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Kapitalismus und Sozialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Kapitalismus und Sozialismus

Monograph

Identifikator:
1019428651
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56798
Document type:
Monograph
Author:
Eckstein, Gustav http://d-nb.info/gnd/101214995
Title:
Kapitalismus und Sozialismus
Place of publication:
Wien
Publisher:
Verlag der Wiener Volksbuchhandlung
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (120 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Kapitalismus und Sozialismus
  • Title page
  • Contents

Full text

h 
I 
- 15 - 
Wien studierte und der schrieb lange Briefe an seinen Vater nach Hause. Die 
gingen dann von Hand zu Hand, nicht nur bei uns, sondern oft auch in den 
Nachbardörfern. Der erzählte, wie Mitte März in Wien das Volk aufge 
standen war, wie auf den Straßen gekämpft wurde und endlich die Revo 
lution siegte, wie die Minister davonliefen und der Kaiser ein Parlament 
, versprach. Daß man hätte den Kaiser verjagen wollen, das war nicht wahr. 
Aber eine Nationalgarde hatten die Wiener gebildet, Bürger, Arbeiter und 
besonders die Studenten hatten sich bewaffnet, und da beschlossen denn die 
Bauern, das auch zu tun. Da tauchten alle möglichen alten Schießprügel 
auf, mein Vetter fand noch in einer Bodenkammer ein altes Feuerstein 
gewehr und rückte damit aus. Wer keine Feuerwaffen austreiben konnte, 
der nahm die Mist- oder Heugübel, und so hatten wir bald auch im Dorf 
unsere »Nationalgarde«, die fleißig exerzierte. Wenn ich mich heute daran 
erinnere, muß ich lachen, wie zusammengestöppelt alles war; aber damals 
war es allen sehr ernst; und besonders den Herren Amtleüten wäre das 
Lachen ganz gehörig vergangen, wenn sie jetzt versucht hätten, den Bauer 
so zu behandeln wie vorher. Aber das versuchten sie gar nicht; die früher 
die ärgsten Schinder gewesen waxen, die waren jetzt sanft wie Lämmer. 
|Benn ein Bauer von der Robot, so hieß die Zwangsarbeit, fernblieb, dann 
tat der Herr Amtmann, als ob er nichts bemerkte. Früher hätte es Prügel 
gesetzt. Manche meinten nun, man solle der Herrschaft überhaupt keine Ar 
beit mehr umsonst leisten; die Mehrheit aber beschloß, eine Petition an den 
Kaiser zu richten um Aufhebung der Robot. Die Bittschrift wurde auch ab 
geschickt; aber wie das schon ist, wenn kein Zwang mehr da ist; wer nicht 
wollte, der leistete seine Arbeit eben nicht, und die Herrschaften waren froh, 
wenn ihnen die Bauern nicht noch das Haus ansteckten, wie das in anderen 
Gegenden ab und zu geschehen sein soll. 
Anfangs des Sommers waren dann die Wahlen für den ersten Reichs 
tag. Na, war das eine Aufregung! Und aus unserem Wahlbezirk wurde auch 
ein Bauer als Abgeordneter nach Wien geschickt. Das war etwas ganz Un 
erhörtes. Noch vor ein paar Monaten hatte der Bauer vor jedem Beamten 
und vor jedem Adeligen auf dem Bauch liegen müssen. Jetzt schickten sie 
einen der ihrigen als Gesetzgeber nach Wien! Beworben hatten sich allerhand 
Leute um das Mandat, darunter auch ein früherer Amtmann, der jetzt den 
Bauern schrecklich schön tat; aber die trauten ihm nicht über den Weg und 
wählten lieber einen der ihrigen. Bald darauf hörte man, daß im Reichstag 
über Bauernbefreiung verhandelt wurde und unser Abgeordneter schrieb oft 
darüber nach Hause. Gar.so eilig hatte man es im Dorf damit eigentlich 
nicht einmal; denn dort leistete ohnehin keiner mehr die Robot, und wenn 
die Ablösung gesetzlich wurde, dann mußten die Bauern der Herrschaft etwas 
bezahlen. Trotzdem freuten sich»aber doch alle, als man im September er 
fuhr, wie ein Gesetz vom Reichstag angenommen worden war, daß viele 
Lasten ganz unentgeltlich aufgehoben sein sollten, andere nur gegen eine 
kleine Entschädigung. Freilich hatten viele gehofft, es werde alles einfach 
so bleiben, wie es nun geworden war, das heißt, daß die, Robot ganz ohne 
Bezahlung wegfalle; aber die meisten waren doch sehr zufrieden mit dem, 
was der Reichstag damals beschloß. Später, als wirklich reguliert wurde 
und mancher dennoch ein schönes Stück Geld zu zahlen hatte, murrten wieder 
viele, jedoch auch die beruhigten sich bald. 
Aber die Revolutionäre in Wien wollten noch keine Ruhe geben und 
trieben die Sache immer ärger, so- daß der Kaiser aus Wien flüchten mußte 
und dann verbanden sie sich sogar mit den rebellischen Ungarn. Dafür to«»-
	        

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Kapitalismus Und Sozialismus. Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, 1920.
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