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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die Gegner
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

Kapital II. Saint-Simon, die Saint-Simonisten u. d. Ursprung des Kollektivismus. 219 
monismus besteht darin, daß er von der wirtschaftlichen und politischen 
Revolution unmittelbar abstammt, die Frankreich und Europa am Ende 
des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts erschütterte. Der Saint- 
Simonistische Sozialismus drückt keine unbestimmte Hoffnung auf eine 
primitive und chimärische Gleichheit aus; er ist im Gegenteil der Aus 
druck eines jugendlichen Enthusiasmus für die neue industrielle Ordnung, 
die aus den mechanischen Erfindungen und den wissenschaftlichen Ent 
deckungen geboren ist. Er behauptet, den modernen Geist in seinen 
grandiosesten Gedanken zu vertreten. Er drückt all die großherzigen 
Zukunftshoffnungen der neuen bürgerlichen Klassen aus, die durch die 
Revolution von der Vormundschaft des Adels und der Geistlichkeit be 
freit worden waren, und die die reaktionäre Politik der Restauration 
in ihrem Vormarsch bedroht. Nur geht er über den intellektuellen Horizont 
des liberalen Bürgertums hinaus. Er ahnt schon die Rolle, die in der Zu- 
zu haben, mit dem Tode sühnte. Aber nicht ihnen haben die Saint-Simonisten ihre 
Gedanken entnommen. Der Sozialismus des 18. Jahrhunderts beruht im wesentlichen 
auf dem Gleichheitsgedanken; was ihn am meisten entrüstet, sind die Ungleichheiten 
der Annehmlichkeiten und des Wohlstandes und die sozialen Unterschiede, für die 
er das Eigentum verantwortlich macht. „Da Alle die gleichen Bedürfnisse und die 
gleichen Fähigkeiten haben, so solle es auch für Alle nur eine einzige Erziehung, eine 
einzige Nahrung geben,“ sagt das Manifest der Gleichen (manifeste des Egaux). 
Pie Saint-Simonisten geben aber weder die Gleichheit der Bedürfnisse und noch 
weniger die der Fähigkeiten zu, und sie wenden sich ganz besonders gegen jede Ver 
wechslung oder Vermengung mit den Anhängern des Landgesetzes (loi agraire), 
*1- h. den Babouvisten. Ihr Sozialismus, der sich auf das Recht an dem integralen 
Erzeugnis der Arbeit gründet, der die Entlohnung in Übereinstimmung mit den Fähig 
keiten bringen will, ist weder gleichheitstrunken noch gleichmachend. 
Was die sozialistischen Ideen ihrer Zeitgenossen anlangt, die eines Foukier in 
Frankreich, eines Thompson und Owen in England, so scheinen sie sie nicht gekannt 
zu haben. Enfantin hat die Bücher Fourier’s erst ziemlich spät gelesen, als seine 
eigene wirtschaftliche Lehre schon abgeschlossen war. Weder Saint-Simon, noch 
Bazard kennen Fourier’s Schriften. Wahrscheinlich war es um 1829, daß Enfantin 
Kenntnis von Fourier’s Werken erhielt, aus denen er nur das nahm, was die freie Liebe 
und die Theorie der Leidenschaften betraf. Daher sagt Bourgin: „Wenn Fourier 
zu etwas gedient hat, so war es dazu, die Auflösung des Saint-Simonismus zu beschleu 
nigen.“ (H. Bourgin: Fourier, S. 419, Paris, 1905.) _ . 
Was die englischen Sozialisten anlangt, so erwähnen die Saint-Simonisten sie 
nie. Der Gedanke, daß die Arbeit allein den Wert begründe, eine Idee Ricardo s, die 
uen Theorien Thompson’s und Owen’s, wie später der von Marx als Grundlage dient, 
bleibt ihnen vollständig fremd. Sie hielten die Begriffe „Wert, Preis, Produktion, die 
keine grundlegende Idee über die Zusammensetzung oder die Organisation der Gesell 
schaft erfordern“, für „belanglose Einzelheiten“ (Producteur, Bd. IV, S. 388). Ihre 
Kehre ist vor allem sozial, und nur nebenbei streifen sie die eigentliche Nationalökonomie. 
Enpantin unterläßt es nie, Quesnay und seine Schule sorgfältig von Smith und Say 
zu trennen. In seinen Augen hat der erste seinen Arbeiten einen sozialen Charakter 
gegeben, den die Ekonomisten zu Unrecht vernachlässigt haben. A. Comte kritisiert 
später die Volkswirtschaft in fast gleichen Ausdrücken im IV. Bande seines Cours 
Philosophie Positive, und hierin liegt unter vielem anderen ein weiterer Beweis 
ür das, was er dem Saint-Simonismus verdankt.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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