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Kindern bleibt dann als Hilfsarbeit das Einziehen
des Garns in die Nadel, das „Fädeln", über
lassen. Noch heute gilt als eine der bedenklichsten
Erscheinungen in der ostschweizerischen Hausstik-
kerei, daß die Kinder dabei überanstrengt und dau
ernd an der Gesundheit geschädigt werden.
3. Baumwollindustrie.
Aus dem mittelalterlichen Leinwandgewerbe St.
Gallens erwuchs im Anfang des 18. Jahrhunderts
die Baumwollindustrie; französische Hugenotten
führten sie ein. Bald waren in weitem Umkreis um
die Stadt und ostwärts des Rheins viele tausend
Hände damit beschäftigt, neben den gewöhnlichen
Baumwolltüchern die feine Musseline anzufertigen
und zu besticken. Zur gleichen Zeit verschafften
Hugenotten der Musselinefabrikation auch in Zürich
Eingang, wo man schon lange Baumwolle ver
arbeitet hatte. Auch die Bewohner des Glarnerlandes
begannen damals für die Geschäftshäuser von St.
Gallen und Zürich Baumwolle zu spinnen und zu
weben. Anfänglich war das Spinnen und Weben
der Baumwolle Handarbeit. Zu Beginn des 19.
Jahrhunderts begann die Konkurrenz des englischen
Maschinengarns und der maschincngewobenen Tü
cher. Sie wurde so drückend, daß auch in der Schweiz
die Spinnmaschine und der mechanische Webstuhl
die ursprüngliche Arbeitsweise ganz verdrängten.
Mit dem mechanischen Betrieb vermochte die ost-
schweizerische Bauimvollindustrie den Rang im
Wettbewerb mit dem Ausland zu behaupten. Um
die Mitte des letzten Jahrhunderts kam eine Reihe
der besten Geschäftsjahre. Später trat infolge wach
sender Konkurrenz und der Zollerhöhungen ein
zelner Absatzgebiete ein Rückschlag ein, obwohl die
Fabrikanten bemüht waren, durch die Aufnahme
Slii-Nger, Tchweiz
Kinderarbeit
Entwicklung
der Baum
mollindustrie
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