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wofür ihm ein jährliches Leibgeding von 1800 fl zugestanden
wurde 1 ).
Mit kraftvoller Hand beseitigte hier Hans Paumgartner
die Gefahr, die dem Besitzstand seiner Familie durch die
Verschwendungssucht seines Sohnes drohte. Er war nicht
gewillt, die glanzvolle Stellung, die er seinem Hause erworben,
so rasch wieder einer ungewissen Zukunft preisgegeben zu
sehen. Und glanzvoll fürwahr war Hans Paumgartners Lebens
stellung, wenn wir zum Schluss nochmals auf das von ihm
Geleistete zurückblicken. In aller Welt war der Name dieses
mächtigen Kaufherrn bekannt, mit dessen Geld die Habsburger
ihre Kriege führten, und der den Metallhandel Tirols mit seinem
Kapital beherrschte. Als Freiherr und Rat Karls V. spielte
er in der Politik eine bedeutsame Rolle und war der Gönner
der angesehensten Gelehrten Europas. Das Stammhaus in
Augsburg und die Schlösser in Hohenschwangau sahen Tage
festlichen Glanzes. Gelehrte, Künstler und Staatsmänner
gingen hier ein und aus in den Gemächern, die mit kostbaren
Teppichen des Orients, Gold- und Silbergerät und den Kunst
werken zeitgenössischer Maler geschmückt waren 2 ). Bis in
seine letzten Tage war der Besitzer all dieser Herrlichkeiten
1 ) Diese Verzichturkunde ist ebenfalls im Geh. Staatsarchiv
erhalten, K blau 382/6. Ueber Antons spätere Lebensschicksale lässt
sich nicht viel sagen. Dass er auch fernerhin in leichtlebigen Kreisen
verkehrte und an deren Treiben seine Freude hatte, dafür ist ein Beweis
sein Umgang mit dem Schwankdichter Michael Lindener, der ihm sein
„mit Recht übel berufenes“ Rastbüchlein widmete, eine Sammlung
von lockeren Schwänken in der Art des Boccaccio. (1. Ausg. 1558; eine
jüngere Ausgabe des seltenen Büchleins vom Jahre 1568 besitzt die
Kgl. Hof- und Staatsbibliothek München. Ein Neudruck liegt vor
im 163. Bd. der Bibliothek des Literar. Vereins Stuttgart (1884). Ueber
Lindener vgl. den Artikel Erich Schmidts in der Allg. deutschen
Biogr. Bd. 18 S. 693 ff. Trotz alledem hielt Anton Paumgartner sein
Vermögen besser zusammen als seine beiden Brüder. Bei dem Ver
mögenszusammenbruch der letzteren fiel ihm sogar noch die Herrschaft
Baumgarten zu, die er als Gläubiger und in Abschlag seines Leibgedings
beanspruchte. Er lebte in ziemlichem Wohlstand in Augsburg und auf
seinen Besitzungen bis zum Jahre 1583 (Augsbg. Steuerbücher).
2 ) In dem gleich zu erwähnenden Teilbrief trifft Hans Paumg.
besondere Verfügung über ein mehrteiliges Silbergeschirr, „Schüsseln,.
Teller, Salzfass, Tischplatt und dergleichen, so zusammengehörig, wie
ichs aus dem Niderland hab mit pringen lassen“.