Full text: Wirtschaft als Leben

Umrisse einer Theorie des Individuellen, I, A. 
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Determination des Stammbegrififes heran. Stellen wir die Höhe unseres 
Berges mit 1237 Meter fest, so ist prinzipiell unser Berg der Unterart 
der „1237 Meter hohen Berge“ unterstellt. Damit hat sich der Umfang 
des Stammbegriffes, auf den wir nach dieser Bestimmung noch Bezug 
nehmen, um alle über und unter 1237 Meter hohen Berge vermindert, 
ist also auf ein Minimum gesunken; wir dürften ruhig annehmen: auf 
unser Konkretum, als einziges Exemplar. Von dieser Überlegenheit 
der quantitativen gegenüber der qualitativen Bestimmung macht das 
praktische Leben reichlichen Gebrauch, z. B. in der Kriminalistik. Man 
denke an das Bertillonsche Verfahren — Idiographie kriminalistischer 
Praxis! 
Fragen wir nun, was für das Singularisieren des Konkretums 
gewonnen ist, sobald wir den Stammbegriff extrem determiniert, also 
die Eigenart erfaßt haben. Vom Standpunkte des praktischen 
Denkens aus erscheint uns ein Ding, dessen Eigenart wir kennen, jeden 
falls schon als ein gedanklich bestimmtes Ding, als unverwechselbar. 
Was Eigenart besitzt, so argumentieren wir dabei, hat nicht seines 
gleichen. Was nicht seinesgleichen hat, ist unersetzlich. Weil aber 
jede Verwechslung einen unfreiwilligen Ersatz in sich birgt, so ist die 
Verwechslung gerade durch die erfaßte Unersetzlichkeit im voraus 
ausgeschlossen. Diese Argumentation ist richtig, aber nur in Grenzen. 
Vergessen wir nicht, daß alle Eigenart nur so weit erfaßbar ist, als 
wir annehmen dürfen, daß mit dem betreffenden Konkretum das 
einzige Exemplar jener engsten Art vorliegt, auf die uns die Deter 
mination schließlich geführt hat. Dürfen wir dies annehmen? Immer 
nur unter notwendigem Bezug auf den Umkreis unserer Er 
fahrungen! In der Erfassung der Eigenart eines Dinges ist stets 
nur die Behauptung enthalten, daß jenes Ding aller Erfahrung 
nach seinesgleichen nicht hat. Denn es ist keine Verknüpfung art 
haft er Merkmale denkbar, die sich nicht wiederholen könnte. Gesetzt, 
unser Berg läßt sich als „1237 Meter hoher, kuppelförmiger Kalkberg“ 
bestimmen; damit wäre seine Eigenart, trotz der kleinen Zahl der Be 
stimmungen, schon in idealer Weise bekundet. Wir könnten diese 
Wuchtigen Bestimmungen als gleichwertig einer außerordentlich langen 
Reihe von Bestimmungen durchschnittlicher Art ansehen. Die Reihe 
wäre dann so lang, daß die mathematische Wahrscheinlichkeit, diese 
Kombination von Merkmalen unter allen wirklichen Bergen noch ein 
mal anzutreffen, annähernd gleich Null wird. Aber was hilft selbst 
diese Berechnung! Sie beweist durch ihren Ansatz — die ungefähre 
Zahl der wirklichen Berge — abermals nur, daß wir bei der Aussage 
der Eigenart stets von dem Umkreis der Erfahrung abhängig
	        
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