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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

582 
Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
Doch beschränkt er sich auf die Kritik und legt kein Programm 
sozialer Reformen vor, — ausgenommen das der Reform des inneren 
Wesens, und hierin nähert er sich stark der christlichen Schule 1 ). 
Ruskin hat dagegen ein ganzes Programm sozialer Erneuerung 
aufgestellt, das wie folgt zusammen gefaßt werden kann * 1 2 3 * * * ); 
1. Obligatorische Handarbeit für Alle. — Ruskin verfehlt nicht 
auf die Worte Pauli hinzuweisen: qui non laborat non man- 
ducet. Weshalb das? Weil es widersinnig und unmoralisch ist, 
daß ein Mensch im Müßiggang leben kann, indem er die Dienste 
seinesgleichen mit ererbtem Oelde bezahlt: „mit seinem Leben muß man 
zahlen“, oder mit anderen Worten: ein jeder muß die heutige Arbeit 
mit heutiger Arbeit bezahlen, denn es ist widersinnig, daß man 
leben könne auf Grund toter Arbeit, — doch muß diese Arbeit 
eine wirklich menschliche Arbeit sein, die durch den Verzicht auf 
den Gebrauch von Maschinen geadelt ist. Ausgenommen jedoch sind 
die Maschinen, die der Wind oder das Wasser oder die elementaren 
Kräfte in Bewegung setzen, da sie im Gegensatz zu der Kohle nicht 
beschmutzen sondern reinigen. 
Ruskin will, daß jede Arbeit künstlerisch werde, und daß der Name 
Handwerker wieder gleichbedeutend mit Künstler werde wie im Mittel- 
alter (so sagt man, aber vielleicht verallgemeinert man ein wenig). 
In der Praxis ist das nicht sehr leicht durchzuführen. Einige Schüler 
Ruskin’s haben sich der Herstellung künstlerischer Einbände von 
Luxusbüchern gewidmet; der Absatz ist aber ziemlich beschränkt. 
Tolstoi dagegen erstrebt nicht die künstlerische Arbeit, sondern 
die ländliche Arbeit, die er majestätisch „Brotarbeit“ nennt, und 
die ihm auch ohne jede Verschönerung als edel genug erscheint. 
2. Gesicherte Arbeit für alle, worin die Ergänzung und die Ver 
besserung der vorhergehenden Regel liegt, — nämlich, wenn es keine 
Müßiggänger geben soll, so soll es auch keine Arbeitslosen geben. 
In der heutigen Gesellschaft ist die Arbeit nicht obligatorisch: für 
eine große Anzahl von Menschen ist es aber die Arbeitslosigkeit 8 )! 
Gesetze zuzusehen! Ohne uns gerade den Selbstmord zu empfehlen, nimmt sie dann mit 
diesen Worten gleichmütig von uns Abschied“ (Caelyle, Chartism). 
1 ) „Wenn du darauf bestehst, wissen zu wollen, was zu tun ist? — so laß 
mich dir antworten: jetzt fast nichts ... Du mußt auf den Grund deines Wesens 
hinabsteigen; vielleicht findest du dort noch den letzten Rest einer Seele. Daun 
werden uns nicht nur eine einzelne Tat, sondern, wenn auch mehr oder weniger 
trübe, und unbestimmt, unzählbare Legionen von Taten entgegentreten, die getan 
werden können. Tue zuerst das Erste“ (Fast and Present, Einleitung, Kap. IV). 
2 ) Siehe besonders Fors Clavigera. 
3 ) „Es gibt auf dieser Welt nicht einen Arbeiter auf vier Füßen, der nicht 
Arbeit fände, und mehr als ihm lieb ist! Wenn es sich aber um den Arbeiter auf 
zwei Füßen handelt, wird ihm gesagt: das ist unmöglich“ (Carlylb, ebenda, 
Kap. III und auch Chartism, Kap. IV).
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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