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Jahrzehnt von 1530 bis 1540 in unserer Familie vollzogen hatte.
Aus dem Bürger der freien Reichsstadt, dem Kaufmann und
Bankier war ein Gutsherr und Lehenträger von Fürsten ge
worden. Karl V. erkannte diesen Wandel der Dinge an, indem
er am 27. Juli 1543 die Familie in den Freiherrnstand erhob 1 ).
Er erinnert an die treuen Dienste, die Hans Paumgartner
seinen Vorfahren und besonders ihm in den letzten Kriegen
erwiesen. Die Familie soll sich in Zukunft nach ihren neu
erworbenen Schlössern nennen dürfen, und, da sie wegen ihres
alten Herkommens auch noch zu höheren Ehren erhoben
werden können, so verleiht er ihnen den Stand der geborenen
Herren und Fräulein und das Recht, auf ihren Schlössern und
Herrschaften Münzen mit ihrem Wappen zu prägen.
Es war ein Aufstieg ohnegleichen, der damit seinen Ab
schluss fand. Paumgartner hatte erreicht, was ihm beim Blick
auf seine Rivalen, die Fugger, immer heimlich vorgeschwebt.
Wie diese, war auch er jetzt geadelt und seinem Geschlecht stand
eine sichere glänzende Zukunft in Aussicht. ,,Freiherrn von Paum-
garten zu Paumgarten, Konzenberg, Hohenschwangau und
Erbbach“, so lautete der stolze Titel, den Hans Paumgartner
und seine Söhne von nun an führten, und ein Schwan schmückte
das Wappen zum Zeichen, dass die Familie ein Besitztum
erworben hatte, wie es ähnlich selbst Fugger nicht besass.
Die Standeserhebung brachte bald eine Veränderung der
Gesinnung mit sich, soweit diese nicht schon als treibendes
Moment vorher dagewesen war. Mit stolzer Verachtung blickte
man nun auf das Bürgertum herab und suchte Beziehungen
zum Landadel, in dessen Reihen man eingetreten war. War
es bisher üblich gewesen, unter den städtischen Patriziern und
Kaufleuten Schwiegersöhne und Schwiegertöchter zu suchen,
so änderte sich jetzt diese Heiratspolitik. Auch Hans Paum
gartner suchte für seine Kinder im schwäbischen Adel passende
Partien. Regina Paumgartner heiratete im Jahre 1532 Christoph
von Knöringen, der einem reichbegüterten Geschlecht angehörte 2 ).
Der älteste Sohn Hans vermählte sich am 3. Januar 1537 mit
Anna von Stadion, einer Nichte des regierenden Augsburger
Bischofs 2 ). Der jüngste Sohn David führte Ursula aus dem
*) Familienkodex fol. 30 a—34 a.
a ) Warnecke: Hochzeitsbuch S. 37 u. S. 40. Welcher Auf
wand bei solchen Hochzeiten gemacht wurde, und mit welcher Ge-