Full text : Abriss einer Geschichte der Theorie von den Produktionsfaktoren

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Elemente  nennen,  ist  gleichgültig,  wir  können  unser  Hauptaugenmerk
also  gleich  auf  den  „voraussehenden  Geist“  richten.  Was  ist  dieser
menschliche  Geist?  Wie  kommt  er  dazu,  die  Verhältnisse  richtig
vorauszusehen?  Um  im  wirtschaftlichen  Lehen  einen  richtigen  Blick
zu  haben,  muß  man  es  eingehend  studiert  haben  und  tagtäglich  weiter
studieren,  ein  Teil  des  Brentanoschen  „Geistes“  besteht  also  in  geistiger
Arbeit.  Ferner  wenn  wir  uns  einen  Australneger  vornehmen,  er  kann
studieren  soviel  wie  irgend  möglich,  er  wird  nie  einen  voraussehenden
Geist  bekommen;  mit  anderen  Worten,  dieser  Geist  hat  eine  hohe
Kultur  zur  Voraussetzung.  Da  aber,  wie  Adam  Smith  treffend  auseinander ­
  gesetzt  hat,  eine  Kultur  nur  durch  Zusammenwirken  von
Natur,  Kapital  und  Arbeit  erworben  werden  kann,  so  ist  auch  der
Geist,  der  sich  aus  dieser  Kultur  entwickelt  hat,  nur  ein  Produkt  der
Produktionsfaktoren,  zwar  ein  höchst  produktives,  vielleicht,  und  in
diesem  Sinne  hat  Brentano  wohl  recht,  das  produktivste,  aber  doch  nur
ein  Produkt.  Er  ist  also,  falls  wir  es  nicht  überhaupt  vorziehen,  seine
Tätigkeit  ganz  als  Arbeit  anzusehen,  nur  ein  Teil  des  Kapitals,  das
in  unserem  Wirtschaftsleben  tätig  ist.  Ausschlaggebend  ist  für  uns
natürlich  nicht  die  Tatsache,  daß  er  ein  Produkt  ist;  das  ist  ja
auch  bei  dem  Produktionsfaktor  Kapital  der  Fall,  sondern  daß  er,
falls  man  seine  Tätigkeit  nicht  als  eine  besondere  Art  der  Arbeit  ansieht, ­
  restlos  in  dem  Begriff  „Kapital“  aufgeht.
So  wertvoll  also  Brentanos  Anregungen  sind,  und  so  sehr  wir
ihm  auch  für  die  neuen  Gesichtspunkte,  die  er  uns  in  ihnen  gebracht
hat,  dankbar  sein  müssen,  die  Grundlagen  unserer  Lehre  sind  durch
sie  nicht  berührt  worden.  Theoretisch  ist  die  überragende  Produktionsbedeutung ­
  des  Geistes  als  des  einzigen  Produktionsfaktors  nicht
haltbar,  so  wenig  wir  natürlich  seinen  praktischen  Einfluß  auf  unser
Wirtschaftsleben  irgendwie  verkennen  wollen.
Abgesehen  von  Brentano  und  Sombart  sind  sich  die  heutigen
Nationalökonomen  mithin  in  der  Theorie  der  Produktionsfaktoren  so
ziemlich  einig,  und  es  sind  nur  Fragen  zweiter  Ordnung,  die  hier  und
da  noch  eine  kleine  Diskussion  hervorrufen,  so  die  oben  erwähnte
Scheidung  in  technische  und  wirtschaftliche  Produktionsfaktoren,  oder
der  Zweifel,  ob  man  den  Staat  als  Kapital  auffassen  soll 1 )  oder  nicht
und  ähnliches  mehr.  Wir  wollen  daher  nur  diese  letztere,  wohl
wichtigste  Frage  einer  Erwägung  unterziehen,  und  uns  auch  hier  ganz
kurz  fassen,  da  das  Wesentliche  hierüber  schon  in  anderem  Zusammen-*)

  Wagner,  Theoretische  Sozialökonomik,  Leipzig  1907,  I,  138.

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