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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die Gegner
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

218 
Zweites Buch. Die Gegner. 
Nicht, daß sie bisher noch nicht erörtert worden wäre. Die kom 
munistischen Utopien, seit Plato und Morus bis zu den egalitären 
Schriftstellern des 18. Jahrhunderts, Mably, Morelly, Godwin, Babeuf, 
beruhen alle auf einer Kritik des Eigentums. Aber alle diese Schrift 
steller haben sich mehr auf den Gesichtspunkt der Moral, als auf den 
der Volkswirtschaft gestellt 1 ). Der kennzeichnende Zug des Saint-Si- 
der Rente ruinierten zahllose Existenzen, aber die Absicht, das Eigentum zu achten, 
bleibt deshalb nicht weniger unbestreitbar. Anscheinend haben in dieser Hinsicht 
die Männer der Revolution unter dem Einfluß der Physiokraten gestanden, deren 
Kultus des Eigentums wir kennen. Sollte man nicht glauben, daß der 17. Artikel der 
„Declaration des Droits de l’Homme“ aus der Feder eines Physiokraten stamme: 
„Das Eigentum ist ein unverletzliches und heiliges Recht!“ Es ist jedoch wahr, 
daß auch Rousseau den.gleichen Gedanken in seinem Aufsatz über ficonomie Poli- 
tique Ausdruck gegeben hatte, als er schrieb: „Das Eigentumsrecht ist das heiligste 
aller bürgerlichen Rechte.“ 
Aber nicht nur in Hinsicht auf die Frage des Eigentums hat sich die Revolution 
von 1789 anti-sozialistisch gezeigt. Sie war es auch in dem Sinne, daß sie nicht an den 
Klassenkampf gedacht hat, und ebensowenig an einen Interessengegensatz zwischen 
Proletariern und Kapitalisten, sondern nur Bürger kennen wollte, die alle gleich, alle 
gleichberechtigt, alle Brüder wären. 
Diejenigen aber, die sich heute am heftigsten auf den Geist der Revolution be 
rufen, möchten nicht, daß diese Feststellung sie in irgendetwas verkleinere. Daher 
bemühen sie sich auch, nachzuweisen, daß sie trotzdem nicht so konservativ, noch so 
individualistisch gewesen sei, wie man sagt: so entdecken sie hier und da, allerdings 
nach vielem Suchen, einige sozialistische Kundgebungen in den Dekreten über den 
Höchstpreis der Lebensmittel, wie in dem über die Verpflegung (decret de Maximum, 
decret de rationnement) usw., gewöhnlich begnügen sie sich aber damit, mildernde 
Umstände anzuführen. „Wie sollte man dazu gekommen sein, am Ende des 18. Jahr 
hunderts Probleme zu lösen, die erst ein halbes Jahrhundert später, infolge der Um 
formung der Industrie sich einstellten, Probleme, die sich aus den neuen Bedingungen 
des Kapitals und des Lohnsystems ergaben? Würde es nicht für die Männer von 1789 
und 1793 ein sinnloses Unternehmen gewesen sein, sie im voraus regeln zu wollen?“ 
(Aulard, Ansprache an die Studenten, 21. April 1893). Vgl. auch im Kapitel VIII 
seiner Histoire politique de la Revolution (Paris, 1901) den Absatz über: 
Sozialismus. 
Wie man weiß, gab es jedoch während der Revolution eine kommunistisch 
sozialistische Lehre und sogar eine kommunistisch-sozialistische Verschwörung, die 
des Francois Babeuf. Aber die Ausnahme bestätigt hier die Regel, denn Babeuf, 
obgleich er sich selbst den damals sympathischen Namen Cajus Gracchus beigelegt 
hatte, fand unter den Männern der Konvention, sogar unter denen des Berges, keine 
Anhänger, so daß er unter dem Directoire verurteilt und hingerichtet wurde. Diese 
Verschwörung Babeuf’s ist gerade deshalb interessant, weil sie wie eine Art zu früh 
gekommenen Protestes des revolutionären Sozialismus gegen die bürgerliche Revolution 
erscheint. Vgl. Aulard (op. cit.) S. 627 u. ff. 
1 ) Ohne von den berühmten Utopien Plato’s, Thomas Morus’ oder Campanella’s 
zu sprechen, haben doch eine Reihe Schriftsteller, die Lichtenberger eingehend studiert 
hat, diese Kritik im 18. Jahrhundert unternommen. Morelly, Mably, Brissot und 
der Cure Meslier in Frankreich, Godwin in England haben energisch gegen das Eige n " 
tum Protest erhoben. Ihre Theorien sind alle von Gracchus-Babeuf zusammengefaßt 
worden, der 1796 das Verbrechen, die Verwirklichung der Sociötö des figaux angestrebt
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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