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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die Gegner
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

Kapitel V. Proudhon und der Sozialismus von 1848. 
323 
Ebensowenig ist er bereit, die Hingebung oder die Verbrüderung 
als wirksame Lebensprinzipien anzuerkennen. Bedeuten sie doch Auf 
opferung und Unterordnung eines Menschen unter einen anderen. Die 
Menschen sind aber gleichberechtigt, und die Grundregel ihres gegen 
seitigen Verkehrs kann nichts Anderes als die Gerechtigkeit sein. 
Das ist ein für Proüdhon so selbstverständliches Axiom, daß er sich 
nicht einmal die Mühe nimmt, es zu beweisen. Es kommt ihm nur darauf 
an, die Gerechtigkeit zu definieren. Die Gerechtigkeit, sagt er in seiner 
»Ersten Abhandlung“ (Premier Memoire) über das Eigentum ist: 
»die Anerkennung des Anderen als einer der unseren rechtsgleichen Per 
sönlichkeit“ (S. 191); und etwas später: „sie ist die freiwillige und gegen 
seitige Achtung der menschlichen Würde, wo immer, in welcher Person 
und unter welchen Umständen auch immer sie gefährdet sei, und welchen 
Gefahren auch immer uns ihre Verteidigung aussetze“ 1 ). 
Sie steht daher im gleichen Range wie die Gleichheit. Wenn wir 
^ese Definition auf die wirtschaftlichen Verhältnisse zwischen den Menschen 
anwenden, so finden wir, „daß das Prinzip der gegenseitigen Achtung 
sich logischerweise in das der Gegenseitigkeit der Dienste verwandelt 2 ). 
Gleiches Entgelt, gleiche Dienste: das ist die Aufgabe, die die Mensch- 
Meit zu lösen hat; nur auf diese Weise wird die Achtung der Gleichheit 
2ur Tatsache. „Tu einem jeden, was du willst, daß er dir tue“, dieses 
Prinzip der ewigen Gerechtigkeit läßt sich wirtschaftlich durch die Gegen- 
seitigkeit und die Reziprozität der Dienste ausdrücken 3 ). Die Gegen- 
P'gentum, das der dem Gemeineigentum entgegengesetzte Ausdruck ist, ist der zweite 
«tz, seine Antithese. Zu ermitteln bleibt nur der dritte Satz, die Synthese, und 
Wir haben die gesuchte Lösung“ (Mümoire sur la Propriötö, S.202). Dieser dritte 
öatz wird nun der einfache Besitzstand sein, d. h. das Eigentum, seines Rechtes 
4111 arbeitsloses Einkommen entkleidet. — „Man schaffe das Eigentum ab, behalte 
3b er das Besitzrecht bei; durch diese einzige Änderung im Prinzip wird Alles in den 
besetzen, in der Regierung, im Wirtschaftsleben, in den Einrichtungen geändert; das 
Obel verschwindet von der Erde“ (l“M6moire sur la propriötö, l.Ausg., 8.24.,). 
‘«man sieht, hatte Proudhon nicht den Besuch des Hegelianers, Karl Grün m Paris, 
lö .44, abgewartet, um sich der hegelianischen Terminologie zu bedienen da er schon 
«'(1840 diese charakteristisch HEGEL’schen Formeln anwendete. Über die Beziehungen 
•sehen Proudhon und K. Grün siehe Sainte-Beuve: P.-J- Proudhon. 
*) Justice dans la Revolution etc., Bd. I, S. 182 183. 
, a ) Ebenda, S. 269; „Ich werde keine Zeit mit dem Nachweis verlieren, daß 
, s Pr| nzip der Reziprozität der Achtung sich logisch in die Reziprozität der Dienste 
W-rwandelt. Ein jeder wird verstehen, daß, wenn die Menschen subjektiv vor der 
^erechtigkdt untereinander gleich sind,sie das nicht weniger gegenüber der Not sind; 
Z < J? r i eni ge, der vorgibt, die immanente Dienstbarkeit, d.e zu uberwinden das Recht 
"nd die Pfli cht der Gesellschaft ist, auf seine Brüder abzuwälzen, der ist ungerecht. • 
crz f i•*) ^er Gedanke der Reziprozität wird besonders in der: Organisation du 
l ( i . de la circulation entwickelt. ((Euvres, Bd. VI, S. 92 93, und mder 
e S^üörale de la Revolution, S. 97ff.) 
21*
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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