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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

Kapitel IV. Die auf dem Christentum beruhenden Lehren. 
575 
ihrer vollen, wenn auch kurzen Blüte gesehen. Es schien ihm, daß 
gerade Genossenschaften dieser Art das gesuchte wirtschaftliche 
Werkzeug seien, um die Lohnarbeiter in freie Produzenten zu ver 
wandeln, und zu gleicher Zeit eine sehr gute Schule, um die Unter 
ordnung des persönlichen Interesses unter das allgemeine Interesse 
zu lehren. Diese Hoffnungen wurden aber noch schneller und noch 
vollständiger enttäuscht als in Frankreich. Kaum daß man von einem 
Beginn der Verwirklichung sprechen kann. 
Doch hatten die Leiter des Bundes nicht ganz umsonst gearbeitet. Als 
sie ihre Ohnmacht einsahen, die Arbeiter anzuspornen, und die Hinder 
nisse kennen lernten, die die damalige Gesetzgebung der Bildung von 
Arbeitergenossenschaften in den Weg legte, wendeten sie sich an den 
Staat und eröffheten einen Feldzug, um eine liberalere Gesetzgebung zu 
erhalten. In Wirklichkeit sind ihnen auch fast allein die Gesetze von 
1852 und von 1862 (IndustrialandProvidentSocietiesActs) 
zuzuschreiben, die zum ersten Male den Genossenschaften den Charakter 
juristischer Personen verliehen, und von denen alle anderen Arbeiter 
verbände Nutzen gezogen haben. 
Übrigens legten die christlichen Sozialisten nur geringes Gewicht 
auf die äußere Form, die der Verwirklichung ihres Ideals dienen 
sollte. Sie wußten aus Erfahrung, daß die Arbeitergenossenschaft 
und sogar die Gesetzgebung keine Früchte tragen konnten, solange 
die geistige Verfassung der Arbeiter nicht anders geworden wäre 1 ). 
Ihre Reform war daher vor allem eine Reform der Moral. Das Wort 
„Kooperation“ bedeutete in ihrem Munde weniger die Verwirklichung 
dieses oder jenes industriellen Systems, als die Antithesis der Herrschaft 
der Konkurrenz, des Kampfes ums Dasein. Ihr eigentlicher Gedanken 
inhalt findet sich vielleicht am besten in einem von Ludlow an 
Maueice gerichteten Briefe, der aus Paris (März 1848) datiert ist, 
und die Notwendigkeit betont, „den Sozialismus zu christianisieren“. 
Der christliche Sozialismus hat in England seine Gründer über 
lebt, hat aber sein Programm geändert. Den Traum der Produktiv 
genossenschaft hat er fallen lassen: er fördert jetzt die anderen 
Formen der Kooperation. Hauptsächlich beschäftigt er sich aber mit 
einer Umformung des Großgrundbesitzes, eine in England besonders 
') Kinrslby schrieb 1856: „Die Assoziation wird die nächste Form der indu 
striellen Entwicklung sein; an ihrem Erfolg zweifle ich nicht; vorausgehen muß 
ihr aber eine Lehrzeit von zwei Generationen, sowohl für die Moral, wie für die 
Fähigkeiten, damit der Arbeiter imstande sei, sich ihrer zu bedienen.“ 
Was die Einmischung des Staates betrifft, so urteilt Kingsley hierüber wie 
folgt: „Der Teufel ist stets bereit, uns dazu anzutreihen, eine Änderung der Gesetze 
und der Kegierung, des Himmels und der Erde zu fordern, ohne uns jedoch jemals 
die vorwitzige Idee zuzuüüstern, daß wir vielleicht uns selbst ändern könnten.“
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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