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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der Liberalismus
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

410 
Drittes Buch. Der Liberalismus. 
Der natürliche oder notwendige Lohn wird anf die Dauer 
von den Produktionskosten der Arbeitskraft bestimmt, nämlich von 
den Kosten der Lebenshaltung des Arbeiters. Der Marktlohn strebt 
in seinen Schwankungen stets darauf hin, sich nach ihm zu regeln. 
Dieses Gesetz verdiente durchaus den Namen des ehernen Lohn 
gesetzes, mit dem Lassalle es später brandmarkte. Denn auf diese 
Weise wurde der Lohn von Ursachen abhängig gemacht, die außer 
halb des möglichen Einflusses des Arbeiters standen, und die ohne 
jeden Zusammenhang mit ihm selbst, mit seiner Arbeit oder seinem 
guten Willen blieben. Er war einem verhängnisvollen Gesetz ausge 
liefert, dem er ebenso passiv gegenüberstand, wie ein Baumwollen 
ballen seinem Marktpreis. Das ist aber nicht alles! Nicht nur hängt 
der Lohn nicht von dem Arbeiter ah, sondern auch keine gesetzliche 
oder private Einmischung, keine Einrichtung, kein System kann an 
diesem Zustand etwas ändern — ausgenommen man kann eine der 
beiden bestimmenden Grundlagen des Verhältnisses beeinflussen, nämlich 
entweder die Menge des für den Lohn verfügbaren Kapitals (den 
Lohnfonds) oder die Zahl der Arbeit suchenden Bevölkerung. „Jeder 
Verbesserungsplan, der nicht auf diesem Prinzip beruht, führt zu 
einer Enttäuschung.“ Aber hiermit noch nicht genug! Die Ursachen, 
die die beiden bestimmenden Grundlagen des Verhältnisses günstig be 
einflussen könnten, können, was das Wachstum des Kapitals anlangt, 
nur die Spartätigkeit, und was die Verminderung der Arbeitskräfte 
anlangt, nur die Einschränkung des Geschlechtstriebes sein. Das 
sind zu guter Letzt die beiden einzigen Möglichkeiten zur Rettung 
der Lohnempfänger: die erste steht aber vollständig außerhalb ihrer 
Macht J ), und die zweite überliefert dem Zölibat oder dem Onanismus 
alle diejenigen, die man, wahrscheinlich ironisch, auch weiterhin 
„Proletarier“ würde nennen müssen. 
Daher war auch Stuart Mill, als er dieses Gesetz mit größerer 
Schärfe, als irgendeiner seiner Vorgänger, formuliert hatte, über die 
Folgerungen, die sich daraus ergaben, bestürzt. Hauptsächlich be 
wegte ihn die Verurteilung zur Ohnmacht, die dieses Gesetz über 
die tapferen Anstrengungen der damals emporkommenden Trade- 
Unions aussprach. Wie alle Volkswirtschaftler der liberalen Schule 
hatte auch er die Abschaffung der Gesetze gegen die Koalitionen 
>) Das Sparen zur Vergrößerung des „Lohnfonds“ ist nur den Reichen 
möglich, daher empfiehlt es ihnen Stuart Mill mit dem gleichen Nachdrucke, mit 
dem er den Arbeitern Zurückhaltung im Eingehen einer Ehe nahelegt. Er bemüht 
sich, in übrigens dunklen und schwerfälligen Ausführungen nachzuweisen, daß: 
„man den Arbeitenden nicht nützt, weil man selbst verbraucht, sondern weil man 
den Verbrauch bei anderen fördert“, womit gesagt sein soll: nicht durch die Aus 
gabe, sondern durch das Sparen.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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