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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

Kapitel III. Die Pessimisten. 
173 
wie in bezug auf die Bodenrente, weniger pessimistisch erweist als Ricardo. 
Weit davon entfernt, anzunehmen, daß jede Lohnerhöhung notwendiger 
weise einen Überfluß an Arbeitskräften, und infolgedessen ein erneute« 
Sinken des Lohnes nach sich zieht, sagt er, daß sie sehr wohl in der Arbeiter^ 
klasse jenen Sinn für die Zukunft schaffen könne, der gerade die wirk 
samste präventive Hemmung des blinden Instinktes vorstellt, und daß 
daher die einmal eingetretene Lohnerhöhung sehr wohl zu einer bestän 
digen werden könne. Gut! Enthält aber diese Beweisführung nicht einen 
fehlerhaften Zirkel? Damit nämlich die wohltätige Folge eintreten könne, 
muß zuerst die Lohnerhöhung stattfinden. Wie kann sie aber eintreten, 
solange die Arbeiterklasse im Elend und Leichtsinn versunken bleibt? 
Darauf hätte Malthus ohne Zweifel geantwortet, daß der Markt 
lohn (market wage) beständig um den natürlichen Lohn (natural 
wage) gemäß den Zufälligkeiten des Angebots und der Nachfrage oszilliert. 
Lassen wir also diese Erhöhung etwas länger andauern, und sie kann aus- 
i'eichen, um das Niveau der Lebenshaltung (Standard of life) der Ar 
beiterklasse genügend zu beeinflussen, um definitiv zu werden 1 ). 
Das ist das Lohngesetz, das zu einem Axiom erhoben werden sollte, 
Mn Axiom, das es ermöglichte, allen Vorschlägen für eine Besserung der 
Lage der Arbeiterklasse die folgende Behauptung entgegenzustellen, die 
man allen sozialistischen Systemen oder sozialen Reformgesetzen entgegen- 
hielt: „Der Arbeiter hat nur ein Mittel, seine Lage zu verbessern, und 
das ist, wenig Kinder zu haben; sein Schicksal liegt daher in seinen 
Händen 2 ).“ Späterhin bemächtigte sich der Sozialismus mit Lassalle 
dieses Gesetzes, um es gegen die wirtschaftliche Ordnung zu kehren, und 
versicherte, daß es keineswegs in der Natur, sondern nur in der kapita 
listischen Weltordnung begründet sei, und gerade das spreche ihr das 
Todesurteil. 
Bemerkenswert ist, daß in der Theorie Ricardo’s zwischen dem 
Großgrundbesitzer und dem Lohnempfänger kein bestimmter Anta 
gonismus besteht. Dem Lohnempfänger kann es gleichgültig sein, ob die 
b „Man kann ganz allgemein sagen, daß, bei Eintreten einer Erleichterung im 
Verdienst des Lebensunterhalts, diese Erleichterung das Bestreben hat, das Verhältnis 
oer Heiraten zur Bevölkerungsziffer zu erhöhen. Es ist aber durchaus denkbar, daß 
diese Wirkung nicht eintritt ... Es ist sehr wohl möglich, daß eine plötzliche Ver- 
esserung der Lage des Volkes ihm einen aufrechten Stolz, ein Gefühl für Reinlich 
keit und Wohlanständigkeit gibt. In diesem Falle würde die Zahl der Heiraten nicht 
zunehinen, und man würde eine größere Anzahl Kinder aufziehen; die auf Grund der 
deuen Ordnung eintretende Erhöhung der Bevölkerungsziffer würde durch das Sinken 
der Sterblichkeitsziffer, nicht durch die Vermehrung der Geburten stattfinden“ (S. 189). 
2 ) „Jeder Vorschlag, der nicht auf eine Verminderung der Zahl der Arbeiter hin- 
ausläuft, ist nutzlos, um keinen schärferen Ausdruck zu gebrauchen. Jede gesetzliche 
Einmischung ist verderblich.“ Diese Worte Place’s, der 1822 ein Buch über die 
Bevölkerung verfaßt hat, werden von Graham Wallach: (Life of Francis Place) 
*>tiert.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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