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Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

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Bibliographic data

fullscreen: Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Monograph

Identifikator:
1014011027
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-25942
Document type:
Monograph
Author:
Prion, Willi http://d-nb.info/gnd/101278861
Title:
Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Verlag von Julius Springer
Year of publication:
1936
Scope:
1 Online-Ressource (VII, 240 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Business and Management Classics
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
B. Die Menschen im Betrieb
Collection:
Business and Management Classics

Contents

Table of contents

  • Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)
  • Title page
  • Contents
  • A. Die Grundlagen
  • B. Die Menschen im Betrieb
  • C. Die Organisation
  • D. Die Wirtschaftlichkeit
  • Index

Full text

88 
Die Menschen im Betrieb. 
nicht mehr gezeigt werden konnte, ihnen viele Abteilungen nicht bekannt wurden und außer 
dem dem Chef des Hauses, dem Direktor, oft die Zeit, aber auch die Lust fehlte, sich den 
Lehrlingen persönlich zu widmen, obwohl ihn nach wie vor die vertragliche und gesetzliche 
Regelung dazu verpflichtet. 
Vielfach verzichteten daher, um allen Mißhelligkeiten aus dem Wege zu gehen, die großen 
Unternehmungen völlig darauf, eigene Lehrlinge einzustellen. Doch ist diese Möglichkeit 
natürlich nur solange gegeben, als aus Kleinbetrieben genügend Nachwuchs zur Verfügung 
gestellt werden kann. Abgesehen aber davon, daß in vielen Geschäftszweigen die Zahl dieser 
Kleinbetriebe nicht mehr ausreichte, um diese Aufgabe zu erfüllen, war auch die Ausbildung 
dort nur mangelhaft. Die Erfordernisse des Großbetriebs sind meist völlig anderer Art, so daß 
selbst die beste Anlemung im Klein- und Mittelbetrieb keinen Ersatz bietet für die Ausbildung 
im Großbetrieb selbst. 
Andererseits aber ist die Frage der Ausbildung im Großbetrieb — wie schon oben bemerkt 
wurde — nicht einfach. Die alte Lehre, die mehr auf dem Zufall aufgebaut war, genügt nicht 
mehr; die Kenntnisse müssen planmäßig erworben und umfassend sein, soll nicht der spätere 
Angestellte in seinem beruflichen Fortkommen behindert und geschädigt werden. Die weit 
verbreitete Unsitte, den Lehrling entweder nur mit einfachen Arbeiten und Botengängen zu 
beschäftigen oder aber ihn in einer Abteilung, wo er zu einer ganz bestimmten Arbeit heran 
gebildet wurde, festzuhalten, entspricht weder den Erfordernissen der Betriebe nach gut und 
allseitig ausgebildeten Kräften noch denen der Mitarbeiter nach einer Ausbildung, die sie 
kenntnisreich, allseitig verwendungsfähig und dadurch nützlich und selbstsicher macht. Zwar 
sind die Schwierigkeiten einer guten Ausbildung in stark gegliederten Betrieben, deren An 
gestellte oft nur mechanische Arbeiten verrichten und ein sehr kleines Arbeitsgebiet übersehen, 
nicht gering. Die Mängel der Unterweisung entstehen oft nicht nur aus fehlendem Verständnis, 
sondern auch aus fehlenden Fähigkeiten und Gelegenheiten. 
Alle diese Gründe geben Anlaß, daß die Klagen über die mangelnde Lehrlings 
ausbildung immer lauter erhoben wurden. Sie kommen zum Teil von den Be 
trieben, überwiegend aber von den Lehrlingen oder deren Eltern und haben dazu 
geführt, daß neben die eigentliche Praxis sowohl seitens der Betriebe als auch 
seitens des Staates besondere Portbildungsmögliohkeiten gestellt wurden. Die 
theoretische Ausbildung soll nun ergänzen, was an allgemeinem Überblick fehlt, 
soll die einzelnen Tätigkeiten und ihre Auswirkung verständlich machen, aber 
auch ihre Bedeutung im Rahmen des Ganzen — des Staates oder des Betriebes —• 
festhalten und so zu einer sinnvolleren Einstellung auch zu den Kleinigkeiten der 
täglichen Arbeit verhelfen. 
Nach einer Erhebung des Preußischen Statistischen Landesamts gab es im Jahre 1925 in 
Preußen etwa 220 000 kaufmännische Lehrlinge (einschl. Bürolehrlingen und 4000 technischen 
Lehrlingen); in ganz Deutschland wird ihre Zahl auf etwa 340 000 geschätzt, von denen zwei 
Drittel auf das männliche und ein Drittel auf das weibliche Geschlecht entfallen. Den 
größten Teil dieser Lehrlinge nehmen die Gewerbegruppen Handel und Verkehr auf; fast 
15% der männlichen und 35% der weiblichen Erwerbstätigen in dieser Gruppe waren Ju 
gendliche unter 20 Jahren. Über drei Viertel der Lehrlinge Preußens wurden beispiels 
weise allein im Handel ausgebildet. Im reinen Warenhandel sind über 22% der männlichen 
und fast 20% der weiblichen Erwerbstätigen Lehrlinge gewesen. 
Bei der großen Bedeutung, die die berufliche Ausbildung und Erziehung der Jugend für 
ein Land wie Deutschland hat, das überwiegend Verarbeitungsland ist, kann es nicht wunder 
nehmen, wenn schon frühzeitig der Staat in die Gestaltung des Lehrlingswesens eingegriffen 
hat. Das HGB. gibt in den §§ 76—82 Vorschriften, nach denen der Lehrling in den kauf 
männischen Arbeiten in zweckmäßiger Art, Ausdehnung und Reihenfolge unterwiesen werden 
muß, entweder vom Lehrherrn selbst oder von geeigneten Vertretern. Über die Dauer der 
Lehrzeit wird nur gesagt, daß sie nach dem Lehrvertrag oder nach örtlichen Verordnungen 
oder dem Ortsgebrauch festzusetzen ist. 
Im allgemeinen muß es überraschen, daß im Gegensatz zu den Lehrlingen im Handwerk 
und in der Industrie die kaufmännische Lehre seitens des Gesetzgebers nur wenig beachtet 
wurde. Im Laufe der Zeit sind sogar in der Öffentlichkeit hin und wieder Zweifel aufgetaucht, 
ob überhaupt die praktische Lehre im Handelsgewerbe beibehalten werden solle. In Er 
mangelung besserer Vorschläge ist sie jedoch immer noch als das zweckmäßigste Mittel kauf 
männischer Berufsausbildung bestehen geblieben. 
Über die tatsächliche Dauer der Lehrzeit und ihre Einteilung bestehen keine 
allgemeinen Regeln; bei der großen Mannigfaltigkeit wären sie auch eher schäd 
lich als nützlich. Allgemein dürfte heute die Lehrzeit 3 Jahre dauern; doch gibt
	        

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Der Wirtschaftsbetrieb Als Betrieb (Arbeit). Verlag von Julius Springer, 1936.
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