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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
1019703202
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-34598
Document type:
Monograph
Author:
Walle, Paul http://d-nb.info/gnd/1057115835
Title:
Le Pérou économique
Edition:
quatrième édition entièrement revue
Place of publication:
Paris
Publisher:
E. Guilmoto, éditeur
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XVI, 387 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Chapitre VI
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

3. Ist der Kandel Produktiv? 
47 
hinaus, durch Steigerung der Tauglichkeit zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse 
die Wertfähigkeit der Güter zu steigern, d. h. sie fähig zu machen, daß sie von den 
Menschen höher bewertet werden. Ob das gelingt, ist eine andere Frage. Wir 
gebrauchen den Ausdruck Produktion nicht nur für diejenige Tätigkeit, welche Erfolg 
hat, also tatsächlich die Menschen zu einer höheren Bewertung der Güter veranlaßt, 
sondern auch für alle diejenigen, welche eine gleiche Tendenz verfolgen, ohne das Ziel 
erreichen zu können. In diesem Sinne ist Produktion einfach alle diejenige mensch 
liche Tätigkeit, welche auf die Steigerung der Wertfähigkeit der Güter gerichtet ist, 
gleichviel, ob die Tätigkeit in einer mechanischen oder chemischen Amgestaltung oder — 
wie beim Bergbau — in einer Ortsveränderung in vertikaler Richtung oder in etwas 
anderem besteht. Der Kandel nimmt auch eine Ortsveränderung der Güter vor, aber 
in horizontaler Richtung. Diese Ortsveränderung verfolgt den Zweck, die Wertfähigkeit 
der Güter zu steigern, die Konsumenten also zu einer höheren Bewertung der Güter 
zu veranlassen. Nicht immer gelingt das. Der Kandel kann oft genug die Konsu 
menten nicht dazu bringen, die von ihm herangeschafften Güter höher zu bewerten. 
Aber sehr häufig gelingt es ihm aus ganz erklärlichen Gründen. Bei der tatsächlichen 
Bewertung der Dinge kommt es wesentlich auf das Arteil der Konsumenten an. Der 
Konsument ist aber geneigt, Dingen, die er zur Befriedigung seiner Bedürfnisse an 
sich als geeignet erachtet und deshalb begehrt, einen höheren Wert beizulegen, wenn sie 
in seinen Verfügungsbereich gebracht sind. Wer Seefische in Berlin konsumieren will, 
für den haben die Fische, die in der Nordsee schwimmen, oder die in Kamburg 
lagern, noch keinen Wert, sondern nur eine noch nicht ausgelöste Wertsähigkeit. Werden 
aber die Fische durch den Kandel nach Berlin gebracht und hier dem Konsumenten 
bereitgehalten, so sind sie an sich für ihn viel mehr geeignet zur Bedürfnisbefriedigung 
als vorher, haben also eine viel höhere Wertfähigkeit in seinen Augen, und er ist auch 
bereit, sie dementsprechend höher zu bewerten. Dasselbe wiederholt sich bei allen anderen 
Bedarfsgegenständen. Überall kann die Zuführung an die Stätte des Bedarfs, in 
den Verfügungsbereich des Konsumenten eine Steigerung der Wertfähigkeit und auch 
eine tatsächliche höhere Bewertung zur Folge haben. Auch da, wo der Lande! das 
Ziel nicht erreicht, ist seine Tendenz darauf gerichtet. Das gleiche gilt dem Wesen 
der Sache nach von der Zuführung der Güter in die Zeiten des Bedarfs. 
Da aber, wenn man das wesentliche Merkmal sucht, alle Produttion in der auf 
Steigerung der Wertfähigkeit gerichteten menschlichen Arbeit besteht, so kann und muß 
auch der Lande! als eine produktive Tätigkeit bezeichnet werden. Sachgüter erzeugt 
er nicht, aber ihre Wertfähigkeit will er steigern, und damit sind alle Voraussetzungen 
erfüllt, die vorhin angegeben sind. Daß der Kandel durch die Art, wie er sein Ziel 
erreichen will, ganz erheblich abweicht von anderen Zweigen der produktiven Tätigkeit, 
insbesondere auch von der Sachgütererzeugung, versteht sich von selbst. Aber sein 
Ziel ist dasselbe wie bei den übrigen Arten, und darauf allein kommt es an. Wenn 
man sich gewöhnen wollte, schärfer zwischen Wert und Wertfähigkeit zu unterscheiden, 
wenn man insbesondere die natürliche Nutzbarkeit nicht schon als Gebrauchswert, 
sondern als Voraussetzung für die Wertschätzung, als Wertfähigkeit behandeln wollte, 
wenn man überhaupt die ganze Lehre vom Wert und von der Produktion mehr an 
die prattischen Verhältnisse anknüpfen wollte, so hätte die hier vertretene ungezwungene 
und einfache Auffassung Aussicht, sich allgemein festzusetzen. Man hätte sie m. E. 
niemals verlassen sollen. 
Auf die Beantwortung der Frage, ob der Kandel „produktiv" sei, hat man 
auch wohl eine bestimmte Rangordnung der wirtschaftlichen Tätigkeiten stützen wollen, 
die dann oft dem Kandel eine untergeordnete Stellung zuwies. Faßt man aber das 
gemeinsame Ziel, die Steigerung der Wertfähigkeit, ins Auge, so wird man solche 
Versuche von vornherein als fruchtlos und überflüssig aufgeben müssen.
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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