Full text : Die Eisenindustrie in Südrußland

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Person  alle  Arbeitsprozesse.  Er  förderte  das  Eisenerz,  brannte  die
Holzkohle  und  stellte  das  fertige  Produkt  her 1 .
Jahrhunderte  lang  dauerten  diese  Verhältnisse.  Die  Schmiedekunst ­
  geht  vom  Vater  auf  den  Sohn  usw.  über.  In  Ortschaften  wie
der  Stadt  Tula  finden  wir  alte  Geschlechter,  welche  sich  seit  jeher
mit  der  Eisenbereitung  beschäftigt  haben 1  2 .
2,  Die  ersten  staatlichen  Werke  im  16.  und  17.  Jahrhundert.
Bis  zum  15.  Jahrhundert  befriedigte  man  die  ganzen  hauswirtschaftlichen ­
  Bedürfnisse  durch  dieses  bäuerliche  Gewerbe,  und  nur
die  Rücksichten  auf  den  Krieg  zwangen  die  Regierung,  Bewaffnungsund ­
  Kriegsmaterial  vom  Auslande  zu  beziehen.
Mit  der  wirtschaftlichen  Entwicklung  einerseits  und  der  Verfeinerung ­
  der  Kriegstechnik  andererseits  wuchs  aber  beständig  der
Bedarf  an  Eisen.  Beinahe  ununterbrochene  Kriege,  welche  das
moskowitische  Reich  mit  seinen  Nachbarn  führte,  zwangen  es,  sich
in  bezug  auf  das  Kriegsmaterial  vom  Auslande  unabhängig  zu
machen.  Das  wurde  um  so  notwendiger,  als  die  an  der  westlichen
Grenze  liegenden  Staaten  —  die  Königreiche  Polen  und  Schweden  —
die  Waffendurchfuhr  nach  Rußland  durch  ihre  ständigen  Verbote
so  gut  wie  unmöglich  machten.  Man  bemühte  sich  deshalb  zuerst,
um  das  zu  umgehen,  das  Eisen  in  natura  nach  Rußland  zu  bekommen ­
  und  es  hier  weiter  zu  Waffen  zu  verarbeiten.  So
wurde  schon  gegen  Ende  des  15.  Jahrhunderts  mit  Hilfe  der  Ausländer ­
  in  Moskau  eine  „Kanonenwerkstätte“  errichtet 3 .  Später  bemühte ­
  sich  das  moskowitische  Reich  auch,  eigene  Eisenwerke  zu
gründen  und  erfahrene  Meister  vom  Auslande  ins  Land  zu  ziehen.
Diese  Bemühungen  waren  zuerst  meist  ohne  Erfolg.  So  gestattete
Iwan  der  Schreckliche  im  Jahre  1569  den  Engländern,  Eisenwerke
an  dem  Flusse  Wischera  zu  erbauen 4 .  Man  wollte  dort  eine  Art
von  Hochöfen  errichten,  es  muß  aber  die  Sache  nicht  gelungen  sein,
da  über  die  weitere  Existenz  der  Werke  Nachrichten  fehlen.
Im  17.  Jahrhundert  finden  wir  bedeutend  größere  Erfolge  in
dieser  Richtung.  Mit  Genehmigung  oder  vielmehr  Begünstigung  der
Regierung  wurde  in  dieser  Zeit  eine  Reihe  von  Eisenwerken  durch
Ausländer  erbaut.  Die  Ausländer  bekamen  gewöhnlich  große  Flächen
von  eisenhaltigem  Grund  und  Boden  nebst  Wäldern,  man  sicherte
ihnen  Staatsbestellungen  zu,  manchmal  nahmen  sie  sogar  eine  Monopol-1

  Sartisson,  Beiträge  zur  Geschichte  und  Statistik  des  russischen  Bergbaus ­
  und  Hüttenwesens,  Heidelberg  1900,  S.  10.
3  Storch,  Historisch-statistisches  Gemälde  von  Rußland,  Leipzig  1803.
III,  S.  316.
s  Dehn,Steinkohlen-  und  Eisenindustrie,  St.  Petersburg  1907,  S.99(russisch).
4  Poletika,  a.  a.  0.  S.  24.
            
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