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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

12 
Erstes Buch. Die Begründer. 
Am bedeutsamsten ist jedoch die Auffassung von der natürlichen 
Ordnung in ihren praktischen Folgeerscheinungen hervorgetreten. 
Das ganze Gebäude der Verordnungen — das „ancien regime“ als J 
ökonomische Gesellschaftsordnung —, ist durch sie zusammengebrochen. I 
Und das auf folgende Weise: 
Es genügt nicht, diese natürliche Ordnung zu kennen: man muß 
sich auch danach richten. Wie soll das geschehen? Nichts einfacher, 
da ja diese natürliche Ordnung „tatsächlich die dem menschlichen 
Geschlechte vorteilhafteste ist“ 1 ). Nun aber wird jeder Einzelmensch 
„ganz natürlich“ dem Weg zu folgen wissen, der für ihn der 1 
vorteilhafteste ist. Er wird ihn in aller Freiheit 2 3 ) finden, ohne daß 
irgendein Zwang, irgendein Polizeisäbel nötig ist, der ihn vorwärts 
treibt. 
Die psychologische Wage, die jeder Mensch in sich trägt — und 
die man viel später das hedonistische Prinzip nannte — das die 
Grundlage der neo-klassischen Schule ist, wird schon von Quesnay 
prachtvoll ausgeführt 8 ). ‘„Den größtmöglichen Genußzuwachs bei 
größtmöglicher Ausgabeverminderung erreichen, stellt Vollkommenheit 
des Wirtschaftens vor.“ Das ist also auch die natürliche Ordnung. 
o i 
Und wenn ihr jeder folgt, so wird diese Ordnung, anstatt gestört zu I 
werden, nur dadurch gestärkt. „Es beruht auf dem Wesensgrundsatz 
der Ordnung, daß der Vorteil eines einzelnen niemals vom Vorteil 
aller getrennt werden kann, und dies tritt unter der Herrschaft der 
Freiheit ein. Die Welt läuft dann von selbst. Das Trachten 
nach Wohlleben übt auf die Gesellschaft einen Bewegungsantrieb 
aus, der zu einem beständigen Streben nach dem bestmöglichen Zu 
stande wird. 4 ).“ Das heißt alles in allem: es gibt nur eins; die 
Dinge gehen lassen (laisser faire) 5 * * ). 
1 ) Baudeau, Ephemerides du Citoyen et passim. 
2 ) „Die Gesetze (der natürlichen Ordnung) hindern in nichts die Freiheit des 
Menschen . . . denn die Vorteile dieser höchsten Gesetze sind ganz offenbar das Ziel 
der besten Wahl, die die Freiheit treffen kann.“ (Quesnay, Natürliches Recht, 
— droit naturel — S. 55.) Und Mercier de la Riviere sagt (Bd. II, S. 617): „die 
Aufrechterhaltung des Eigentums und der Freiheit läßt ohne Zuhilfenahme irgend 
eines anderen Gesetzes die vollkommenste Ordnung herrschen.“ 
3 ) Dialogues sur les artisans (Gespräche über die Handwerker). 
*■) Mercier de la Riviere, Bd. II, 8. 617. 
6 ) Der Ursprung dieses berühmten Ausspruches ist sehr unsicher. Mehrere 
Physiokraten, besonders Mirabeau und Mercier de la Riviere sprechen ihn Vincent 
de Gournay (s. weiter unten) zu, aber Turgot, der doch ein Freund Vincent 
de Gournay’s war, und eine- Lobrede auf ihn verfaßt hat, schreibt ihn (in etwas 
anderer Form — laßt uns nur machen — laissez-nous faire —) einem Kaufmann der 
Zeit Colbert’s, Legendre, zu. Nach Ohcken stammt das Wort vom Marquis d’Argenson, 
der es in seinen Memoiren schon 1736 gebraucht. Da das Wort an sich recht banal 
ist und nur deshalb einigen Wert hat, weil es die Devise einer großen Schule ge-
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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