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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

644 
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit. 
so ungeheuer vervielfältigen. Wird in zehn Jahren der Zinsfuß höher 
sein als jetzt? — Nein. — Wird der durchschnittliche Arbeitslohn 
höher sein? — Nein. — Was wird denn höher sein? — Die Boden 
rente, der Wert des Landes. Geh und erwirb Dir baldmöglichst da 
selbst ein Grundstück und halte es fest. . . Ihr könnt Euch nieder 
setzen und Eure Pfeife rauchen. Ihr könnt Euch in die Sonne legen, 
wie die Lazzaroni Neapel’s oder die Leprakranken Mexiko’s tun. Ihr 
könnt in einem Luftballon herumsegeln oder Euch in einer Erdhöhle 
verkriechen. Ohne die geringste Arbeit zu verrichten, ohne ein Jota 
von Gütern dem Gesamtbestand hinzuzufügen, werdet Ihr in zehn 
Jahren ein reicher Mann sein. In der neuen Stadt werdet Ihr ein 
prächtiges Haus bewohnen können, aber unter den öffentlichen Ge 
bäuden derselben wird es ein Armenhaus geben“ 1 ). 
Daher ist für Henry George die Bodenrente nicht nur, wie für 
Stuart Mill, ein Einkommen, das sich besonders dazu eignet, be 
steuert zu werden: es ist die eigentliche Wurzel aller sozialen Übel. 
Schafft die Rente ab, und ihr schafft die Armut ab, die Ungleichheit 
des Besitzes, ja sogar die Krisen, die er einzig auf die Boden 
spekulation zurückführt. Hiervon ausgehend genügt es ihm auch nicht, 
das zukünftige Wachstum der Rente zu treffen. Die verderblichen 
Folgen des Privilegiums der Besitzer würden bestehen bleiben, wenn 
man ihnen den Genuß der jetzigen Renten überließe. Daher muß 
die ganze jetzt bestehende Rente weggesteuert werden * 2 ). Diese 
Steuer würde genügen, um alle Staatsausgaben zu bestreiten, und 
würde alle anderen Steuern überflüssig machen. Hiermit kommen 
wir zu der single tax, der Einheitssteuer auf den Grundbesitz ... 
Und so ist, — ein merkwürdiger Rücklauf in der Geschichte der 
Doktrinen, — die Schlußfolgerung Henry George’s dieselbe wie die 
der Physiokraten! 
Gegen das System Henry George’s erheben sich vom Stand 
punkte der Ökonomik und von dem der Gerechtigkeit aus recht 
schwerwiegende Bedenken. Volkswirtschaftlich ist es klar, daß das 
Eigentum am Boden dem Besitzer den Vorteil eines möglichen Mehr 
wertes verleiht. Es ist aber nicht nachgewiesen (und die These 
Henry George’s ist in diesem Punkte unhaltbar), daß dieser Mehr 
wert den ganzen Vorteil des sozialen Fortschritts aufzehrt. Es 
ist kindlich, in dem Wachstum der Bodenrente die einzige Ursache 
des Elends zu sehen, und von der Konfiskation der Rente die Be 
seitigung des Elends zu erwarten. 
') Fortschritt und Armut, SS. 259—260, B. V, Kap. II. 
2 ) Selbstverständlich wird man den Besitzern das lassen, was in ihrem Ein 
kommen die Zinsen der Kapitalien verstellt, die von ihnen in den Boden gesteckt 
worden sind.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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