Object: Die deutsche Wirtschaft

20. 
Qualitätsarbeit. 
Von Dr. G. Freiherr v. Pechmann, 
Abteilungsleiter im Bayrischen Nationalmuseum, München. 
1. Der Qualitätsbegriff., Die Qualität eines gewerblichen 
Erzeugnisses wird bedingt durch die Güte des Materials, der 
Technik und der Form. Unter „Form“ sind hierbei alle Eigen- 
schaften des Erzeugnisses begriffen, welche seine ästhetische Wirkung 
bedingen. Dieser Qualitätsbegriff ist eine Erweiterung des älteren 
„technischen“ Qualitätsbegriffes, Überall, wo Materie durch Menschen- 
hand oder durch die Maschine geformt wird, ist ein größerer 
oder geringerer ästhetischer Wert, man kann auch sagen: ein Ge- 
schmackswert, gegeben. Es wäre aber falsch, anzunehmen, daß 
Geschmackswerte immer künstlerische Werte seien, daß Qualitäts- 
arbeit also nichts anderes bedeute als der ältere Begriff „Kunst- 
gewerbe‘“, Von „künstlerischem'‘ Wert wird man nur da sprechen 
können, wo die geformte Materie zum Träger seelischer Werte 
geworden ist und die Persönlichkeit des Schaffenden sich in seinem 
Werk ausdrückt, was immer nur da der Fall sein wird, wo seine Hand 
den Stoff unmittelbar gestaltet und geformt hat. Solchen Werken, 
seien es Bilder, Skulpturen, Webereien, Goldschmiedearbeiten, oder 
was immer sonst, geben wir eine besondere Stellung als „Kunst- 
werken‘“, Weit über diesen Bereich hinaus sehen wir aber die Welt 
mit Dingen erfüllt, die bewußt von Menschen gestaltet sind und die 
wir ganz allgemein dann als Qualitätsarbeit bezeichnen, wenn ein 
kultivierter Geschmack die Formgebung beeinflußt hat und Material 
und technische Ausführung allen Anforderungen entsprechen, 
2. Die Entwicklung der Qualitätsiorderung, Die Forderung, daß 
Qualitätsarbeit nicht nur Material und Technik, sondern auch die Form- 
gebung berücksichtigen müsse, entwickelte sich in engem Anschluß an 
die kunstgewerbliche Bewegung, die Ende des vorigen Jahrhunderts 
in England ihren Ausgang genommen hat, Das Kunstgewerbe des 
19, Jahrhunderts ist, ebenso wie die Architektur jener Zeit, dadurch 
gekennzeichnet, daß es die Stilformen vergangener Epochen nach- 
ahmte und auch nicht davor zurückschreckte, wertvolle Materialien
	        
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