Full text : Die Paumgartner von Nürnberg und Augsburg

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treffen  wir  sogar  einen  ständigen  Faktor  der  Firma  in  Venedig.
Eine  andere  Filiale  besass  dieselbe  in  Wien 1 ).
Die  Tätigkeit  des  spätmittelalterlichen  Kaufmanns  ging
jedoch  im  Warenhandel  —  mochte  er  auch  noch  so  ausgedehnt
sein  •—-  nicht  auf.  Dieser  bildete  vielfach  sogar  nur  die  Grundlage ­
  und  Voraussetzung  für  das  Geld-  und  Bankiergeschäft,
dem  sich  seit  Anfang  des  15.  Jahrhunderts  auch  christliche
Kaufleute  zuwandten.  Vorher  wurde  es  zum  grössten  Teil  von
den  Juden  ausgeübt,  da  die  Kirche  ja  Geldleihen  gegen
Zins  verbot 2 ).  Es  war  jetzt  nur  eine  natürliche  Entwicklung,
wenn  der  Kaufmann,  dessen  Kapitalien  im  Warenhandel  sich
vergrösserten,  sein  Geld  durch  Ausleihen  nutzbringend  anzulegen ­
  suchte.  Frühzeitig  finden  wir  daher  auch  Konrad  Paumgartner
  als  Geldgeber  einzelner  Fürsten.  So  lieh  er  im  Jahre  1417
zusammen  mit  Ulrich  Haller  d.  Ae.  und  Sebald  Pfinzing  dem
Burggrafen  Friedrich  von  Nürnberg  2200  fl,  als  dieser  zu  Konstanz ­
  mit  der  Markgrafschaft  Brandenburg  und  der  Kur  belehnt
wurde 3 ).  Ebenso  streckte  er  zusammen  mit  Hans  Rummel  und
Ulrich  Ortlieb  dem  Kaiser  Sigismund  bei  seinem  Aufenthalt  in
Nürnberg  im  Jahre  1431  6000  fl  vor 4 ).
Seit  dem  Jahre  1439  stand  Paumgartner  dann  in  finanziellen ­
  Beziehungen  zu  Ludwig  dem  Höckerigen,  dem  Sohne
Ludwigs  des  Gebarteten,  Herzogs  von  Bayern-Ingolstadt 5 ).
In  dem  ärgerlichen,  unnatürlichen  Krieg,  den  Ludwig  d.  J.
damals  gegen  seinen  Vater  begann,  stand  auf  des  ersteren  Seite
Markgraf  Albrecht  Achilles,  der  wohl  die  Aufmerksamkeit
seines  Verbündeten  auf  den  Nürnberger  Kaufmann  lenkte,  als
es  galt,  für  die  Kriegszwecke  Geld  aufzubringen  oder  wenigstens
zahlungskräftige  Bürgen  zu  erlangen.  So  hatte  Herzog  Ludwig
im  Jahre  1439  von  dem  Ritter  Hans  v.  Lidbach  2000  fl  entliehen, ­
  die  bis  Lichtmess  1440  wieder  zurückbezahlt  werden
sollten.  Wilhelm  von  Rechberg,  der  in  Albrechts  Diensten
*)  Siehe  u.  S.  15  Anm.  5.
2 )  Richard  Ehrenberg:  Das  Zeitalter  der  Fugger,  Jena  1896
Bd.  I  S.  43  ff.
3 )  Andreas  Würfel:  Historisch-genealogische  und  diplomatische
Nachrichten  zur  Erläuterung  der  Nürnberger  Stadtgeschichte,  Nürnberg ­
  1766  Bd.  I  S.  372.
4 )  W.  Alt  mann:  Regesten  zur  Regierung  Kaiser  Sigismunds
(Regesta  imperii  XI)  Nr.  8769.
‘)  Sigismund  Riezler:  Geschichte  Bayerns  Bd.  III  S.  335  ff.
            
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