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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

144 
Erstes Buch. Die Begründer. 
seiner Zeit kaum die Rede war, wie die Abtreibung — ein Ver 
brechen, das in unseren modernen Gesellschaften in viel umfassenderem 
Maße an die Stelle des Kindermordes und der Kinderaussetzung des 
Altertums zu treten strebt, — denen aber das Strafgesetzbuch ohn 
mächtig gegenübersteht, und die eine neue Moral sogar zu recht- 
fertigen anfängt. 
Da nun so alle der Moral widersprechenden Mittel ausgeschaltet 
sind, wie hat da Malthus glauben können, daß die moralische Ent 
haltsamkeit, wie er sie auffaßte, jemals zu einem ausreichenden 
und wirksamen Zaum gegen die Übervölkerung werden könnte? 
Ohne Zweifel möchte er es gern: er bemüht sich, die Menschen 
für diesen heiligen Kreuzzug zu rüsten: „Die Christen weise ich 
darauf hin, daß uns die heilige Schrift klar und unzweideutig 
als positive Pflicht die Beherrschung unserer Leidenschaften in ver 
nünftigen Grenzen vorschreibt . . . Ein Christ kann die Schwierig 
keit der moralischen Enthaltsamkeit nicht als Entschuldigung, die 
ihn von dieser Pflicht entbinde, anführen“ (S. 479). Und denen gegen 
über, die nur der Vernunft gehorchen wollen, führt er aus: „daß 
diese Tugend (die Keuschheit) auf Grund genauer Untersuchung zur 
Vermeidung der Übel notwendig erscheint, die ohne sie eine unaus 
bleibliche Folge der Naturgesetze sind 1 ).“ 
Im Grunde seines Herzens glaubt er aber kaum an eine Aus 
breitung der moralischen Enthaltsamkeit, um den menschlichen Liebes- 
drang zu beherrschen und zu regeln. Deshalb fühlt er sich auch 
wenig sicher, und trotz des Schildes aus reinem und zerbrechlichem 
Kristall, den er der Hydra entgegehhielt, erschien sie ihm noch immer 
bedrohlich 2 ). Auch hatte er sehr gut begriffen, daß sein Heilmittel, 
1 ) „Diese Betrachtungen beweisen, daß die Keuschheit nicht, wie einige ver 
muten, eine erzwungene Tugend ist, die ein künstlicher sozialer Zustand hervorbringt, 
sondern daß sie ihre wirkliche und feste [Grundlage in der Natur und in der 
Vernunft hat: diese Tugend ist auch das einzige richtige Mittel, die Laster und 
Leiden, die das Prinzip der Bevölkerung nach sich zieht, zu vermeiden.“ 
Malthus weist darauf hin, daß diese Tugend seit jeher von den Frauen gefordert 
worden ist, und daß es „daher keinen Grund gibt, weshalb die Verletzung der Gesetze 
der Keuschheit nicht in gleicher Weise für beide Geschlechter entehrend sein solle“ 
(S. 471). Hierin liegt schon die kühne Forderung gleicher Moral für beide Ge 
schlechter. 
Wenn man daher dem hochwürdigen Herrn den Vorwurf macht, Gott zu 
lästern, der den Menschen befohlen hat: Seid fruchtbar und mehret euch, ein Vorwurf, 
gegen den er besonders empfindlich sein müßte — wäre es Malthus leicht gewesen, 
hierauf mit dem Hinweis zu antworten, daß, wenn die Vorsehung die Zeugung des 
Lebens gewollt hat, doch auch die Keuschheit eine christliche Tugend ist, und daß 
vielleicht ihr Zweck gerade die vorsorgende Funktion sei, die Zeugung in einem 
richtigen Gleichgewicht zu halten. 
2 ) »Die präventive Hemmung hat zweifellos ihre Wirkung ausgeüht, und die 
Behauptung, daß sie keinen Teil an der allgemein verwirklichten Einschränkung
	        

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Grundsätze Der Volkswirtschaftslehre. Herder, 1896.
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