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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1010911953
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-20641
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Nach der zweiten durchgesehenen und verbesserten Ausgabe, herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXII, 828 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

670 
Fünftes Buch, Die Lehren der neuesten Zeit. 
Fall sein wird, die den Pilger in einigen Stunden durch die Wüste 
trägt. Der Reisende zu Fuß oder zu Pferde von gestern war 
sicherlich weniger der Gefahr ausgesetzt, Bazillen aufzunehmen, als 
der, der auch nur für einige Minuten mit der Stadtbahn fährt. 
Auch die Soziologie hat ihren Teil an Tatsachen und Theorien 
heigetragen 1 ). Sie hat geglaubt, nachweisen zu können, daß die alte 
Erzählung vom Magen und den Gliedern der genaue Ausdruck der 
Wirklichkeit sei, daß jede Gesellschaft einen „Organismus“ darstelle, 
und zwar genau im Sinne dieses Wortes und infolgedessen auch mit 
der gleichen engen Solidarität aller Teile, wie sie zwischen den 
Organen desselben Körpers besteht. Und diesen Vergleich führt sie 
mit ernsthaftester Genauigkeit oder mit höchst unterhaltsamer Phan 
tasie bis auf die geringsten anatomischen Einzelheiten durch. Die 
Funktionen sind gleich: -— nicht nur die des Umlaufs, der Zirkula 
tion, die nicht einmal den Namen zu wechseln braucht, sondern auch 
die Ernährung, die zur Produktion wird, die Reproduktion, die 
Kolonisation genannt wird, die Anhäufung von Fettreserven in den 
Geweben, die zur Kapitalansammlung wird, — deshalb wurden in 
Florenz im Mittelalter die Bürger „die Fetten“, und die Arbeiter 
„die Mageren“ genannt! — die Organe sind gleich: das Netz der 
Arterien und Venen wird zum Eisenbahnnetz mit seinen doppelten, 
nach beiden Richtungen führenden Schienensträngen; aus den Nerven 
werden Telegraphendrähte, die die gleiche Bestimmung haben, Emp 
findungen und Neuigkeiten schnell zu übermitteln; das Gehirn wird 
zum Sitz der Regierung; das Herz zur Börse! — ohne zu vergessen, 
daß zwischen diesen beiden Organen eine besonders enge Abhängig 
keit besteht. Und sogar die weißen Blutkörperchen haben im sozialen 
Organismus ihr Gegenstück gefunden, denn seitdem man ihre wunder 
bare Rolle entdeckt hat, die darin besteht, sich in großer Anzahl an 
einem bedrohten Punkte des Organismus zu sammeln, um dort die 
Krankheitskeime gefangen zu nehmen und zu ersticken, erkennt man 
leicht in diesen „Phagozyten“ die Polizeibeamten. — 
Wenn auch diese mehr geistreichen, als wissenschaftlichen sozio 
logischen Angleichungen nur ein Leben kurzen Ruhmes gehabt haben * 2 3 ), 
') Als Ausgangspunkt dieser biologisch-sozialen Lehre kann man das Werk des 
Professors Schaeffi.b betrachten; Bau und Leben des sozialen Körpers 
(1875—1878), oder sogar die Schriften Eodbbhtus’, der Sohaeffle beschuldigt, ihn 
„geplündert- 1 zu haben. Siehe auch die Principles of Sociology von Herbert 
Spencer. — Aristoteles hatte schon gesagt: „Man muß zugeben, daß das Tier wie 
eine wohlgeordnete Stadt gebaut ist“ (De motu animalium), ein Ausspruch, den 
man nur umzukehren braucht. 
2 ) Sie haben jedoch noch Anhänger; siehe das Buch von Worms: Organisme 
et Soeiete, und das von Lilienfeld: Pathologie Sociale. 
Herbert Spencer jedoch, der zuerst zu ihrer Verbreitung beigetragen hatte,
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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