Full text : Abriss einer Geschichte der Theorie von den Produktionsfaktoren

24

das  Seltenheitsmoment  in  seiner  ganzen  Bedeutung  erkannt  und  dargelegt ­
  hat.
Im  allgemeinen  bedürfen  die  Gaben  der  Natur  einer  mehr  oder
minder  umfangreichen  Umarbeitung  durch  den  Menschen,  um  gebrauchsfertig ­
  zu  werden.  „Die  menschliche  Arbeitskraft  ist  aber  etwas,  was
ebenfalls  nur  in  durchaus  beschränkter  Menge  vorhanden  ist  und  deshalb ­
  im  Preis  der  fertigen  Ware  zum  Ausdruck  kommt“;  so  müßte
es  folgerichtig  nach  dem  bisher  entwickelten  Gedankengange  heißen;
aber  wir  sehen  diesen  Satz,  so  logisch  und  naheüegend  er  zur  Erklärung ­
  der  Bedeutung  der  Arbeit  als  Produktionsfaktor  ist,  bei  Mill
vergebens.  In  zwei  langen  Abschnitten  setzt  er  uns  auseinander,  wie
weit  der  Begriff  „Arbeit“  gefaßt  werden  müsse  und  wie  eng,  aber  den
Grund,  weswegen  die  menschliche  Arbeit  wertbildend  ist,  übersieht  er.
Es  ist  erst  Bodbertus  gewesen 1 ),  der  den  Gedanken  der  Beschränktheit ­
  einiger  Naturkräfte,  dem  Mill  zuerst  Ausdruck  gab,  auf  die
Arbeit  übertragen  hat.  Wir  können  uns  daher  eine  Kritik  an  dieser
Stelle  sparen.  «
Im  Gegensatz  zu  Adam  Smith,  der  unter  produktiver  Arbeit  nur
diejenige  verstand,  die  sich  in  einem  bestimmten  Gegenstand  verkörperte ­
  2 ),  faßt  Mill  diesen  Begriff  sehr  weit.  Nicht  nur  alle  die
Arbeiten,  die  unmittelbar  und  mittelbar  zur  Produktion  beitragen,
gelten  als  produktiv,  sondern  auch  alles,  was  nur  irgendwie  zur  Förderung ­
  der  materiellen  Kultur  beiträgt 8 ).  Der  Staat,  so  wenig  sich  Mill
auch  aus  ihm  macht 4 ),  ist  als  ein  zur  Aufrechterhaltung  der  Sicherheit ­
  und  Ordnung  notwendiges  Übel  anzusehen,  und  mit  ihm  das  ganze
Heer  der  Beamten,  Offiziere,  Soldaten  usw.  Wir  haben  schon  bei  der
Kritik  des  Adam  Smith  darauf  hingewiesen,  und  können  uns  hier
daher  kurz  dahin  fassen,  daß  auch  die  gesamte  geistige  und  künstlerische ­
  Arbeit  von  Mill  als  durchaus  wertbildend  angesehen  wird.  Nur
wenige  wirklich  unproduktive  Arbeiten  gibt  es,  alle  diejenigen,  die  mit

*)  Rodbertus,  Zur  Erkenntnis  unserer  staatswirtschaftlichen  Zustände  I,  Neubrandenburg ­
  1842,  S.  6.
Kozak,  Rodbertus-Jagetzows  sozialökonomische  Ansichten,  Jena  1882,  S.  32.
2 )  Smith,  a.  a.  0.,  II,  78.
s )  Wörtlich  lautet  die  Stelle  (I,  57):  „Produktive  Arbeit  bedeutet  Arbeitweiche ­
  Vermögen  hervorbringt“.  Der  Verfasser  glaubte  sie  mit  den  im  Text  an,
gegebenen  Worten  interpretieren  zu  können.

4 )  I,  58  „  was  allerdings  ein  Dienst  ist,  aber  weiter  tun  sie  (Armee
und  Flotte)  auch  nichts  im  Interesse  des  Landes.  Gleicher  Art  ist  auch  die  Arbeit
des  Gesetzgebers  und  aller  anderen  Angestellten  der  Regierung.“
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.