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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

Kapitel I. Die Physiokraten. 
9 
Gemeinwesen oder das innere Leben jedes Organismus beherrschen? 
-In diesem Falle müßten die Physiokraten als Vorläufer der organi- 
zistischen Soziologen angesehen werden. Man muß anerkennen, daß 
diese Auslegung um so annehmbarer erscheint, als Dr. Quesnay durch 
seine medizinischen Studien über die „tierische Ökonomie“ („L’economie 
animale“ ist der Titel eines seiner Bücher) und über den Blutumlauf 
sich wohl auf dem Wege dieser Richtung befunden haben mag; die 
soziale Ökonomik, ebenso wie die tierische Ökonomie, hat ihm wie 
eine Art Physiologie erscheinen können. Von „Physiologie“ bis 
„Physiokratie“ ist es übrigens nicht weit. Sicherlich haben sie mit 
großem Nachdruck die Abhängigkeit der Klassen untereinander, und 
die Abhängigkeit aller von der Erde betont, und sicherlich heißt das, 
aus der sozialen Wissenschaft eine Naturwissenschaft machen r ). 
Jedoch erscheint uns auch diese Auslegung ungenügend. Es ist 
bemerkenswert, daß in der von uns angeführten Anmerkung Dupont 
dort, wo er von den Gesetzen der Ameisen und Bienen spricht, an- 
nimmt, daß diese Tiere „sich denselben auf Grund gemeinsamer 
Zustimmung und zu ihrem eigenen Nutzen unterwerfen“. Er scheint 
daher anzunehmen, daß auch die tierischen Gemeinwesen auf einer 
Art „Gesellschaftsvertrag“ beruhen! Auf jeden Fall sind wir hier 
weit von einer Auffassung der Gesetzmäßigkeit entfernt, wie .sie den 
Naturalisten, den Physikern und Biologen geläufig ist. Die Physio 
kraten sind keineswegs Deterministen. Nicht nur glauben sie nicht, 
daß die natürliche Ordnung sich wie das Gesetz der gegenseitigen 
Anziehung von selbst durchsetzt, sondern sie glauben überhaupt 
*) Dupont de Nemours sagt: „Die natürliche Ordnung ist die physische Ver 
fassung, die Gott selbst dem Weltganzen gegeben hat“ (Einführung in die Werke 
Qüesnay’s, S. 21). Und an einer anderen Stelle schreibt er, indem er den gleichen 
Gedanken entwickelt: „Vor 13 Jahren kam ein äußerst genial begabter Mann, geschult 
iu wissenschaftlichem Denken und durch seine Erfolge in einer Kunst, die als erste 
Bedingung die Beobachtung und Achtung der Natur verlangt, schon bekannt, zu 
dem Schlüsse, daß die Natur ihre physischen Gesetze nicht auf die bisher unter 
suchten beschränkt, und daß, wenn sie den Ameisen, Bienen und Bibern die Fähig 
keit gibt, sich auf Grund gemeinsamer Zustimmung und zu ihrem eigenen Nutzen 
einer guten, gleichmäßigen und gleichförmigen Eegierungsform zu unterwerfen, sie 
dem Menschen nicht die Gabe verweigern wird, sich zu dem Genuß gleicher Vorteile 
aufzuschwingen. Begeistert von der Bedeutung dieser Anschauung und von den 
folgenschweren Aussichten, die sie eröffnet, widmete er die ganze Schärfe seines 
Verstandes der Untersuchung der physischen Gesetze im Zusammenhang mit 
der Gesellschaft“ (I, S. 338). 
Grade diese naturalistische Auffassung stellt Henri Denis in seiner Histoire 
desDoctrines als besonders charakteristisch für das physiokratisohe System hin 
und illustriert sie durch eine Keihe von Diagrammen, die die Übereinstimmung 
zwischen dem Güterumlauf im physiokratischen Systeme und dem Blutumlauf be 
weisen sollen.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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