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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

Kapitel IV. Die auf dem Christentum beruhenden Lehren. 
569 
bei allen anderen Plänen sozialer Erneuerung — sich eine nach diesem 
Muster errichtete Gesellschaft vorzustellen. 
Zunächst erscheint es, als oh es nur eine der katholischen Religion 
angehörende Gesellschaft sein könne 1 ). Sobald nämlich im Rahmen 
dieser Berufsgenossenschafts-Organisation Feinde der Religion oder 
auch nur religiös Gleichgültige die Oberhand erhielten, würde alles 
zusammenbrechen. Das allein schon macht die Verwirklichung äußerst 
fragwürdig. Lassen wir dies aber beiseite. 
Diese Gesellschaft w r ürde im vollen Sinne des Wortes auf der 
Brüderlichkeit beruhen — und sogar, wie wir soeben gesagt 
haben, auf der einzigen Brüderlichkeit, die einen wirklichen Grund 
für sich anftihren kann: den der gemeinsamen Vaterschaft Gottes, — 
aber nicht auf der Gleichheit im sozialistischen Sinne des Wortes, 
denn in einer Familie verhindert die Tatsache, Kinder des gleichen 
Vaters zu sein, nicht die Ungleichheiten und bedingt sogar, wenn 
nicht das Recht, so doch die Pflicht des Ältesten. Ebenso soll in der 
Berufsgenossenschaft die Gleichheit in dem Sinne herrschen, daß die 
Würde der niedrigsten Arbeit ebenso hochstehend, wie die der vor 
nehmsten Arbeit sein wird, und daß ein jeder mit dem Platze, an 
den es Gott gefallen hat, ihn zu stellen, zufrieden und sogar stolz 
darauf sein kann 2 ). 
Aber diese Gesellschaft wird hierarchisch sein. Auf der Seite 
der Arbeitgeber steht die Autorität mit all ihrer Verantwortung und 
all ihren Pflichten; auf der Seite der Arbeitnehmer: geachtete Rechte, 
die durch den Minimallohn gesicherte Existenz, und die wiederher 
gestellte Familie 3 ). 
*) Der Pater Antoine sagt in seinem Cours d’Bconomie Sociale, (S. 164): 
„Die soziale Frage kann vollständig nur durch die Wiederherstellung christlicher 
Sitten gelöst werden.“ Noch viel kategorischer ist die Erklärung LkoN Harmel’s 
E der Association Catholique vom Dezember 1889: „Wir sehen nur ein 
einziges Heilmittel: daß die Autorität des Papstes in der ganzen Welt anerkannt 
sei und seine Leitung von allen Völkern angenommen werde.“ 
Doch ist in den Semaines Sociales, jährlichen Studien Vereinigungen, die 
heute die bedeutendste Kundgebung des sozialen Christentums sind, und in denen 
alle aktuellen wirtschaftlichen Fragen diskutiert werden, das Programm nicht mehr 
rein katholisch und läßt alle die zu, die sich zum Christentum bekennen. 
2 ) „Die unter der Vormundschaft der Eeligion gebildeten Korporationen werden 
bewirken, alle ihre Mitglieder mit ihrem Schicksal zufrieden zu machen, geduldig 
in ihrer Arbeit und geneigt, ein ruhiges und stilles Leben zu führen (sua Sorte 
eontentos, operumque patientes et ad quietam ac tranquillam vitam agendam indu- 
cant)“ (Encyklika „Quod Apostolici“, Leo’s XIII. vom 28. Dezember 1878). 
Vgl.; L’Histoire des Corporations von Martin Saint-LSon. 
3 ) „Die Korporation ist ihrem Wesen nach ein Abbild der Kirche. Für die 
Kirche sind alle Gläubigen vor Gott gleich, aber damit hört die Gleichheit auf. Für 
alles andere sind sie hierarchisiert“ (Skaun-LAMOiGNON, Association Catholique 
v °m 13. Juli 1894).
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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