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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

Kapitel III. Die Pessimisten. 
139 
Eher kann noch die 25jährige Dauer der Zwischenzeit zwischen 
je zwei Zahlen zur Kritik Anlaß geben 1 ). Der Zeitraum zwischen 
dem Durchschnittsalter der Eltern und dem durchschnittlichen Alter, 
in dem die Kinder dieses Paares ihrerseits Kinder erzeugen, kann 
kaum geringer als 33 Jahre sein. Man nennt diesen Zeitraum ein 
Menschenalter und hat stets etwa drei auf ein Jahrhundert gerechnet. 
Das sind aber alles unbedeutende Bemängelungen. Denn wenn 
man den Zwischenraum zweier Zahlen auch von 25 auf 33 erhöht 
und, wenn man will, die Progression der Reihe von 2 auf 1,5, sogar 
auf 1,25 oder 1,10 erniedrigt, so hat dies wenig Bedeutung. Die 
Progression wird etwas langsamer, aber sobald die Progression, so 
klein sie auch am Anfang sein möge, überhaupt besteht, so kann 
nichts verhindern, daß sie bald in immer größer und größeren Sprüngen 
vorwärts eilt und alle Grenzen überschreitet. Diese Korrekturen ver 
ringern daher in nichts die Kraft der Schlußfolgerungen Malthus’ als 
physiologisches Gesetz. 
Die zweite Reihe, die des Wachstums der Lebensmittel, scheint 
der Kritik mehr Angriffspunkte zu bieten, denn sie ist sichtlich will 
kürlich, und man weiß nicht recht, ob sie, wie die erste, ein natür 
liches Streben vorstellt, oder ob sie beobachtete Tatsachen wieder 
spiegeln will! Sie ist ohne Übereinstimmung mit einem bekannten 
und sicheren Gesetz, wie es das biologische Reproduktionsgesetz ist. 
Sie steht mit ihm sogar allem Anschein nach in Widerspruch. Was 
■sind denn die „Lebensmittel“ anders, als tierische und pflanzliche 
Arten, die sich nach denselben Gesetzen, wie die Menschen, ver 
mehren und noch dazu in einer viel schnelleren „geometrischen Reihe“ 1 
Die Vermehrungskraft des Korns oder der Kartoffel, der Hühner oder 
des Herings, sogar der Rinder oder des Schafes ist doch der des 
Menschen unendlich überlegen. — Auf diesen Einwurf würde Malthus 
unbedeutend vermehrt. Das ist der Fall in Frankreich, wo auf jede Ehe iin Durch 
schnitt 2,70 Geburten fallen. 
Zur Rechtfertigung seiner Multiplikation mit 2 zog Malthus eine normale 
Familie mit 6 Kindern in Betracht. Bei der Annahme, daß von den sechs zwei sterben, 
bevor sie eine Ehe eingehen können, oder kinderlos bleiben, sind noch vier übrig, die 
ihrerseits sich fortpflanzen, und so haben wir ganz richtig die Reihe 2 — 4 — 8 usf. 
l ) Malthus hat jedoch nicht ganz willkürliche Zahlen eingesetzt. Was die 
25jährige Verdoppelungsperiode anlangt, stützte er sich auf die Bevölkerungs 
bewegung in den Vereinigten Staaten. Es ist merkwürdig, daß man im Laufe des 
XIX. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten eine Bevölkerungsbewegung fest 
stellen kann, die ziemlich genau mit dem, was Malthus voraussah, übereinstimmt. 
1800 betrug die Bevölkerung 5 Millionen. Wenn man sie viermal verdoppelt 
(4 Perioden von je 25 Jahren = 100 Jahre), hat man für 1900 die Zahl von 
80 Millionen. Diese Ziffer wurde 1905 erreicht, also mit einer Verspätung von nur 
5 Jahren gegenüber der Vorraussage. Nur ist das reiner Zufall, da sie auf der 
Einwanderung, nicht auf der Natalität beruht.
	        

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Finanzwissenschaft. Verlag von Gustav Fischer, 1920.
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