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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

98 
Erstes Buch. Die Begründer. 
auf die Menschen als Masse und nicht auf dieses oder jenes,' bt- ders 
herausgegriffene Individuum beziehen. — Sicherlich leugne* th 
nicht, daß der Mensch sein wirkliches Interesse verkennen 'in 
Unkenntnis darüber sein kann. Soeben führten wir eine < v' e- 
ristische Stelle an, wo er dies buchstäblich in Hinsicht tMe 
Bankiers versichert, die manchmal zuviel Noten ausgeben, V 
ihren eigenen Vorteil mißverstehen, '<'0 
Unter diesen Vorbehalten aber, und auch, wenn man all i die 
Abschwächungen, die Smith selbst seinem Prinzip zugesteh tu 
Betracht zieht, bleibt es wahr, daß er als allgemeine These 1 
natürliche Streben eines jeden Menschen, seine Lage zu verbessl . , 
das „Selbstinteresse“ — wir sagen nicht Egoismus! — als den grund 
legenden psychologischen Faktor in der Volkswirtschaft hinstePt. 
Und sobald man ihm von Geschäftsleuten spricht, die als Richtschnur 
ihres Verhaltens das Allgemeininteresse nehmen wollen, antworte'? 
er mit einem Skeptizismus, dem man sich kaum entziehen karift. 
„Ich habe niemals gesehen, daß diejenigen viel Gutes bewirkt hätten, 
welche die Miene annahraen, für das allgemeine Beste Handel zu 
treiben. Es ist indes diese Affektion unter Kaufleuten auch nicht 
sehr häufig, und es bedarf nur weniger Worte, sie davon abzu 
bringen 1 ).“ Damit soll nicht gesagt sein, daß das Gefühl nicht eine 
Rolle, sogar eine bedeutende Rolle in der Philosophie Smith’s spielt, 
aber das Gefühl, oder wie er sagt, die Sympathie hat ihr eigenes 
Reich, die Welt der Moral, während in der wirtschaftlichen Welt 
der Nutzen herrscht. 
1 Wir können daher den letzten Grundgedanken Smith’s dahin 
zusammenfassen, daß eine selbsttätige wirtschaftliche Ordnung be 
steht, die durch das,. Selbstinteresse des Einzelwesens begründet ist 
und erhalten wird. * 
Es ist interessant, diese Auffassung mit der der natürlichen und 
wesentlichen Gesellschaftsordnung, wie sie die Physiokraten auf 
stellten, zu vergleichen. Für diese ist die natürliche Ordnung ein 
ideales System, eine ideale Ordnung; nur ein Genie hat sie ent 
decken können, ein aufgeklärter Despotismus muß sie ausführen. Für 
Smith ist die selbsttätige Ordnung eine Tatsache. Sie ist 
nicht erst zu schaffen, sie besteht schon heute. Sie wird allerdings 
durch „hundert arge Hindernisse“, die sich aus der „Torheit der 
menschlichen Gesetze 2 )“ ergeben, gehemmt; trotzdem aber setzt sie 
sich durch. Unter all dem gekünstelten der Gesellschaftsverfassung 
*) Völkerreichtum II, 8. 17, B. IV, Kap. II. Nachdem er soeben gesagt 
hat: „Verfolgt er sein eigenes Interesse, so befördert er das der Nation weit wirk 
samer, als wenn er dieses wirklich zu befördern die Absicht hätte.“ 
2 ) Völkerreichtum II, S. 69, B. IV, Kap. V.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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