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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

Kapitel I. Die historische Schule und der Streit über die Methoden. 433 
Man konnte versuchen, diese Kluft zwischen der Wirklichkeit und 
4er Theorie auf zweierlei Weise zu verschmälern. Entweder, indem 
man durch die Analyse eine neue Theorie aufbaute, die harmonischer 
und umfassender wmr, — das ist der Weg, den gegen 1870 Mekgeb p 
•Jevons und Walras betraten, — oder radikaler, indem man jede 
abstrakte Theorie überhaupt verwarf und in der Darstellung der 
Wirklichkeit den einzigen Gegenstand der Wissenschaft sah: diesen 
Weg wählte man zuerst, und die historische Schule schlug ihn ein. 
Freilich hatten schon lange vor der Gründung einer historischen 
„Schule“ gewisse Schriftsteller auf die Gefahr hingewiesen, die der 
Wissenschaft aus dem Mißbrauch der Abstraktion erwachsen-mußte. 
ISismond i, der selbst Historiker war, betrachtete die Nationalökonomie 
als eine „moralische“ Wissenschaft, in der „alles zusammenhängt“. 
Er wollte, daß man die ökonomischen Phänomene in dem sozialen 
und politischen Milieu, in dem sie auftraten, studiere. Er kritisierte 
die allgemeinen Theoreme Ricaedo’s und befürwortete die genaue 
Beobachtung der Tatsachen 1 ). Noch kräftiger hatte List die klassischen 
Volkswirtschaftler angegriffen. Seine Vorwürfe machten nicht bei 
Ricardo halt, sondern wendeten sich sogar gegen Smith. Indem er 
die Geschichte als Demonstrationsmittel benutzte, indem er die 
„Nationalität“ als Basis seines Systems nahm, untenvarf er die ganze 
Handelspolitik jenem Prinzip des „Relativismus“, auf das die historische 
Schule so viel Nachdruck gelegt hat 2 ). Und weiterhin hatten 
die Sozialisten selbst, besonders die Saint-Simonisten, deren ganzes 
System nur eine umfassende Geschichtsphilosophie ist, durch ihre 
Kritik des Eigentums die Unmöglichkeit nachgwiesen, die wirt 
schaftlichen Tatsachen von den sozialen und rechtlichen Einrichtungen 
zu isolieren. 
Aber keiner dieser Autoren hatte in der Geschichte und in der 
Beobachtung mit Absicht ein Mittel gesucht, die ganze Volks 
wirtschaftslehre neu zu konstruieren. Dieser Versuch macht die 
Originalität der deutschen historischen Schule aus. 
1 ) Es ist eigentümlich, daß die „Historiker“ fast niemals Sismondi unter ihren 
Vorläufern aufzählen. Koscher und Hildebhand erwähnen ihn nicht, und Knies 
hält ihn mehr für einen Sozialisten (vgl. Die politische Ökonomie vom 
geschichtlichen Standpunkt, 2. Ausg. S. 322). 
2 ) Doch hat auch List keine Gnade vor den „Historikern“ gefunden. Hildebhand 
wirft ihm vor, mit der „atomistisohen Auffassung“ Smith’s behaftet zu sein und die 
„ethische Natur des Gemeinwesens“ zu vergessen. „Bei List“, sagt er, „erscheint 
jede Unterordnung des Privatinteresses unter den öffentlichen Zweck nur als Forderung 
der Klugheit und des wohlverstandenen Eigennutzes, nicht als sittliche Pflicht, 
welche aus der Natur des Gemeinwesens hervorgeht.“ (Hildebrand, Die National 
ökonomie der Gegenwart und Zukunft, S. 73.) Man ersieht hieraus, wie 
die ethischen Forderungen die historische Schule beschäftigten. 
Gide und Rist, Gesch. d. Volkswirtschaft!. Lehrmeinungen. 
28
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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