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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

Kapitel III. Die Pessimisten. 
176 
zwangen wird, immer undankbarere Felder zn bewirtschaften und 
immer drückendere Produktionsmittel anzuwenden. Sie erscheint daher 
wie ein wissenschaftlicher Beweis des Fluches der Genesis: „Dornen 
und Disteln soll er (der Acker) dir tragen; . . . und im Schweiße 
deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ 
Allerdings war Ricardo nicht so pessimistisch, zu glauben, das 
Menschengeschlecht würde durch diese unheilvolle Verschlechterung 
des kostbarsten aller Produktionsmittel, das ihm das tägliche Brot 
gibt, der Hungersnot ausgeliefert werden, und sich den Schädel an 
einer ehernen Mauer einrennen müssen. Nein, er gab zu, daß andere 
wohltätige Kräfte, die Fortschritte der landwirtschaftlichen Wissen 
schaft und die Verwendung von reichlicheren Kapitalien, dieses 
Hindernis überwinden würden. 
„Obgleich die Felder, die heute bewirtschaftet werden, bedeutend 
schlechter sind als die, die vor Jahrhunderten angebaut wurden, und 
obgleich die Produktion daher größere Schwierigkeiten zu überwinden 
hat, so kann doch kein Zweifel bestehen, daß die heutige Menge der 
Produkte die der Vergangenheit bei weitem übersteigt!“ (S. 190). 
Die Theorie Bicardo’s leugnete also nicht den Fortschritt, aber 
sie zeigte doch, daß die zn überwindenden Schwierigkeiten sich ständig 
steigern und, wenn auch nicht der Hungersnot, so doch der Teuerung 
zutreiben. Wer würde zu behaupten wagen, daß die Befürchtungen 
Ricaedo’s nicht eingetreten wären, wenn die britischen Inseln jetzt 
die Lebensmittel für ihre 45 Millionen Bewohner allein auf ihrem 
Boden gewinnen sollten? 
Es ist natürlich leicht, Bicaedo heute vorzuwerfen 1 ), daß er die 
erstaunliche Entwicklung der Transportmittel und die Lebensmittel 
einfuhr unserer Tage nicht vorausgesehen habe, deren Folge nicht 
nur ein Stillstand, sondern ein Sinken der Bodenrente gewesen ist. 
Heute scheinen die Klagen der Grundbesitzer in England und allen 
alten Ländern die Theorie Ricardo’s Lügen zu strafen 2 ). W r er kann 
‘) „Ebenso wie Malthüs, ist auch Ricakdo ein falscher Prophet und schlechter 
Verkündiger gewesen . . . Das, was man hochtrabend das Gesetz Eioakdo’s nennt, 
ist eine glatte Lüge.“ (Economiste Frangais, 21. März 1908, in einem Aufsatz 
de Fovillb’s über „les variations de la valeur du sol en Angleterre au 
XIX. siede“, die Wertschwankungen des Bodens im England des 19. Jahrhunderts.) 
2 ) Ans einem vor der Eoyal Statistical Society von Eobekt Thomson ge 
haltenen Vortrag (17. Dez. 1907) ergibt sich, daß die Bodenrente, die 1801—1806 
auf 11 sh. 2 pence für den Acker geschätzt wurde, nach und nach auf 20 sh. stieg 
(1841- 1845) und trotz der Aufhebung der Schutzzölle ihre aufsteigende Bewegung 
fortgesetzt hat, bis sie 1872—1877 ihr Maximum erreichte und 29 sh. 4 pence betrug, 
von welchem Zeitpunkt sie allmählich auf den heutigen Stand, 20 sh. für den Acker 
(M. 50 für den Hektar) gefallen ist. Die heutige Summe ist also noch mehr als das 
doppelte des zur Zeit Eioardo’s bestehenden Betrages; man muß aber berücksichtigen,
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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