 17. Jahrhundert finden wir bedeutend größere Erfolge in
dieser Richtung. Mit Genehmigung oder vielmehr Begünstigung der
Regierung wurde in dieser Zeit eine Reihe von Eisenwerken durch
Ausländer erbaut. Die Ausländer bekamen gewöhnlich große Flächen
von eisenhaltigem Grund und Boden nebst Wäldern, man sicherte
ihnen Staatsbestellungen zu, manchmal nahmen sie sogar eine Monopol-1
Sartisson, Beiträge zur Geschichte und Statistik des russischen Bergbaus
und Hüttenwesens, Heidelberg 1900, S. 10.
3 Storch, Historisch-statistisches Gemälde von Rußland, Leipzig 1803.
III, S. 316.
s Dehn,Steinkohlen- und Eisenindustrie, St. Petersburg 1907, S.99(russisch).
4 Poletika, a. a. 0. S. 24.