(( Ökonomische Bedingtheit.
ließ, kam in der Forsstwirtschaft erst viel später zum Ausbruch. Daran liegt es auch,
daß die Entwicklung und Differenzierung der Berufsverbände in der Forsstwirtschaft erst
viel später einsekte. In der Forslwirtschaft tritt dieser Differenzierungsprozeß der
Berufsverbände erst nach der Revolution mit aller Deutlichkeit in Erscheinung. Der
Krieg und die Revolution haben die notwendigen Vorbedingungen für die gegenwärtige
Ausgestaltung der forstwirtschaftlichen Interessenorganisation erst geschaffen und diese
überhaupt erst möglich gemacht. Bis dahin, noch während des Krieges und an dessen
Ende, existierte in der Hauptsache nur e i n e Art forstwirtschaftlicher Berufsverbände,
die sogenannten „F or stv er ein e“. Und zwar verfolgten diese Forstvereine anfänglich
rein ideelle Ziele; für eine Erstrebung materieller wirtschaftlicher Interessen fehlte zu-
nächst noch jedes Bedürfnis. Als aber dieses Bedürfnis allmählich, und mit ganz
besonderer Dringlichkeit während des Krieges, doch erwachte, da suchte man ihm zu-
nächst nicht etwa durch Gründung besonderer materieller Interessenorganissationen
abzuhelfen, sondern griff zu dem naheliegenden Ausweg, den schon bestehenden Forst-
vereinen neben ihren ideellen Aufgaben auch noch die Verfolgung der materiellen Inter-
essenvertretung aufzubürden, indem man sie entsprechend umgestaltete. – So kam es,
daß sich die gesamte forstwirtschaftliche Interessenorganisation noch bis zum Ausbruch der
Revolution im wesentlichen in den Forstvereinen erschöpfte. Im Jahre 1913 konnte
Wap pes noch mit vollem Rechte sagen!): „Der Deutsche Forstverein umfaßt die
Waldbesitzer, die Angestellten der Waldbesitzer und die Freunde des Waldes in einem
Verbande . . . Wir haben zur Zeit keine Vereinigung der Staatsforstverwaltungen,
also nichts, was man etwa forstlichen Bundesrat nennen könnte, wir haben keinen Zu-
sammenschluß der Waldbesitzer, auch keine Vereinigung der Forstfachleute durch ganz
Deutschland und keine Vereinigung der Forstbeamten, sondern es ist alles das in der
einen Vereinsorganisation zusammengefaßt.“ Inzwischen ist dies alles anders geworden:
eine starke, man muß schon sagen eine übertrieben starke Differenzierung der forstwirt-
schaftlichen Interessenorganisation ist eingetreten; heute haben wir all das, was
W a pp e s damals noch vermißte: einen Reichsforstwirtschaftsrat, einen Reichsverband
deutscher Waldbesitzerverbände, Reichs- und Landesverbände höherer, mittlerer und
unterer Forstbeamten usw.
Wisssenschaftlich-technische Verbände. ~ Forstvereine.
Der Deutsche Forstverein.
„Der Deutsche Forstverein ist der freie Zusammenschluß der deutschen Forstfachleute,
insbesondere der forstlichen Akademiker, sowie der auf geregelten Betrieb absehenden
Waldbesitzer, mit dem Zweck, zur Förderung des Gesamtwohls mit und neben der
staatlichen Tätigkeit die deutschen Forstwirte, insbesondere die Betriebsleiter, zu fach-
technischer Höchstleistung heranzubilden, durch Gedankenaustausch die Ergebnisse der
Wissenschaft und vorgeschrittenen Praxis möglichst rasch zum Gemeingut aller Forstwirte
zu machen und dadurch wiederum den Grund zu legen für weiteren Fortschritt in Wissen-
schaft und Praxis. – Er will zugleich ein Sammel- und Klärbecken bilden für die das
Fach bewegenden Fragen und Neuerscheinungen. ~ Das Vereinsziel wird hauptsächlich
erstrebt durch Veranstaltung von Versammlungen, durch Einrichtung von Sonder-
1) In einem Vortrag: „Über das forstliche Vereinswesen“, Tübingen 1914, S. 36/37.