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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

Kapitel II. Der Staatssozialismus, 
481 
Die Beweisführung Rodbertüs’ ist aber nicht mit der Gegen 
überstellung von „sozialem Bedürfnis“ und „Avirksamer Nachfrage“ er 
schöpft. Es genügt auch nicht, diesen Gegensatz festzustellen. Er 
muß erklärt werden. Warum lassen sich die Produzenten von der 
Nachfrage und nicht von dem Bedürfnis leiten? Er antwortet, dies 
beruhe darauf, daß die Besitzer der Arbeitsmittel unter der heutigen 
Ordnung ihre Produktion nur im Hinblick auf ihr eigenes Interesse 
einrichten. Ihr Interesse liege nun darin, ihre Produktionsmittel auf 
die Erzeugung derjenigen Gegenstände zu verwenden, die ihnen den 
größten Nettoertrag bringen. Die Rentabilität und nicht die 
Produktivität (nämlich die zur Befriedigung des sozialen Be 
dürfnisse, bestimmten Erzeugnisse) interessiert sie. „Sie veranlassen 
irgendwelche Produktion überhaupt nicht mehr zum Zweck der Deckung 
des Nationalbedürfnisses, sondern weil sie ihnen Rente, Gewinn 
verheißt“ (Kapital, S. 143). 
Dieser Gegensatz zwischen der Rentabilität und der Produktivi 
tät ist bedeutsam genug, um einen Augenblick dabei zu verweilen. 
Schon Sismondi hat darauf hingewiesen, der, wie wir wissen, das 
Streben nach dem Nettoertrag dem nach dem Bruttoertrag gegen 
über stellt. Zahlreiche Schriftsteller haben sich seitdem mit dieser 
Frage beschäftigt. In der Geschichte der Doktrinen spielt sie daher 
eine bedeutende Rolle 1 ). 
Auch hierin hebt Rodbertüs wieder eine unbestreitbare Tat 
sache hervor. Selbstverständlich ist es das Streben nach dem größten 
Nettoertrag, das den Produzenten leitet. Die Würdigung, die er dieser 
Tatsache gibt, unterliegt aber ganz außerordentlich der Kritik. Wenn 
der zu verfolgende Zweck die Befriedigung dessen ist, was er das soziale 
Bedürfnis nennt, und nicht die der Nachfrage, so muß man sich aller 
dings seiner Meinung anschließen. Dann ist es ein charakteristischer 
Fehler der gegenwärtigen Gesellschaft, sich auf die Rentabilität 
l ) Die Frage des Netto- und des Bruttoertrages ist eine der wesentlichen Be 
schäftigungen der Yolkswirtschaftler dieser Zeit. Vidal (Bepartition des richesses, 
Paris 1846, S. 219), und Ott (Traite d’economie sociale, i851, S. 95ff.) bestehen 
nachdrücklich darauf. Seitdem haben sie Cournot, Duhjung und weiterhin Kkkertz 
und Landry von neuem in Angriff genommen. Die meisten definieren „Produktivität“ 
in verschiedener Weise (wenn sie sich überhaupt zu einer Definition herbeilassen), 
so daß es in Wirklichkeit nicht dieselbe Frage ist, die sie behandeln. Bei Rodbertüs 
hat, wie wir im Texte zeigen werden, das Wort Produktivität einen zu unbestimmten 
Sinn, um überhaupt als Grundlage einer Diskussion dienen - zu können. In Wirk 
lichkeit ist in einer auf der Arbeitsteilung beruhenden Produktionsordnung die 
Rentabilität das wesentliche Kriterium. Allerdings haben die Arbeiter eines Be 
triebes eine wesentlich andere Auffassung davon, wann aus dem Grunde ringe- 
nügenden Gewinnes eine Produktionsänderung erforderlich wird, als der gegen ihr 
Geschick gleichgültige Fabrikherr, der sie nach Belieben entlassen kann. 
Gide und Rist, Gesch. d. Volkswirtschaft!. Lehrmeinungen. . 31
	        

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Neueste Zeit. Heyfelder, 1906.
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